51 - Rollenmodelle

Geschlechterrollen sind Erwartungen, die die Gesellschaft pauschal an Menschen stellt, die sie in Männer und Frauen einteilt. Typische Beispiele sind: Frauen sollen fürsorglich und kommunikativ sein, Männer stark und durchsetzungsfähig. Oder im Kindesalter: Jungen sind per se wild und abenteuerlustig, spielen gerne Ritter, Piraten oder mit Autos. Mädchen sind dagegen per se sanft, ängstlich und angepasst, sie spielen Vater, Mutter, Kind oder mit ihren Puppen, und wenn sie groß sind, möchten sie Topmodel oder Prinzessin werden.

Aber: die meisten vermeintlich geschlechtstypischen Verhaltensweisen und Eigenschaften entwickelt der Mensch meist erst deshalb, weil es in der Gesellschaft Geschlechterrollen gibt. An alle Menschen wird die Erwartung gestellt, diesen Rollen zu entsprechen bzw. bestimmte geschlechtstypische Dinge zu mögen oder zu können. Wenn sie dazu nicht in der Lage sind, erfahren sie oft Diskriminierung und Ablehnung. Auch gibt es Menschen, die sich in der binären Einteilung in Mann und Frau nicht wiederfinden. Welche Persönlichkeit, Neigungen und Talente ein Mensch hat, ist individuell unterschiedlich und hängt nicht vom Geschlecht ab. Auch wenn sie den Menschen und das soziale Miteinander prägen, sind Geschlechterrollen weder natürlich noch weltweit gleich oder unveränderlich. In Deutschland etwa werden an Männer und Frauen heute andere Anforderungen gestellt als noch vor einigen Jahrzehnten: Frauen sollen heute z.B. auch Karriere machen. Männer sollen sich auch für den Haushalt verantwortlich fühlen und Empathie zeigen.

Denken in Klischees kann Unterdrückung verstärken: Rollenerwartungen wurden über Jahrhunderte auch missbraucht, um Frauen systematisch kleinzuhalten. In diesem Zusammenhang wurde etwa behauptet, Frauen seien schwach oder hysterisch und könnten deshalb nicht wählen, wissenschaftlich denken oder eine Führungsposition übernehmen. Leider bestimmen Klischees oft, wie wir über andere und über uns selbst denken. Im Mathe-Unterricht werden Mädchen Studien zufolge oft unabhängig von der Leistung schlechter bewertet. Und haben sie mal eine bessere Note, sagen manche Lehrerinnen und Eltern: Die Mädchen waren fleißig, aber Jungen können das. Mädchen trauen sich selbst dann leider oft auch weniger zu.

Für eine tatsächliche Gleichberechtigung der Geschlechter sollten althergebrachte Rollenbilder aufgebrochen werden, so dass Mädchen und Jungen ihre Berufs- und Lebensplanung frei und auf Basis ihrer persönlichen Interessen und Kompetenzen gestalten können.