47 - Kind bleiben dürfen

1. B ist richtig. Pro Jahr werden 12 Mio. Mädchen frühverheiratet – 21 % aller Mädchen weltweit (UNICEF 2020). Jungen sind auch betroffen, aber sechsmal seltener. Am weitesten verbreitet sind Kinderehen in Südasien (56 % der Mädchen werden vor ihrem 18. Geburtstag verheiratet) sowie West- und Zentralafrika (46 %). Im östlichen und südlichen Afrika gehen 38 % sowie in Lateinamerika und der Karibik 30 % der Mädchen minderjährig in die Ehe. Im Mittleren Osten und Nordafrika sind es 24 % sowie in Ostasien und der pazifischen Region 21 %. Kinderehen finden weltweit, z.B. auch in den USA und Deutschland, in allen Religionen, kulturellen Kontexten und ethnischen Gruppen statt. Mit der Corona-Pandemie hat sich die Zahl der 100 Mio. von Frühverheiratung bis 2030 bedrohten Mädchen um weitere 10 Mio. erhöht.

Kinderheiraten sind eine Form der Gewalt, da sie die Grundrechte von Kindern, meist von Mädchen, verletzen und häufig psychische, körperliche und sexualisierte Gewalt nach sich ziehen. Eine Kinderheirat ist in fast allen Fällen gleichbedeutend mit dem Ende der Schullaufbahn. Früh verheiratet zu werden kann schlimmstenfalls tödlich enden: Minderjährig verheiratete Mädchen werden häufig sehr früh Mutter, obwohl ihr Körper für die Austragung einer Schwangerschaft noch nicht voll ausgebildet ist. Auch das Risiko einer Ansteckung mit sexuell übertragbaren Krankheiten wie HIV/Aids und von sexualisierter Gewalt sind bei minderjährig verheirateten Mädchen deutlich erhöht.

2. 76 % der Mädchen in Niger werden vor dem 18. Lebensjahr verheiratet. Auch 6 % der Jungen werden frühverheiratet. Die zweit- und dritthöchsten Raten an Frühverheiratungen von Mädchen weisen die Zentralafrikanische Republik (68 %) und Tschad (67 %) auf. In absoluten Zahlen werden in Indien die meisten Mädchen frühverheiratet: 26,6 Mio. pro Jahr (UNICEF 2020).

PLAN International fand 2018 heraus, dass die Rate der minderjährig verheirateten Mädchen innerhalb des Niger mit 89 % in der Region am höchsten ist, die am stärksten von der Krise rund um das Tschadseebecken betroffen ist. Frühverheiratung wird dort als eine Schutzmaßnahme angesehen, die Mädchen vor (sexualisierter) Gewalt bewahren soll, die in dieser Region extrem weit verbreitet ist. Andere Faktoren, die Frühverheiratung im Niger und vielen anderen Ländern der Welt begünstigen, sind Vertreibung und Flucht, Armut, geschlechtsspezifische Normen und Rollenvorstellungen, Bildungsmangel, traditionelle und religiöse Gebräuche sowie Polygamie.