43 - Drum prüfe, wer sich ewig…!

1. Seit dem 22. Juli 2017 darf in Deutschland ausnahmslos erst heiraten, wer volljährig ist, sprich das 18. Lebensjahr vollendet hat. Das Gesetz gilt auch, wenn die Ehe nach ausländischem Recht geschlossen wurde. Bis dahin war eine Heirat zwischen einer Person, die das 16. Lebensjahr vollendet hatte, und einer volljährigen Person erlaubt, wenn das Familiengericht dem zustimmte. Diese Ausnahme gilt nun nicht mehr. Ehen, die unter Verstoß gegen die neue Ehemündigkeitsbestimmung im Alter zwischen 16 und 18 Jahren geschlossen wurden, werden zukünftig durch richterliche Entscheidungen aufgehoben. Wenn eine der verheirateten Personen zum Zeitpunkt der Heirat das 16. Lebensjahr noch nicht vollendet hatte, ist die Ehe automatisch ungültig.

Damit werden das Kindeswohl geschützt und sogenannte Kinderehen bekämpft. Denn nach Ansicht der Gesetzgeberin kann eine zu frühe Eheschließung das Wohl der Minderjährigen und ihre Entwicklungschancen beeinträchtigen. Jugendämter müssen minderjährige Geflüchtete nun in Obhut nehmen, auch wenn diese verheiratet sind. Nach der Inobhutnahme wird geprüft, welche Schutzmaßnahmen notwendig sind und ob die Ehepartnerinnen voneinander getrennt werden müssen.

2. Jährlich werden in Deutschland im Schnitt fast 400.000 Ehen (397.194) geschlossen. Dazu zählen seit 2018 auch gleichgeschlechtliche Eheschließungen. 2020 gaben sich 373.300 Menschen das Ja-Wort, 149.010 Ehen wurden geschieden (Statistisches Bundesamt 2021).