40 - Länder-Vergleiche

1. C ist richtig. Die Tötung einer Frau aufgrund ihrer Zugehörigkeit zum weiblichen Geschlecht bzw. aufgrund von Misogynie (Frauenhass) wird als Femizid oder Feminizid bezeichnet. Das bedeutet, eine Person wird einfach dafür umgebracht, dass sie eine Frau ist. In die Kategorie Femizid fallen verschiedene Verbrechen an Frauen oder Mädchen: Tötungen in einer Paarbeziehung oder außerhalb, Ehrenmorde, Mitgiftmorde, Fötizide oder Infantizide, Tötungen aufgrund der sexuellen Orientierung, Tötungen indigener Frauen oder Mädchen, organisierte Tötungen, gezielte Tötungen in bewaffneten Konflikten oder Kriegen etc. Die Dunkelziffer bei Femiziden gilt weltweit als hoch. Oft werden Femizide nicht als solche erfasst, sondern als reguläre Tötungen von Frauen oder Mädchen, u.a. dann, wenn im nationalen Gesetz kein Straftatbestand Femizid existiert, was in vielen Ländern der Fall ist. Oder es wird bei Erfassung der Tötungsdelikte grundlegend nicht nach weiblichen und männlichen Betroffenen unterschieden. Häufig werden junge Frauen z.B. aufgrund einer Ehrverletzung auch systematisch in den Selbstmord getrieben. Die Statistik erfasst diese Verbrechen dann nicht als Femizide, sondern als Suizide. In zahlreichen Femizid-Fällen gehen die Tatpersonen straffrei aus. Straffreiheit der Tatpersonen wiederum trägt zu weiterer Gewalt gegen Frauen und Mädchen bei.

14 der 25 Länder mit der höchsten Femizid-Rate weltweit liegen in Lateinamerika/Karibik. Die meisten Femizide im Verhältnis werden in El Salvador (13,8 pro 100.000 Einwohnerinnen; 2017), Jamaika (10,9; 2017) und Venezuela (10,7; 2018) verübt (WHO). In absoluten Zahlen gibt es in Indien (9.200), Brasilien (4.700), den USA (2.700) und Südafrika (2.400) die meisten Opfer (Small Arms Survey 2016).

In der Regel werden weltweit mehr Männer als Frauen (beide durch Männer) gewaltsam getötet. In 8 Ländern, die sich durch hohe Einkommen und allgemein niedrige Mordraten auszeichnen, ist das Verhältnis jedoch umgekehrt - dort kommen mehr Frauen als Männer gewaltsam zu Tode. Deutschland gehört zu diesen Ländern. Die weiteren 7 Länder sind Hong Kong, Japan, Luxemburg, Neuseeland, Österreich, Slowenien und die Schweiz.

2. Laut der Istanbul-Konvention sollte es 21.400 Plätze hier geben. Das im Jahr 2018 von der Bundesregierung ratifizierte Übereinkommen des Europarats zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt (auch bekannt als Istanbul-Konvention) sieht einen Platz pro 10.000 Einwohnerinnen vor. Das heißt, 14.600 Plätze bzw. 770 Frauenhäuser fehlen in Deutschland (ARD 2019).

Frauenhäuser sind soziale Einrichtungen und bieten Schutz für von Gewalt betroffene Frauen und deren Kinder. Sie stellen nicht nur einen Ort der Zuflucht dar, sondern bieten Gewaltbetroffenen darüber hinaus auch psychosoziale Beratung, Begleitung zu Ämtern, Polizei und Familiengerichten sowie andere weitreichende Hilfsangebote in dieser belastenden Lebenssituation an. Jährlich flüchten sich in Deutschland 34.000 Frauen und Kinder ins Frauenhaus. Einen Rechtsanspruch auf einen Platz in einem Frauenhaus gibt es  bislang nicht, genauso wenig  wie eine bundesweit einheitlich geregelte Finanzierung der Frauenhäuser. Bereits 2012 zeigte eine deutschlandweite Bestandsaufnahme erhebliche Kapazitätsengpässe auf. Zeitnaher Schutz und Hilfe für alle Betroffenen kann so nicht gewährleistet werden, und besonders für vulnerable Gruppen (z.B. psychisch oder suchtkranke Frauen, wohnungslose Frauen, Frauen mit Behinderung, geflüchtete Frauen) ist der Zugang zu entsprechenden Hilfsangeboten oft sehr schwierig.