39 - Katzen rufen?

1. A ist richtig. Catcalls sind übergriffige, sexuell aufgeladene Kommentare in der Öffentlichkeit, v.a. von Männern gegenüber Frauen. Auch Pfiffe, anzügliche Geräusche oder Gesten zählen dazu. Oft beinhalten Catcalls Anspielungen auf das Aussehen und den Körper. Sie sollten nicht mit Komplimenten verwechselt werden, denn mit Wertschätzung, Interesse oder Respekt hat diese Art der Aufmerksamkeit Nichts zu tun. Statt Interesse sollen sie vermeintliche Dominanz demonstrieren. Beispiele für Catcalls von Instagram-Accounts wie catcallsofberlin sind z.B.: Geiler Arsch!, Wie viel kostest du? oder Ihr F*tzen könnt ja mal für mich die Beine breit machen. Unangenehm? Allerdings!

Verbale sexuelle Belästigung ist in Deutschland nicht strafbar. Nach § 184i StGB macht sich nur strafbar, wer eine andere Person in sexuell bestimmter Weise körperlich berührt und so belästigt. Bedeutet das, sexuelle Belästigung ohne Anfassen ist in Ordnung? Die Studierende Antonia Quell hat eine Petition gestartet, um das zu ändern. Sie fordert, dass verbale sexuelle Belästigung auch in Deutschland strafbar wird. In Frankreich, Portugal, Belgien und den Niederlanden ist das bereits der Fall und wird mit Geldstrafen von bis zu 750 Euro geahndet. Kommt es zum Prozess, kann die verbale Belästigung für die Tatperson Kosten von bis zu 3.000 Euro nach sich ziehen.

Wie häufig Catcalling stattfindet, zeigte ein 2014 von einer jungen Frau gedrehtes Video, in dem sie 10 Stunden lang mit versteckter Kamera durch New York lief. Über 100 Male wurde sie von fremden Männern angesprochen, wurde ihr hinterhergepfiffen oder wurden wertende Kommentare über ihr Äußeres abgegeben. Auch in Deutschland ist Catcalling weit verbreitet: laut einer Umfrage der Cornell Universität (2014) wurden in Deutschland 85 % der befragten Frauen auf offener Straße anzüglich angesprochen, noch bevor sie 17 Jahre alt waren. Die negativen Folgen von Catcalling sind wissenschaftlich belegt: Eine Studie der Universität Melbourne aus dem Jahr 2017 kam zu dem Ergebnis, dass anzügliche Kommentare dem Selbstwertgefühl der Betroffenen schaden. Regelmäßig objektiviert zu werden störe das Verhältnis zum eigenen Körper erheblich.

2. B ist richtig (BKA 2020). 2019 wurden in Deutschland 117 Frauen von ihrem (Ex-)Beziehungspartner getötet. Das heißt, fast jeden dritten Tag eine. Alle 45 Minuten wurde eine Frau durch ihren Partner verletzt oder angegriffen. Fast täglich kam es zudem zu einem Tötungsversuch an einer Frau (301 Fälle). Insgesamt registrierte das BKA 141.792 Betroffene von Paargewalt im Jahr 2019 (2018 im Vergleich: 140.755). Knapp 115.000 Betroffene (114.903) waren weiblich (81 %).