38 - Späte Reform

1. B ist richtig. Die Betroffene muss für die Tatperson erkennbar verbal oder nonverbal zum Ausdruck gebracht haben, dass die sexuelle Handlung nicht gewollt war. Für die Strafbarkeit eines sexuellen Übergriffs kommt es jetzt also nicht mehr darauf an, ob die Tatperson der Betroffenen mit Gewalt gedroht hat oder ob Gewalt angewendet wurde. Die Betroffene muss sich auch nicht mehr körperlich dagegen gewehrt haben.

Nur Schweden, Dänemark und Spanien sind noch weiter gegangen: dort gilt das Prinzip Ja heißt Ja. Auch in Deutschland wird von vielen Frauen und Frauenrechtlerinnen mittlerweile eine weitergehende Gesetzesreform in Richtung des Grundsatzes Ja heißt Ja gefordert. Den Befürworterinnen zufolge gibt es Situationen, in denen Betroffene von sexualisierter Gewalt sich nicht trauen, Nein zu sagen oder schlichtweg nicht dazu in der Lage sind - sie stehen oft unter Druck oder werden von der Grenzüberschreitung durch ihr Gegenüber überrumpelt. Deshalb braucht es die Rückversicherung durch ein klares Ja, so die Argumentation für das Prinzip Ja heißt Ja, um tatsächlich sicherzugehen, dass die andere Person Sex haben will. Ein fehlendes Nein bringt das noch nicht automatisch zum Ausdruck. Indem nach klarer Zustimmung gefragt wird, bekommen Betroffene den Raum, die Situation noch einmal zu durchdenken und sich selbst zu fragen: Will ich das? Will mein Gegenüber das auch?

2. Beispiele: Dame, Weib, Ehefrau, Gattin, Gemahlin, Lady, Lebensgefährtin