34 - Kavaliersdelikt?

1. Alle 5: A-E. Häusliche Gewalt umfasst körperliche, sexualisierte, psychische, soziale und wirtschaftliche Gewalt, die in einer Intim- oder Familienbeziehung zwischen Erwachsenen erfolgt sowie Kontrolle und Machtausübung zum Ziel hat. Fast jede 3. Frau weltweit (30 %) hat körperliche und/oder sexualisierte Gewalt in der Paarbeziehung erlebt (WHO 2013). Die Gewalt tritt dabei häufig im Kontext von Trennungs- und Scheidungssituationen oder rund um Schwangerschaften auf oder verstärkt sich dann.

Beispiele für körperliche Gewalt sind Ohrfeigen, Faustschläge, Tritte, Stöße, Würgen, Fesseln, Angriffe mit Waffen aller Art oder mit Gegenständen, Morddrohungen und Mord. Psychische Gewalt kann Drohungen, sich selbst, der Partnerin oder den Kindern etwas anzutun bzw. die Kinder wegzunehmen, beinhalten; zudem Beleidigungen, Demütigungen und Lächerlichmachen in der Öffentlichkeit. Soziale Gewalt schließt v.a. die Isolation der Betroffenen von Familie und Freundeskreis, die Kontrolle der Kontakte, das Verbot von Kontakten und Einsperren ein.

Sexualisierte Gewalt meint u.a. Nötigung, Vergewaltigung oder Zwangsprostitution.

Wirtschaftliche Gewalt kann Arbeitsverbote oder Arbeitszwang sowie die alleinige Kontrolle der Finanzen durch die Tatperson beinhalten, sprich: das Erzeugen von finanzieller Abhängigkeit.

2. Jede 4. Frau in Deutschland (25 %) war bereits von körperlicher und/oder sexualisierter Gewalt in der Paarbeziehung betroffen – über 10 Millionen. 40 % waren bereits allgemein von körperlicher und/oder sexualisierter Gewalt betroffen (BMFSFJ 2004). Eine Studie des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen belegt, dass zwei Drittel der Gewalttaten gegen Frauen im sozialen Nahraum erfolgen. Der soziale Nahraum schließt die eigene Wohnung und das Wohnumfeld ein, in dem ein Mensch sein tägliches Leben gestaltet, sich versorgt und seine sozialen Kontakte pflegt. Der soziale Nahraum zeichnet sich normalerweise durch Sicherheit, Geborgenheit und Vertrauen aus.

Bei Vergewaltigung, sexueller Nötigung und sexuellen Übergriffen in Partnerschaften sind die Betroffenen in Deutschland zu rund 98 % weiblich, bei Stalking, Bedrohung und Nötigung in der Partnerschaft zu 89 %. Bei vorsätzlicher, einfacher Körperverletzung sind 79,5 % der Betroffenen Frauen und bei Mord und Totschlag in Paarbeziehungen sind es fast 76,5 %. Zu den Risikofaktoren für Tatpersonen wie -Betroffene gehören u.a. Gewalterfahrungen in der eigenen Kindheit und Jugend.