26 - Leider akzeptiert

1. Die richtige Summe lautet 18: 1 + 2 + 4 + 5 + 6. Kein Gesetz schreibt FGM/C vor. Befürworterinnen beurteilen FGM/C im eigenen kulturellen Kontext und sehen Gründe, die die Praktik vermeintlich rechtfertigen. Diese fallen in 5 Bereiche: Tradition, Religion, soziale Anerkennung, medizinische Mythen und wirtschaftliche Absicherung. In praktizierenden Gesellschaften stellt FGM/C meist eine soziale Norm dar: Frauen gelten nur dann als richtige Frauen, wenn sie beschnitten sind. Verweigern sie sich dieser Norm, droht ihnen das soziale Abseits. Viele Eltern halten an dieser Form der Gewalt gegen Mädchen und Frauen fest, paradoxerweise weil sie ihre Töchter lieben und ihnen vollständige gesellschaftliche Teilhabe und die besten Zukunftsperspektiven ermöglichen wollen. Aus dem gleichen Grund erfolgt FGM/C mittlerweile auch immer früher, oft noch im Babyalter. Eltern gehen davon aus, dass der Eingriff dann weniger traumatisierend wirkt. Faktisch wirkt sich FGM/C jedoch immer negativ auf die Gesundheit und meist auch die weitere, oft lebenslange Entwicklung der Betroffenen aus. Auch eine sehr frühe Verstümmelung kann ein Trauma auslösen.

In etlichen Ländern gehört FGM/C zur traditionellen Einführung von Mädchen in die Erwachsenenwelt bzw. von Frauen in die Gesellschaft. Vielerorts ist der Glaube verbreitet, dass eine unbeschnittene Klitoris unrein sei und dass unbeschnittene Frauen ein unmoralisches Sexualleben, z.B. mit ständig wechselnden Sexualpartnerinnen, führen würden. Medizinisch gänzlich unhaltbare, aber dennoch verbreitete Mythen können sein, dass die Klitoris unkontrolliert wächst, wenn sie nicht beschnitten wird; oder dass eine intakte Klitoris zu Unfruchtbarkeit bei der Frau, Impotenz beim Mann oder Impotenz bei den männlichen Nachkommen führt. Weitere häufig vorgebrachte Gründe sind u.a.: obligatorische Voraussetzung für Heirat und Mutterschaft, Erhalt des kulturellen Erbes, Einhaltung religiöser Gebote, Notwendigkeit für die Wahrung der Familienehre, Erhöhung des Brautpreises und damit Verbesserung der finanziellen Situation der Herkunftsfamilie des Mädchens. Aus all diesen Gründen haben Eltern Angst, ihre Töchter nicht beschneiden zu lassen. Zudem wird von anderen Familienmitgliedern (Tante, Großmutter, Onkel, Vetter etc.) oder von der Dorfgemeinde großer Druck auf die Eltern ausgeübt, ihre Töchter FGM/C zu unterziehen. Viele Betroffene glauben selbst, dass FGM/C notwendig sei, damit sie von ihrer Gemeinschaft und ihrem zukünftigen Ehemann akzeptiert werden. Oft wissen sie nicht, dass FGM/C in anderen Ländern der Welt nicht üblich ist.

Viele der traditionellen Beschneiderinnen haben keine anderen Einkommensmöglichkeiten oder Ausbildung, so dass sie durch eine Aufgabe der Praktik ihren Lebensunterhalt verlieren. Auch haben sie als Beschneiderinnen meist eine machtvolle Position innerhalb der Gemeinschaft inne und genießen einen hohen sozialen Status, den sie nur ungern aufgeben wollen. Es braucht daher umfassende Aufklärung darüber, wie schädlich und schmerzhaft FGM/C tatsächlich ist, und welche Folgen FGM/C meist lebenslang für Mädchen und Frauen hat. Gleichzeitig müssen die Beschneiderinnen die Möglichkeit bekommen, ihren Lebensunterhalt anderweitig zu bestreiten.

2. Beispiele: Frauenbewegung, Frauenbild, Torfrau, Bankkauffrau, Frontfrau, Ampelfrau, Frauenärztin