24 - Weltweites Leid

1. A ist richtig: Das Beschneidungsalter variiert, FGM/C findet jedoch meist statt, bevor ein Mädchen das 5. Lebensjahr erreicht. Fast ebenso hoch ist das Risiko für Mädchen zwischen 5 und 9 Jahren. Ab dem 15. Lebensjahr sinkt das Risiko, auch dann kommt FGM/C aber noch vor (UNICEF 2013). Im Laufe der Zeit ist das Beschneidungsalter weitgehend gleich geblieben. Wo Veränderungen auszumachen waren, zeichnete sich ein Trend zu FGM/C in zunehmend jüngerem Alter ab. 

2. Weltweit sind 200 Millionen Mädchen und Frauen von FGM/C betroffen. Diese Zahl umfasst allerdings nur Länder, in denen Daten aus repräsentativen Umfragen vorliegen, konkret 27 Länder des afrikanischen Kontinents sowie den Irak, Jemen, die Malediven und Indonesien. Die ausgesprochen besorgniserregenden Zahlen stellen folglich ein unvollständiges Bild der globalen Problematik dar. Nach Erkenntnissen des europäischen End FGM Netzwerks kommt FGM/C in mindestens 92 Ländern weltweit vor. FGM/C wird mittlerweile international als schwere Menschenrechtsverletzung, als Form von Gewalt gegen Frauen und Mädchen und als Manifestation der Ungleichheit der Geschlechter anerkannt. Die Praktik verletzt die Rechte der Betroffenen auf Gesundheit, Sicherheit, körperliche Unversehrtheit, Freiheit von Folter und grausamen, inhumanen oder entwürdigenden Praktiken sowie leider oft auch das Recht auf Leben. In etlichen Ländern ist es immer noch tabu, über FGM/C zu sprechen – es gilt als eine private oder kulturelle Praktik.

Jährlich laufen weitere 3 Millionen Mädchen und Frauen Gefahr, FGM/C zu erleiden. Corona verschlimmert die Lage noch zusätzlich (UNFPA 2020). Wenn FGM/C so fortgesetzt wird wie aktuell, werden laut UNFPA (2020) weltweit 68 Millionen Mädchen und Frauen zwischen 2015 und 2030 FGM/C unterzogen werden.

FGM/C wird von der WHO definiert als die teilweise oder vollständige Entfernung der weiblichen Genitalien oder deren Verletzung ohne medizinischen Grund. Die Praktik hat keinerlei gesundheitliche Vorteile für Mädchen und Frauen - ganz im Gegenteil! Bei FGM/C handelt es sich um eine medizinisch unnötige Amputation von Teilen oder aber dem vollständigen äußerlich sichtbaren weiblichen Geschlechtsorgan. FGM/C ist in allen Fällen irreversibel - was entfernt wurde, wächst nicht mehr nach.

Die WHO unterscheidet vier Formen der Verstümmelung: Typ I nennt sich Klitoridektomie. Dabei wird der äußerlich sichtbare Teil der Klitoris, d.h. die Klitoriseichel, entfernt. Typ II wird als Exzision bezeichnet und beinhaltet die teilweise oder vollständige Entfernung der Klitoris und der inneren Schamlippen sowie möglicherweise auch der äußeren Schamlippen. Typ III - Infibulation genannt - gilt als die schwerste Form von FGM/C. Dabei werden i.d.R. alle äußerlich sichtbaren Teile des weiblichen Genitals entfernt und das verbleibende Narbengewebe verschlossen, so dass nur eine kleine Öffnung für Urin und Menstruationsblut bleibt. Typ IV schließt alle anderen verletzenden Eingriffe an den weiblichen Genitalien ohne medizinischen Anlass, wie z.B. das Durchstechen, Piercen, Einschneiden, Abschaben und Verätzen, ein. Rund 90 % aller Mädchen und Frauen sind von Typ I, II oder IV betroffen, 10 % von Typ III (UNFPA 2020). Oft hängt es an der ethnischen Zugehörigkeit, von welcher Form der Verstümmelung ein Mädchen oder eine Frau betroffen ist. Typ III wird v.a. im nordöstlichen Afrika, d.h. in Djibouti, Eritrea, Äthiopien, Somalia und im Sudan praktiziert.