23 - Traurige Statistik

1. 4: A - D zählen zu den Folgen von FGM/C, E nicht. FGM/C wird oft ohne Betäubung unter unhygienischen Bedingungen durchgeführt, so dass die Betroffenen extreme Schmerzen erleiden. Es gilt als hochtraumatisierender Eingriff: Die Menschen, denen das Mädchen am meisten vertraut, v.a. die eigenen Eltern, liefern es einer Gewalterfahrung aus. Die Auswirkungen lassen sich in akute und chronische Folgen für Körper, Psyche und Sexualität sowie Komplikationen in der Schwangerschaft und beim Gebären unterteilen.

Die äußeren weiblichen Genitalien sind sehr sensibel und stark mit Nerven versorgt. Die Schmerzen, die durch eine Amputation ohne Anästhesie entstehen, sind daher enorm. Klitoris und innere Schamlippen werden von zahlreichen Arterien versorgt, daher führt FGM/C zu großem Blutverlust und kann in der Folge Schockzustände oder Blutarmut hervorrufen und tödlich enden. Da die Praktik meist von Beschneiderinnen ausgeführt wird, die nur über geringe anatomische Kenntnisse verfügen und deren Sehvermögen u.U. eingeschränkt ist, kann es zur unbeabsichtigten Verletzung von umliegendem Gewebe kommen. Die Beschädigung von Analschließmuskel oder Harnröhre kann zum unwillkürlichen Verlust von Urin und Stuhlgang führen.

Die unsterilen Bedingungen, unter denen der Eingriff häufig stattfindet - v.a., wenn mehrere Mädchen mit demselben Instrument beschnitten werden - begünstigen Infektionen, wie z.B. Blutvergiftung, Wundstarrkrampf, Kinderlähmung, Hepatitis oder HIV. Eine Infektion kann die Scheide, Gebärmutter, Eileiter, Eierstöcke oder den gesamten Unterleib betreffen. Eine länger andauernde Entzündung der Eileiter kann zu deren Verklebung und zu Unfruchtbarkeit führen. Diese wiederum kann für den Ehemann einen Scheidungsgrund darstellen - fatal in Gesellschaften, in denen Frauen ökonomisch und sozial weitgehend von Männern abhängig sind.

Die Menstruation ist v.a. für infibulierte Frauen sehr schmerzhaft (bei einer Infibulation werden alle äußerlich sichtbaren Teile des weiblichen Genitals entfernt und das verbleibende Narbengewebe verschlossen, so dass nur eine kleine Öffnung für Urin und Menstruationsblut bleibt). Durch die verengte Vaginalöffnung kann das Menstruationsblut schwer abfließen, Stauungen und Schmerzen sind die Folge.

Bei infibulierten Frauen ist für den Geschlechtsverkehr zudem eine Öffnung der Vagina notwendig. Gelingt dem (Ehe)mann die Penetration nicht, wird die infibulierte Vagina von ihm mit einem Messer oder einem anderen scharfen Gegenstand defibuliert. Nach einer Kindergeburt wird bei Frauen, deren Vagina für die Entbindung defibuliert wurde, in vielen Fällen eine Reinfibulation vorgenommen. Dazu werden die Narbenränder entfernt und das verbleibende Gewebe erneut zusammengenäht.

Die medizinischen Konsequenzen von FGM/C haben meist Auswirkungen auf etliche weitere Lebensbereiche der Betroffenen. Neben sozialen Aspekten (fehlende finanzielle Ressourcen der Familie, frühe Verheiratung) sind Krankheiten und starke Schmerzen Gründe dafür, dass betroffene Schülerinnen massiv in ihren Leistungen nachlassen, dem Unterricht fernbleiben oder ihre Schulausbildung ganz abbrechen. Psychische Folgen können Angstreaktionen, Konzentrationsschwäche, Depressionen oder unberechenbare Aggressionen bis hin zu Suizidversuchen sein.

2. 25 % aller Betroffenen sterben an den direkten oder langfristigen Folgen von FGM/C, wie z.B. an Blutverlust oder einer Infektion mit Hepatitis (WHO 2013).

TERRE DES FEMMES setzt sich für die weltweite Abschaffung weiblicher Genitalverstümmelung ein. Wir verstehen FGM/C als extreme und endgültige Ausprägung eines frauenfeindlichen Systems und damit als Menschenrechtsverletzung.

Extrem, weil fundamentale Rechte der Frau, wie das Recht auf körperliche Unversehrtheit, verletzt werden.

Endgültig, weil nur ein Teil der Betroffenen Therapien und Wiederherstellungsoperationen nutzen kann, aber auch diese weder die Tat noch die Folgen ungeschehen machen können.

Frauenfeindlich, weil diese Praktik das Potenzial von Mädchen hemmt, indem sie eng mit Bildungslosigkeit, Frühehen, Vielehen und häuslicher Gewalt verknüpft ist.

System, weil soziale Vorteile wie ein höheres Brautgeld, soziale Akzeptanz sowie ästhetische Ideale und Mythen wie Reinheit oder größere Fruchtbarkeit unter Befürworterinnen mit FGM/C verbunden werden.