16 - Synonyme

1. Was verbindet ihr mit den Begriffen, die ihr gefunden habt? Evtl. beschleicht euch ein Gefühl der Ablehnung oder des Unwohlseins. Woran könnte das liegen? Auffällig ist, dass Synonyme für weibliche Prostituierte meist dem derb-vulgären Sprachgebrauch angehören und oft auch abwertend für Frauen verwendet werden, die nicht der Prostitution nachgehen. Anders als das Wort Stricher für einen männlichen Prostituierten (für i.d.R. männliche Sexkaufende) gelten v.a. die Bezeichnungen Nutte und Hure als Schimpfwörter in der Alltagsverwendung. Sie werten sowohl Prostituierte in ihrer Persönlichkeit und Lebensführung ab als auch andere Frauen, die z.B. sexuell selbstbestimmt auftreten oder vergleichbare sexuelle Freiheiten ausleben wie viele Männer.

Das Wort Nutte stammt z.B. aus dem Berlinischen des späten 19. Jahrhunderts und geht vermutlich auf die abwertende Beschreibung der Vulva, des weiblichen Geschlechtsorgans, als Nut(e) (Spalt, Fuge oder Ritze) zurück. Zunächst allgemein für Mädchen verwendet, wurde Nut später nur noch auf Prostituierte bezogen. Der Begriff Nutte ist heute ausschließlich im derb-vulgären Sprachgebrauch etabliert und wird somit stets in geringschätzender Absicht verwendet. 

2. Offiziell gibt es in Deutschland 40.369 behördlich registrierte Prostituierte (Statistisches Bundesamt 2019), in der großen Mehrzahl Frauen. Dunkelfeld-Schätzungen gehen aber von 200.000 bis zu 1 Million Prostituierten aus.

Zudem hatten 2.170 Prostitutionsgewerbe eine erteilte oder vorläufige Erlaubnis. Nicht angemeldete Gewerbe und Prostituierte werden in der Statistik nicht erfasst. 35 % der gemeldeten Prostituierten besaß die rumänische Staatsbürgerschaft, 11 % die bulgarische und 8 % die ungarische. 7.700 Prostituierte (19 %) besaßen die deutsche Staatsangehörigkeit. 93 % und damit die große Mehrzahl der angemeldeten Betriebe, waren Bordelle.

Seit 2002 ist Prostitution in Deutschland als legale Erwerbstätigkeit anerkannt. Damals trat das Gesetz zur Regelung der Rechtsverhältnisse der Prostituierten, kurz Prostitutionsgesetz, in Kraft. Prostituierte können sich seitdem als Selbstständige bei den Behörden anmelden und sozialversichern. Auch Betreibende von Bordellen oder Zuhälterinnen machen sich nicht mehr strafbar, solange sie sichere Arbeitsbedingungen für Prostituierte schaffen. Davor galt Prostitution als Sittenwidrigkeit.