U-Untersuchungen

Petition U-UNTERSUCHUNGEN – UNBEDINGT PFLICHT!

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Die Petition wurde am 29.10.2019 erfolgreich an das Bundesministerium für Gesundheit übergeben. Insgesamt haben mehr als 75.000 UnterzeichnerInnen unsere Forderung unterstützt.

Der Staat hat einen gesetzlichen Schutzauftrag, das Wohl jedes Kindes zu schützen.

Vorsorgeuntersuchungen für Kinder und Jugendliche dienen als wichtiger Baustein, um ein gesundes und gewaltfreies Heranwachsen zu fördern.

Deshalb fordert TERRE DES FEMMES:

  • die Einführung bundesweit verpflichtender Vorsorgeuntersuchungen für Kinder und Jugendliche bis zum 18. Lebensjahr.
  • die Kostenübernahme aller Vorsorgeuntersuchungen für Kinder und Jugendliche von allen Krankenkassen.
  • eine bundesweit einheitliche Evaluierung.
  • die Sicherstellung einer ausreichenden Finanzierung von Fort- und Weiterbildungen für Kinder- und JugendärztInnen im Umgang mit Fällen von Vernachlässigung, sexueller oder sexualisierter Gewalt und weibliche Genitalverstümmelung.

Die Unterzeichnungsfrist ist am 28.10.2019 abgelaufen.

Vielen Dank für Ihr Interesse!

 

Rückfragen richten Sie bitte an: gewaltschutz@frauenrechte.de

 

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Kinder- und Mädchenschutz geht uns alle an!

U-UNTERSUCHUNGEN FÜR KINDER UND JUGENDLICHE

Die regelmäßige Teilnahme an ärztlichen Vorsorgeuntersuchungen (U-Untersuchungen) von Kindern und Jugendlichen dienen als wichtiger Baustein, um ein gesundes und gewaltfreies Heranwachsen zu fördern.

In Deutschland hat jedes Kind Anspruch auf 14 ärztliche Vorsorgeuntersuchungen.

Es gibt 10 Untersuchungen im Vorschulalter, d.h. bis zum 64. Lebensmonat (U1 – U9).  Darauf folgen im Schulalter zwei weitere Vorsorgeuntersuchungen d.h. im Alter von 7-8 Jahren (U10) und 9–10 Jahren (U11). Abschließend gibt es im Alter von 12-14 (J1 und 16-17 (J2) ebenfalls zwei Vorsorgeuntersuchungen.

Derzeit werden von allen Krankenkassen nur die Kosten der U1-U9 sowie der J1 übernommen.

Auf Bundesebene gibt es bislang keine gesetzliche Regelung, die Eltern dazu verpflichtet, ärztliche Vorsorgeuntersuchungen für Kinder und Jugendliche wahrzunehmen. Derzeit sind die Vorsorgeuntersuchungen in nur drei Bundesländern, Baden Württemberg, Bayern und Hessen gesetzlich verpflichtend.

In allen anderen Bundesländern bis auf Sachsen wird ein appellatives Verfahren und somit freiwilliges Verfahren verfolgt. Das heißt Eltern werden bei Nichteinhaltung der Termine explizit an die Vorsorgeuntersuchung erinnert bzw. zu deren Teilnahme eingeladen. Allerdings wird das appellative Verfahren in den meisten Bundesländern nur bis zur U9 verfolgt.

Der Staat hat den gesetzlichen Schutzauftrag, das Wohl des Kindes zu schützen.

In Bundesländern, die appellativ verfahren, nimmt die Teilnahme vom 2. Lebensjahr bis zum Vorschulalter ab. Eine deutliche Abnahme der Teilnahme ist nochmals bei der J1 und J2 zu verzeichnen. Insbesondere Familien mit besonderen sozialen Belastungen werden durch ein einfaches Erinnerungs- und Einladungsverfahren nicht immer erreicht.

Die Auswertungen von Fällen, in denen Kinder aufgrund von Vernachlässigung und Misshandlung zu Tode gekommen sind zeigen, dass die Eltern in den meisten Fällen die Vorsorgeuntersuchungen nicht wahrgenommen haben.

Die Nichtteilnahme an den Früherkennungsuntersuchungen können, laut mehreren Studien, ein Indiz dafür sein, dass die Eltern der ihnen obliegenden Fürsorgepflicht nicht ausreichend nachkommen und insofern ein Ansatzpunkt für helfende Interventionen der Kinder- und Jugendhilfe und des öffentlichen Gesundheitsdienstes. Eine verpflichtende Regelung würde die Teilnahme fördern und zugleich präventiv in Bezug auf mögliche Gefährdungsrisiken des Kindes, wie weibliche Genitalverstümmelung, wirken.

Die große Mehrheit der Eltern nimmt ihre Aufgaben sehr verantwortungsbewusst wahr. Leider sind zu häufig Eltern überlastet und mit der Erfüllung ihrer Pflichten überlastet. Das Kindeswohl muss über dem Elternrecht stehen.

Kevin in Bremen war den unterschiedlichsten involvierten Behörden wohlbekannt – und dennoch konnte man seinen Tod nicht verhindern.

Ein Problem in der „Akte Kevin“ war die mangelnde Kommunikation der verschiedenen Professionen untereinander. Und genau da setzt die Verpflichtung für die U-Untersuchungen an: Wir kommunizieren! Die „schweren“ Fälle der Kindeswohlgefährdung sind meistens den Behörden bekannt. In diesen Fällen wäre die Verpflichtung der U-Untersuchungen ein wichtiger Baustein, der zur besseren Vernetzung medizinischer und sozialer Institutionen zum Schutz der betroffenen Kinder nutzt.

Kinder haben das Recht auf eine Gewaltfreie Erziehung (§1631, Abs. 2 BGB).

Das Bundeskinderschutzgesetz bezieht sich explizit auf die bundesweite Organisation des Kinderschutzes. Hier sind besonders auch die Kinder- und JugendärztInnen aufgerufen, bei den Vorsorgeuntersuchungen auf Zeichen von Vernachlässigung und Gewalt in der Familie zu achten.

Der Bund muss ausreichend finanzielle Mittel zur Verfügung stellen, um Kinder- und JugendärztInnen mit Blick auf Kindeswohlgefährdungen, in Fällen von Vernachlässigung, Misshandlung, sexueller oder sexualisierter Gewalt und weiblicher Genitalverstümmelung ausreichend fort- und weiterzubilden.

TERRE DES FEMMES fordert die Einführung bundesweit verpflichtender ärztlicher Vorsorgeuntersuchungen für Kinder und Jugendliche, um Fälle von Vernachlässigung, Misshandlung und sexuellem Missbrauch sowie Genitalverstümmelung an Mädchen frühzeitig zu erkennen bzw. zu verhindern.

 

U-UNTERSUCHUNGEN – UNBEDINGT PFLICHT!

Unterstützen Sie die Unterschriftenaktion von TERRE DES FEMMES e.V.!

FÜR EIN GESUNDES UND GEWALTFREIES HERANWACHSEN!

Die Petition “U-Untersuchungen – Unbedingt Pflicht” startete im Rahmen der Mädchenschutzkampagne „Jetzt Mädchen stärken“ – #esistnichtallesrosarot“ im Oktober 2018. Am 29.10.2019 wurde die Petition mit 75.000 Unterschriften an das Bundesministerium für Gesundheit überreicht. 

TERRE DES FEMMES fordert...  

...die Einführung bundesweit verpflichtender ärztlicher Vorsorgeuntersuchungen (U-Untersuchungen) für Kinder und Jugendliche bis zum 18. Lebensjahr. Des Weiteren wird gefordert, dass alle Krankenkassen die Kosten für alle Vorsorgeuntersuchungen übernehmen. Darüber hinaus bedarf es einer bundesweiten einheitlichen Evaluierung sowie die Sicherstellung einer ausreichenden Finanzierung von Fort- und Weiterbildungen für Kinder- und JugendärztInnen im Umgang von Fällen von Vernachlässigung, sexueller oder sexualisierter Gewalt bei Kindern und weiblicher Genitalverstümmelung. 

Wieso diese Forderung?  

Regelmäßige ärztliche Vorsorgeuntersuchungen (U-Untersuchungen) dienen als wichtiger Baustein, um ein gesundes und gewaltfreies Heranwachsen zu sichern. 

U-Untersuchungen können dazu beitragen, dass: 

  • Krankheiten, welche die körperliche, geistige, emotionale und soziale Entwicklung gefährden, frühzeitig identifiziert, entsprechend behandelt bzw. verhindert werden. 
  • Fälle von Kindeswohlgefährdungen, wie Vernachlässigung, Verwahrlosung, Misshandlung, sexuelle oder sexualisierte Gewalt bei Kindern sowie Genitalverstümmelung bei Mädchen frühzeitig identifiziert und verhindert werden.

Der Staat hat einen gesetzlichen Schutzauftrag, das Wohl jedes Kindes zu schützen. 

Die Vorsorgeuntersuchungen können hierzu einen wichtigen Beitrag leisten. In Deutschland hat jedes Kind Anspruch auf 14 ärztliche Vorsorgeuntersuchungen im Alter von 0–18 Jahren. Bislang wurde jedoch versäumt, eine gesetzliche Regelung zu schaffen, die Eltern bundesweit dazu verpflichtet, die Vorsorgeuntersuchungen mit ihren Kindern wahrzunehmen. 

Leider ist es so, dass Teilnahme an U-Untersuchungen nach dem zweiten Lebensjahr stark abnimmt. Erinnerungs- und Einladungsverfahren erreichen viele Familien, insbesondere solche mit sozialen Belastungen, nicht.

Auswertungen von Fällen, in denen Kinder aufgrund von Misshandlung und Vernachlässigung zu Tode gekommen sind, zeigen, dass die Eltern in den meisten Fällen die Vorsorgeuntersuchungen nicht wahrgenommen hatten.  

Zahlen von Gewalt gegen Kinder stark gestiegen 

Die Fälle von Kindesmissbrauch sind 2020 um 10% gestiegen. Es wird davon ausgegangen, dass statistisch gesehen in jeder Schulklasse ein bis zwei Kinder von häuslicher oder sexualisierter Gewalt betroffen sind.i Faktoren wie Kontaktbeschränkungen, Schulschließungen und angespannte Familienverhältnisse trugen während dem Pandemie-Jahr 2020 dazu bei, dass Kinder häufiger Opfer von häuslicher und sexualisierter Gewalt wurden. Dies liegt hauptsächlich daran, dass diese Fälle nicht erkannt wurden und nicht eingegriffen wurde. Die Corona-Pandemie verdeutlicht somit noch einmal, wie wichtig verpflichtende U-Untersuchen für das Wohl von Kindern sind. Doch auch über die Pandemie hinaus sollte Kinderschutz eine Priorität sein.  

Wie ist die jetzige Situation?  

Auf Bundesebene gibt es bislang keine gesetzliche Regelung, die Eltern dazu verpflichtet, ärztliche Vorsorgeuntersuchungen für Kinder und Jugendliche wahrzunehmen.
Derzeit sind U-Untersuchungen nur in Baden-Württemberg, Bayern und Hessen verpflichtend. Zum Beispiel müssen Eltern in Bayern bei der Anmeldung des Kindes für die Kindertagesstätte oder die Schule einen Nachweis über die erfolgten Vorsorgeuntersuchungen ablegen. 

In allen anderen Bundesländern wird ein appellatives und somit freiwilliges Verfahren verfolgt. Das heißt Eltern werden bei Nichteinhaltung der Termine an die Vorsorgeuntersuchung erinnert bzw. zu deren Teilnahme eingeladen. Nehmen Eltern die schriftliche Einladung nicht war, so werden Jugend- und Gesundheitsämter informiert. Allerdings wird das appellative Verfahren in den meisten Bundesländern nur bis zur U9 verfolgt. Die U9 schließt etwa mit dem 5. Lebensjahr ab, das heißt, dass es in den meisten Bundesländern nach dem 5. Lebensjahr keine Erinnerungen und Druck auf Eltern mehr gibt, die folgenden Untersuchungen mit ihrem Kind wahrzunehmen. Zwischen dem 5. und dem 13. Lebensjahr entsteht somit eine Schutzlücke. 

75.000 Unterschriften für unsere Petition 

20191029 TDF ÜbergabePetition1Foto v.l.n.r.: Gesa Birkmann, TERRE DES FEMMES-Bereichsleiterin Referate, Heiko Rottmann, Leiter der Unterabteilung "Übertragbare und nicht übertragbare Krankheiten, Gesundheitssicherheit", Vanessa Bell, ehem. TERRE DES FEMMES-Referentin zu häuslicher und sexualisierter Gewalt, Maja Wegener, ehem. TERRE DES FEMMES-Abteilungsleiterin Themen. © TERRE DES FEMMESAm 29.10.2019 wurde die Petition „U-Untersuchungen – Unbedingt Pflicht“ im Rahmen eines Fachgespräches an das Bundesministerium für Gesundheit überreicht. Mit mehr als 75.000 Unterschriften für die Petition „U-Untersuchungen – Unbedingt Pflicht“ setzt TERRE DES FEMMES ein starkes Zeichen für den Mädchenschutz. 

TERRE DES FEMMES-Bundesgeschäftsführerin Christa Stolle sagte dazu: “Es ist sehr wichtig, dass dieses bereits existierende Präventionssystem der U-Untersuchungen bundesweit und konsequent angewendet wird. Kinder müssen in Deutschland unabhängig von dem Bundesland, in dem sie leben, regelmäßig untersucht werden, um Missbrauchsfällen vorzubeugen oder schlimmstenfalls zu entdecken. Die zahlreichen Unterschriften verdeutlichen, dass viele BürgerInnen unser Anliegen unterstützen. Nun ist die Politik an der Reihe.“

Wie geht es weiter?  

Nachdem die Petition „U-Untersuchungen – Unbedingt Pflicht“ erfolgreich an das Bundesministerium für Gesundheit übergeben wurde, konzentriert sich TERRE DES FEMMES auf Lobby- und Öffentlichkeitsarbeit. Unsere Forderung der verpflichtenden U-Untersuchungen ist ein stetiger Bestandteil unserer politischen Arbeit und war auch einer unserer Wahlprüfsteine zur Bundestagswahl im September 2021. Wir setzen uns dafür ein, dass die zukünftige Bundesregierung unsere Forderungen umsetzt.