Internationale Zusammenarbeit

July Cassiani-Hernandéz

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Portrait

Aqelah Nazari-Hossain Dad, ehrenamtliche Projektkoordinatorin Afghanistan, auf Besuch bei TERRE DES FEMMES im Juli 2018. Foto: © TERRE DES FEMMESBildrecht: July Cassiani-Hernandéz
Portrait und Blog von July Cassiani-Hernandéz

Herkunftsland: Kolumbien

In diesem Video stellt sich July Cassiani-Hernandéz kurz vor und erzählt von ihrer Arbeit:

Link Video von Youtube

Hier ein ausführliches Portrait von July Cassiani-Hernandéz:

Link Portrait

Hier externe Presseberichte über July Cassiani-Hernandéz:

Link Interview mit der Deutschen Welle (Juni 2021)

Hintergrund

Im November 2016 unterzeichneten die kolumbianische Regierung und die FARC-Guerilla nach 52 Jahren des bewaffneten Konflikts mit rund 220.000 Toten und über acht Millionen Binnenvertriebener und Geflüchteter einen Friedensvertrag. Dieser sieht die Überwindung wesentlicher Konfliktursachen vor. Dazu gehören die ungleiche Landverteilung, die mangelnden Möglichkeiten politischer Teilhabe und die Drogenökonomie, die eine wichtige Einnahmequelle für die FARC und andere bewaffnete Gruppen darstellte oder noch darstellt.

Die Umsetzung des Friedensvertrags ist jedoch mit erheblichen politischen Widerständen verbunden.

Mehr als 50 Jahre bewaffneter Konflikt

bogota 4074678 1920Bildrecht: Alejandro Turola/Pixabay
Gegen die Umsetzung des Friedensvertrags von 2016 gibt es noch starken politischen Widerstand.
Bäuerliche Guerillagruppen mit marxistischen und befreiungstheologischen Idealen begannen in den 1960er Jahren, sich gegen die ungleiche Verteilung von Landbesitz, Landraub sowie die Übergriffe der kolumbianischen Armee und paramilitärischer Kommandos im Dienst von GroßgrundbesitzerInnen zu wehren. Aus diesem Widerstand gingen 1966 die Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens (Fuerzas Armadas Revolucionarias de Colombia – FARC) hervor. Die FARC entwickelte sich zur größten, wenn auch nicht einzigen, Guerillabewegung des Landes. Ihr Ziel bestand in der Übernahme der politischen Macht im Land, um die Politik in Richtung der Überwindung sozialer Ungerechtigkeiten zu verändern. Ihre Aktionen richteten sich hauptsächlich gegen die staatlichen Sicherheitskräfte und die oft mit diesen verbundenen Paramilitärs. Bis heute besteht in der kolumbianischen Gesellschaft eine extreme Kluft zwischen Arm und Reich. Die wirtschaftliche und politische Macht konzentriert sich in den Händen weniger Familien, während es großen Teilen der Bevölkerung an Möglichkeiten zur langfristigen Existenzsicherung bzw. Verbesserung des Lebensstandards und politischer Teilhabe mangelt.

Regierung von Präsident Duque

Mit Iván Duque hat seit August 2018 ein Kritiker des Friedensprozesses das Präsidentenamt inne. Er kündigte „Anpassungen“ bei der Umsetzung des Friedensvertrags an und verweigerte einer vom Kongress verabschiedeten gesetzlichen Grundlage für die Sondergerichtsbarkeit für den Frieden seine Unterschrift. Auch die Ermordung zahlreicher Ex-KombattantInnen der FARC sowie von sozialen Führungspersonen werden innerhalb wie außerhalb der Landesgrenzen als verheerend für den Friedensprozess angesehen.

Proteste der Bevölkerung

Bild 6Bildrecht: Ricardo Arce/Unsplash
Immer mehr Menschen gehen gegen Korruption und soziale Ungleichheit in Kolumbien auf die Straße.
Vor allem gegen die zunehmende Militarisierung der kolumbianischen Polizei, aber auch gegen erneute Steuererhöhungen zu Lasten der bereits wirtschaftlich benachteiligten Bevölkerung gehen seit November 2019 Hunderttausende von v.a. jungen KolumbianerInnen auf die Straßen. Sie fordern u.a. die Auflösung der Polizeieinheit ESMAD zur Kontrolle von Unruhen und Massenansammlungen. Diese ist für ihre Brutalität bekannt. Nach UN-Angaben wurden seit Beginn des Jahres 2020 bereits 33 Massaker in Kolumbien verübt. Hintergrund ist, dass bis heute viele Elemente des Friedensabkommens, u.a. die Reorganisation und Reduzierung der Streitkräfte, aber auch essentielle Landreformen, noch nicht umgesetzt worden sind. In den einst von der FARC kontrollierten Gebieten, wo Polizei und Militär auch heute noch nicht präsent sind, übernehmen v.a. Drogenbanden, Kriminelle, BetreiberInnen illegaler Bergwerke, rechtsextreme Milizen oder abtrünnige Guerilla-KämpferInnen die Macht. Wer dies zu ändern versucht, und sei es auch nur durch soziales Engagement, wird als Bedrohung angesehen und massiv bedrängt oder „ausgeschaltet“. Die Corona-Pandemie und deren wirtschaftliche Folgen verschärfen die soziale Ungleichheit in der Gesellschaft noch zusätzlich.

Morde an AktivistInnen

Bild 2Bildrecht: Anette Bratteberg/Unsplash
Auch wegen ihres Einsatzes für Frauenrechte werden AktivistInnen verfolgt und getötet.
Morde an Personen, die sich in den von der organisierten Kriminalität beherrschten Gebieten für soziale Belange und den Schutz der Menschenrechte einsetzen, nehmen stark zu. Seit Inkrafttreten des Friedensabkommens wurden laut dem kolumbianischen Institut für Entwicklungs- und Friedensstudien „Indepaz“ mindestens 1.358 AktivistInnen und Ex-KombattantInnen gezielt getötet. 2020 galt dabei als das bislang gewaltvollste Jahr: 309 soziale AktivistInnen und MenschenrechtsverteidigerInnen sowie 64 ehemalige FARC-KämpferInnen wurden ermordet. Nach einem Bericht von Front Line Defenders kamen 2020 von den 331 weltweit ermordeten AnführerInnen sozialer Bewegungen mit Abstand die meisten – 117 – aus Kolumbien. Nach Berichten der New York Times kollaborierten kriminelle Täter(banden) in mehreren Fällen mit Polizei und Militär, um die Morde zu organisieren. UN-Angaben zufolge bleiben 87 Prozent der politisch motivierten Morde in Kolumbien ohne juristische Konsequenzen. Betroffen sind neben AktivistInnen jedoch auch BürgerInnen, die weder politisch aktiv noch zivilgesellschaftlich organisiert sind, zu Verbrechen oder Menschenrechtsverletzungen in ihrer Region aber nicht geschwiegen haben, wie z.B. Indigene, Gesundheitspersonal, Bergleute, Mitglieder von Landwirtschaftskooperativen, religiöse Führungspersonen, Studierende, SozialarbeiterInnen und WächterInnen von Nationalparks.

Seit April 2021 kommt zu diesen Morden die gewaltvolle Niederschlagung der weitgehend friedlichen BürgerInnen-Proteste durch die amtierende Regierung bzw. deren Streifkräfte oder die mit diesen verbundenen Paramilitärs.

Frauenrechtliche Lage

Auch die frauenrechtliche Lage in Kolumbien bereitet Sorgen. Die Beobachtungsstelle für Femizide in Kolumbien berichtete von 630 Femiziden, das heißt Morden an Frauen aufgrund ihres Geschlechts, im Jahr 2020. Darunter waren Fälle, in denen Frauen aufgespießt, angezündet, sexuell missbraucht, gefoltert und zerstückelt wurden.

Menschenhandel zur sexuellen Ausbeutung

Bild 7Bildrecht: Fernando Trivino/Unsplash
Besonders Mädchen und junge Frauen sind von sexueller Ausbeutung betroffen.

Vor allem ist aber das Ausmaß sexueller Ausbeutung von Minderjährigen und Jugendlichen in Kolumbien erschreckend hoch. 34 Prozent der Menschen in Kolumbien leben unter der Armutsgrenze. In ländlichen Gebieten gelten sieben Millionen KolumbianerInnen als arm und zwei Millionen als extrem arm. Die Arbeitslosenquote ist eine der höchsten in Lateinamerika und der Karibik. Fast 30 Prozent aller Familien haben kein menschenwürdiges Dach über dem Kopf, fünf Prozent sind obdachlos. Weltweit steht Kolumbien an siebter Stelle der am stärksten von sozialer Ungleichheit betroffenen Länder. Viele Familien sehen keinen anderen Ausweg, als ihre Töchter und Söhne an Prostitutionsringe zu verkaufen. Gewalt und Vernachlässigung in den Familien, organisierte Kriminalität, sexualisierte Gewalt und Drogenhandel verschärfen häufig die Lage. Auch die humanitäre Krise in Venezuela seit 2010 und die Flucht von rund 1,5 Millionen Menschen nach Kolumbien in diesem Zusammenhang haben zu einem Anstieg der Fälle von Menschenhandel geführt. 2019 wurden offiziell 124 Betroffene von Menschenhandel identifiziert, die Dunkelziffer gilt jedoch als wesentlich höher. Die überwiegende Mehrzahl der Betroffenen - 109 - war weiblich. In 65 Prozent der Fälle ging es um sexuelle Ausbeutung.

Zudem wurden zwischen 2012 und 2018 laut UNICEF über 48.000 Fälle von sexuellem Missbrauch und Ausbeutungen von Minderjährigen in Kolumbien im Internet gemeldet. Seit 2016 verbessern Hilfsorganisationen in Zusammenarbeit mit kolumbianischen Behörden die Meldesysteme im Internet, seitdem wurden allein über 13.000 Websites mit kinderpornographischen Inhalten gesperrt.

Beispiel Cartagena

Vor allem die Stadt Cartagena mit rund 915.000 EinwohnerInnen, aus der auch July Cassiani-Hernandéz stammt, gilt als Hotspot für sogenannten Sextourismus in Kolumbien. In Cartagena hatte die sexuelle Ausbeutung Minderjähriger und Jugendlicher bereits vor 15 Jahren derartige Ausmaße erreicht, dass die NRO Fundación Renacer / ECPAT Kolumbien 1996 die Strategie „La Muralla“ ins Leben rief, die mittlerweile auch von städtischen Behörden übernommen wurde. „La Muralla“ ist eigentlich der koloniale Schutzwall Cartagenas, der die Altstadt umschließt und mit dem die spanischen BesatzerInnen im 16. Jahrhundert Gold und Rohstoffe zu schützen versuchten.

Der heutige, symbolische Schutzwall gilt Kindern und Jugendlichen: Zivilgesellschaft, Tourismusverbände, Hotels, StrandverkäuferInnen, TaxifahrerInnen, Jugendorganisationen, Bildungseinrichtungen, Polizei und Staatsanwaltschaft werden geschult, Gefahrenanzeichen und -Situationen zu erkennen, um zu verhindern, dass Kinder und Jugendliche in die Fänge von MenschenhändlerInnen geraten.

Externe Berichte zur Menschenrechtslage in Kolumbien:

https://www.blickpunkt-lateinamerika.de/artikel/kolumbien-katastrophales-jahr-fuer-die-menschenrechte/

https://www.amnesty.de/informieren/amnesty-report/kolumbien-2020

https://www.dw.com/de/neue-gewaltspirale-in-kolumbien/a-50361701

https://www.sueddeutsche.de/politik/proteste-kolumbien-tote-1.5291770

Quellen:

https://www.bpb.de/internationales/weltweit/innerstaatliche-konflikte/54621/kolumbien

https://borgenproject.org/10-facts-about-poverty-in-colombia/

https://www.state.gov/reports/2020-trafficking-in-persons-report/colombia/

https://www.frontlinedefenders.org/sites/default/files/fld_global_analysis_2020.pdf

https://www.hrw.org/world-report/2020/country-chapters/colombia#

https://www.kas.de/de/laenderberichte/detail/-/content/der-konflikt-in-kolumbien-ist-noch-nicht-beendet

https://justiceforcolombia.org/news/colombia-human-rights-update-december-2020/

https://www.ecpat.org/wp-content/uploads/2018/07/Universal-Periodical-Review-on-Sexual-Exploitation-of-Children-Colombia.pdf

Blog

An dieser Stelle bloggt July Cassiani-Hernandéz über die menschenrechtliche Lage und aktuelle politische bzw. gesellschaftliche Entwicklung in Kolumbien. Zwischendurch gibt sie auch Einblicke in ihre Arbeit zur Friedensbildung, Konflikttransformation und zum Schutz vor Menschenrechtsverletzungen, allen voran vor sexueller Ausbeutung. Der Blog ist ausschließlich englischsprachig.
Für einen tiefergehenden Austausch oder Interviewanfragen (auf Englisch oder Spanisch) steht Frau Cassiani-Hernandéz gerne zur Verfügung. Bitte wenden Sie sich dafür an die Pressestelle von TERRE DES FEMMES: 030-40504699-25.

Kolumbien – July Cassiani-Hernandéz:

Blog entry of September 20th , 2021 - 15-year-old girl missing: a case of child trafficking in Colombia

Alexandrith is a 15-year-old girl who has been missing for three months in Cartagena, Colombia. Her disappearance has attracted media attention across the country. At the same time, it has shed light on an issue that human rights and women's rights organizations have long advocated for, but which receives little attention in the public discourse: it is about human trafficking and the disappearance of babies, children and adolescents as part of organ and child sex trafficking.

Alexandrith lived in a community near Cartagena, Bayunca, a rural area where poverty, lack of education and crime are part of everyday life. In addition to Bayunca, there are other villages such as Arroyo de Piedra and Arroyo de las Canoas. Although these villages are only 20 minutes away from Cartagena, the people living there do not have access to basic services such as running water, functioning sewage systems or clean drinking water. 

Alexadrith's story is like that of many young women: they disappear one day without a trace and never reappear. The 15-year-old's family organized demonstrations to attract media attention and filed charges with the support of women's advocates in the city. Aside from the demonstrations, however, in which some local officials participated, little is known about the local government's efforts to find this young woman. If nothing is done, she will soon be one of the more than 100,000 missing persons, including 9964 children, by 2020, according to the Committee on Enforced Disappearances (CED).

An estimated 35,000 children live in sexually exploitative conditions, according to UNICEFs most recent report in 2018. According to the United Nations, few efforts are made to find missing persons in Colombia, despite the signing of the International Convention for the Protection of All Persons from Enforced Disappearance in 2007.

These grim facts are corroborated by testimonies of children and young people who lived in Bogotá's red-light district. Their stories are testimony to state failure: often they were abused as young as 3 months old. Many disappeared after being sold by their relatives, or fled in adolescence to escape sexualized violence and abuse within their own community or even family. They were then captured by traffickers who sexually abused them and forced them to sell their bodies. Of their earnings, hardly anything is left for themselves: on average, they had to give away as much of it as Colombian employees with minimum wages normally earn in two days.

According to the testimonies of seven teenagers interviewed, their traffickers and rapists (often family members) taught them to use drugs to endure the daily abuse.

In addition to these testimonies, there are many children living in shelters whose origins are completely unknown. They are not registered, nor is the whereabouts of their parents known. Many of these children have been part of a child trafficking ring and have been victims of sexual exploitation since they were babies.

In countries like Colombia, it is important to review the measures taken to find the missing, beyond the bureaucratic procedures that already exist. Hope remains for the safe return home of Alexandrith, who stands as a local symbol of state negligence and indolence. Her whereabouts and current situation remain unknown, but her disappearance raises questions that the Colombian government must urgently address.

(We have permission from Alexandrith's family to report on her disappearance)

Blog entry of July 30 th , 2021 - The situation of children's rights in Colombia: A brief look at human trafficking and sexual abuse

According to Unicef's 2018 report on the situation of girls, boys and adolescents in Colombia, an average of 35.000 children are trafficked per year. Manuel Bedoya, a professor at Javeriana University, was able to prove in an investigative study that between January 2013 and July 2018, 7.534 children were affected by sexual exploitation - an average of 112 minors per month.

Colombia, like many other Latin American countries, has struggled with poverty and social injustice since the 19th century. This situation leads to an increased propensity for violence, and criminal networks operate in many of the country's cities. Begging, prostitution and sexual exploitation of children are widespread. These living conditions provide a breeding ground for rights violations. However, strengthening children's rights is not a high priority for the Colombian government and is low on the political agenda. Various World Bank reports also indicate that corruption is a major challenge in parts of Latin America.

These underlying conditions pave the way for child traffickers. According to Bedoya (2018), child sexual exploitation begins as early as 3 months of age in some cases. Most incidents occur in Bogota, Cali, Cartagena, and Medellin.

The Institute of Family Welfare Colombia (Instituto Colombiano de Bienestar Familiar, ICBF) is the body mandated by the Colombian government to defend, guarantee and protect the rights of children and adolescents. This, unfortunately, has itself been involved in various scandals involving the deaths of children in foster care, allegations of abuse, and trafficking of children by foster parents. For example, it became known that children were placed in adoptive families where child abuse had occurred in the past and/or where links to "child pornography" networks could be proven. This has been confirmed by recognized organizations, but high-ranking officials have so far successfully denied these serious allegations.

These are difficult baseline conditions for protecting, defending, and guaranteeing the rights of children. Colombia provides legal penalties for those found to have committed crimes related to child abuse and trafficking. However, judicial prosecution of these cases is often slow, extremely delayed, and its mechanisms are inadequate. Many state institutions dismiss the allegations, shelve them, or protracted trials ensue without significant results. The conviction rate for child sexual abuse cases in Colombia is less than 5%.

Some international organizations such as UNICEF, but also national organizations (Talita Cum, Ángeles Somos Observatorio de Infancia y Adolescencia, RENACER, among others) and other more local organizations provide support where possible. They provide legal representation and psychosocial support to families and victims, but do not have sufficient capacity to provide large-scale support services. Despite a dark field of hundreds or even thousands of cases of child trafficking and sexualized violence against children, the bright field is very small - which means that most cases are not reported, or not followed up by the authorities for various reasons.

Reactions from the public are increasing pressure on the government to finally address the obvious problem. Civil society organizations make an important contribution to combating injustice by offering support, documenting and exposing such cases, and with their prevention work.

Blog entry of June 30 th , 2021 - The second month of social and civil protest in Colombia: At the gates of Change

Colombia has been on strike for two months, and civil organizations and streets full of citizens in resistance have taken over the political and social scene of the country. Close to the presidential and congressional elections in 2022 the protests in the streets have become a catalyst for new social, economic, and political discussions. In this pre-election season, the agenda of the cities is not dominated by the visits of the candidates, as it usually happened in election seasons. On the contrary, the streets and the country are dominated by deeper discussions. Issues such as:

  • The support of the current congressmen in supporting laws that went against the interests of citizens.
  • The inefficiency and misgovernment of the president.
  • The need to propose more active mechanisms for citizen participation. And,
  • The need to reform the electoral criteria of voters.

All situations are presented amid a pandemic with an average of 650 deaths per day according to Macro Expansion Data. And in an acute social crisis that has generated a reflective panorama that benefits the country. This is it, without ignoring the consequent effects.

In this scope, there are still alarming statistics about the country's socio-economic crises within the context of the national strike. According to the NGO Temblores, between April 20th and June 26th there have been 4,687 acts of police violence:

1. 4 homicides whose presumed aggressor is a member of the security forces of the State
2. Another 29 homicides in the process of verification
3. 228 victims of firearms shootings
4. 1617 victims of physical violence
5. 2005 acts of violence
6. 784 interventions in the framework of peaceful protests.

While at least four bodies have appeared floating in the river and body parts of people who had supposedly been reported missing in the framework of the strike. These stats reflect what has been described as the country's most violent protest. They also bear witness to a government that has been chastised for forced disappearances, false positives, and repression of human rights activists over the last two decades.

Faced with such a catastrophic human rights scenario, and with little chance of reaching an agreement between the government and the demonstrators, the crisis persists, with no end in sight. One of the reasons that prevent progress in the talks is the lack of legitimacy of the self-proclaimed National Strike Committee. The demonstrators do not recognize them as the authority or spokespersons for the movements that support the strike. Another reason is the government's position of a frontal fight against the demonstrators and its messages through government officials and members of the government benches. They have declared in various statements that they do not accept the validity of the right to demonstrate, much less the demands made during the strike.

Thus, two months after the beginning of the strike, and in the context of the upcoming elections, several requests have been made to the European Union and the German Federal Government. Organizations subscribed to Let's Defend Colombia and United for Peace - Germany has requested to send an International Oversight Commission for the upcoming elections and the observation of Human Rights. This request is made in the context of the few guarantees that the elections will be transparent and with reliable results and the known violation of human rights in Colombia. Of course, as a social leader, I join this request. They have declared in various statements that they do not accept the validity of the right to demonstrate, much less the demands made during the strike.

In anticipation of what appears to be the most possible option for resolving Colombia's social crisis: the start of a new democratic epoch marked by the renewal of political leadership. All the above allows us to affirm that Colombia is still a country in which the defense of human rights is still unstable, risky, and dangerous. From Berlin, I join the desire of many Colombians who wish to see our country in peace, social prosperity, and with a guarantee that we all live in a context of compliance with rights.

Blog entry of May 10 th , 2021 – violent reaction to non-violent protest

Colombia is living moments of terror, blood and death after starting a national strike on April 28th called by the main student movements, unions and civil society in general against the tax reform proposed by President Ivan Duque, since then the country has lived in a chaotic and systematic way the most serious episodes of violence in the last decade.

Peacefully the marchers demonstrated in the main streets and avenues demanding the total withdrawal of the tax reform, the resignation of the Minister of Finance, later they added the withdrawal of a new health reform, which makes the Government in one of the biggest health crisis that has faced the entire world; among other requests seeking social justice, and guarantee of human rights.

After the massive mobilizations and in view of the union to the strike of sectors such as truck drivers, universities and other sectors, the President communicated that he would modify the reform and the Minister of Finance left the Cabinet. It is presumed that Alberto Carrasquilla's new task is the CAF. This, despite his questionable economic management of the country's coffers and the corruption scandals in the past government for the water bonds to create aqueducts in the municipalities, which were used for his personal finances and to benefit rich landowners and businessmen.

In the face of peaceful demonstrations in the best dictatorial style, President Iván Duque gave the order to repress the demonstrators, militarize the cities and use weapons that are used in wars against unarmed demonstrators. So far in the strike, Human Right International reports as of May 08th, 2021 at 7:00 PM (CTE), that 42.450 calls were made to report some kind of violation against human rights,1203 people have been arbitrarily detained, 980 disappeared, 43 homicides and 1330 wounded. The rivers of blood do not stop flowing, images of dead people in the streets, avenues completely covered with blood and different videos on social networks show the terror that Colombia is living. The official Government communications have preferred to deny the terror that the country is living, making statements in which they affirm that it is an infiltration of the Venezuelan Government to destabilize the country, instead of recognizing that decades of inequality, social and economic injustice in one of the countries that pay more taxes in Latin America and one of the most corrupt globally.

From different parts of the world different expressions of support have been present. However, in the face of the cruelty and the growing increase of actions to delegitimize the strike and repress the population, isolate their communications (as in the case of Cali and Siloe, whose internet services were suspended to prevent them from communicating the acts of violence by the police and ESMAD), more voices of support and specific actions by international organizations and governments are needed to protect a country that has not stopped bleeding for more than 50 years.

Internationale Aktivistinnen

Ein Schwerpunkt der Arbeit des Referats für Internationale Zusammenarbeit von TERRE DES FEMMES gilt dem Schutz und der Unterstützung bedrohter Menschenrechtsaktivistinnen weltweit .

Dies soll mit mehrmonatigen Gastaufenthalten in Deutschland oder einem Nachbarland in der Herkunftsregion der Aktivistin, Netzwerkarbeit oder finanzieller Unterstützung erreicht werden. Aktivistinnen soll die uneingeschränkte Fortsetzung ihrer Arbeit in einem geschützten Umfeld sowie die Verbesserung ihrer Sicherheit nach Rückkehr in ihr Herkunftsland durch umfassende Vernetzung und Kapazitätsstärkung in Deutschland ermöglicht werden.

Ein weiteres Ziel ist, Politik und Gesellschaft u.a. durch Lobby-, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit darauf aufmerksam zu machen, dass Angriffe auf die Menschenrechte der Frau, auf weibliche Selbstbestimmung und die Gleichberechtigung der Geschlechter international stark zunehmen, vollkommen inakzeptabel sind sowie dringend verfolgt und beendet werden müssen.

michelle ding LXUR8IWa0i0 unsplashBildrecht: Michelle Ding/Unsplash
TERRE DES FEMMES wird nicht zulassen, dass Aktivistinnen zum Schweigen gebracht werden.
Dem Atlas der Zivilgesellschaft von Brot für die Welt und CIVICUS aus dem Jahr 2020 zufolge stehen Frauen und Frauenrechtsorganisationen an oberster Stelle der am stärksten von Verfolgung betroffenen Gruppen : sie waren in mehr als jedem fünften der registrierten Fälle von Angriffen auf die Zivilgesellschaft betroffen. In allen Teilen der Welt, so das Fazit, zahlen Frauen einen besonders hohen Preis für ihr politisches und gesellschaftliches Engagement. Denn Frauen werden auch angegriffen, weil sie Frauen sind und sich als solche engagieren. Geschlechtsspezifisch typisch sind dabei vor allem sexualisierte Formen verbaler, digitaler oder physischer Angriffe.

Im Zuge des Rollbacks gegen die Rechte von Frauen und LGBTIQ, der sich in zahlreichen Ländern, u.a. in Brasilien, Polen und den Philippinen, beobachten lässt, sind die Angriffe auf Aktivistinnen noch erheblich häufiger und heftiger geworden. Befeuert wird dieser Rollback v.a. durch religiöse FundamentalistInnen, AntifeministInnen und RechtspopulistInnen, die auch deshalb gesellschaftlich an Grund gewinnen, weil sie sich strategisch aufstellen, weltweit vernetzen und oft finanzstark sind.

Ein erster Gastaufenthalt für eine Frauenrechtsaktivistin aus dem globalen Süden konnte mit finanzieller Förderung durch die Elisabeth-Selbert-Initiative des Auswärtigen Amts in Kooperation mit dem Institut für Auslandsbeziehungen organisiert werden: seit März 2021 ist eine Aktivistin aus dem lateinamerikanischen Kolumbien für sechs Monate zu Gast bei TDF. Ihr Name ist July Cassiani-Hernandéz. Sie setzt sich v.a. für Friedensbildung, Konflikttransformation und gegen Mädchen- und Frauenhandel in ihrem Land und darüber hinausgehend ein. Ihre Arbeit führt sie von Deutschland aus ununterbrochen fort und soll dies mithilfe von umfassender Netzwerkbildung und Kapazitätsstärkung in Deutschland auch nach ihrer Rückkehr nach Kolumbien weiter tun können.

July Cassiani-Hernandéz bloggt exklusiv für TDF (in englischer Sprache) über die Menschenrechtslage und aktuellen Entwicklungen in Kolumbien.

TDF-Foto- und Infoausstellung „¡Ni una menos! Weg aus der Gewalt“

Cover Flyer NicaraguaausstellungJetzt im Verleih

Ab Januar 2021 kann die TDF-Bilderausstellung „¡Ni una menos! Weg aus der Gewalt“ (PDF-Datei) ausgeliehen werden! 20 Kunstwerke und 11 Informationstafeln widmen sich dem Thema häusliche und sexualisierte Gewalt in Nicaragua und Deutschland.

Fotografien der nicaraguanischen Künstlerin und Aktivistin Itzel Chavarría zeigen mutige Frauen auf ihrem Weg aus der Gewalt und beim Kampf für ihre Rechte und ein selbstbestimmtes Leben. Begleitend wird über die Verbreitung, Hintergründe und Gesetze zu häuslicher und sexualisierter Gewalt und die Arbeit der TDF-Partnerorganisation Asociación Proyecto MIRIAM in Nicaragua informiert.

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Ausstellungen

TERRE DES FEMMES konzipiert auch Ausstellungen zu frauenrechtlichen Themen weltweit und macht diese mit Begleitprogramm zur entwicklungspolitischen Bildung öffentlich zugänglich.

Gegen eine Gebühr können Sie die TERRE DES FEMMES-Ausstellungen ausleihen und selbst öffentlich zeigen.

Wir organisieren den Versand und legen Begleitmaterial zur entwicklungspolitischen Bildungsarbeit bei, das Sie zur Vorbereitung einer Vernissage nutzen oder Ihren BesucherInnen zur weiteren Lektüre mitgeben können.

Machen auch Sie mithilfe von Kunst auf Frauenrechtsverletzungen aufmerksam und sensibilisieren Sie für Gewaltschutz und Gleichberechtigung!

Wir freuen uns auf Ihre Anfrage!

 

TDF-Bilderausstellung
„Mit dem Malstift
gegen die geraubte Kindheit“

Flyer Ausstellung Frühehen

Verleihbar noch bis Ende Juli 2021.

Weitere Informationen Verleih

Programm TDF-Ausstellung

Bericht TDF-Vernissage

TDF-Foto- und Infoausstellung
„¡Ni una menos! Weg aus der Gewalt“
 

Cover Flyer Nicaraguaausstellung

Verleihbar ab Januar 2021.

Weitere Informationen Verleih

Programm TDF-Ausstellung

Bericht TDF-Vernissage

Informationsquellen

Weitere Informationen rund um die Themen Internationale Zusammenarbeit und Frauenrechte bieten wir Ihnen hier: