Internationaler Mädchentag am 11. Oktober: TERRE DES FEMMES fordert von der Bundesregierung bessere Maßnahmen im Kampf gegen Frühehen

Berlin, 06.10.2016. In Deutschland leben über 1.100 minderjährige Ehefrauen, die größtenteils infolge von Kriegen und gewaltvollen Konflikten mit ihrem Ehemann nach Deutschland geflüchtet sind. Aber auch in Deutschland finden Eheschließungen von unter 18-Jährigen statt. Ehen dürfen nur freiwillig geschlossen werden, diese „Freiwilligkeit“ ist bei Frühehen jedoch äußerst fragwürdig: Minderjährige können sich nicht angemessen wehren und befinden sich zudem oft in einem Abhängigkeitsverhältnis. Dadurch sind sie leichter zu beeinflussen. TERRE DES FEMMES fordert daher, das Mindestheiratsalter auf 18 Jahre ohne Ausnahme in Deutschland festzusetzen. Außerdem sollen im Ausland geschlossene Ehen von Minderjährigen in Deutschland nicht mehr anerkannt werden. Die Betroffenen müssen zudem individuelle Unterstützungsangebote erhalten.

Weltweit werden jährlich 15 Millionen Mädchen vor ihrem 18. Geburtstag verheiratet. Die Folgen sind oftmals eine zu frühe und dadurch möglicherweise lebensbedrohende Schwangerschaft, Bildungsabbruch, häusliche und/oder sexualisierte Gewalt und ökonomische Abhängigkeit vom Ehemann. Frühehen basieren auf überkommenen Traditionen und patriarchalen Strukturen, wobei es in der Regel eine Wechselwirkung zu Armut und geringer Bildung gibt. „Durch Frühehen werden Mädchen ihres Rechts auf Bildung, Entwicklung und ein Leben ohne Gewalt beraubt. Besonders bestürzend ist die Tatsache, dass allein in Deutschland mehrere hundert Mädchen unter 14 Jahren davon betroffen sind“, sagt Christa Stolle, Bundesgeschäftsführerin von TERRE DES FEMMES. „Diese Mädchen dürfen nicht allein gelassen werden. Das Familiengericht muss sofort eingeschaltet, ein Vormund bestellt und das Jugendamt mit ins Boot geholt werden“, fordert Christa Stolle. In jedem Einzelfall müsse entschieden werden, ob die Jugendliche getrennt untergebracht wird. Für die Unterbringung müssen noch viel mehr spezialisierte Mädcheneinrichtungen geschaffen werden. Nötig sind in jedem Fall individuelle Jugendhilfemaßnahmen.

Im Ausländerzentralregister waren zum 31. Juli 2016 1.475 in Deutschland lebende minderjährige ausländische Personen mit dem Familienstand „verheiratet“ gespeichert. Fast 80 Prozent davon, nämlich 1.152 Minderjährige, waren Mädchen. 361 Betroffene waren unter 14 Jahre alt. Zu den Hauptherkunftsstaaten zählten Syrien, Afghanistan, Irak, Bulgarien, Polen, Rumänien, Griechenland, Türkei und Iran. In Deutschland ist es bisher möglich, ab der Vollendung des 16. Lebensjahres zu heiraten, wenn der Ehegatte bereits volljährig ist und das Familiengericht zustimmt.

Zum Hintergrund:

Bereits seit zwei Jahren setzt sich TERRE DES FEMMES schwerpunktmäßig gegen Frühehen ein. Im Mai dieses Jahres überreichte die Frauenrechtsorganisation über 108.000 Unterschriften im Bundesjustizministerium, um der Forderung das Mindestheiratsalter auf 18 Jahre festzulegen, Nachdruck zu verleihen. Eine im September ins Leben gerufene Bund-Länder-Arbeitsgruppe unter Leitung des Bundesjustizministeriums will bis Ende des Jahres Vorschläge entwickeln, wie Minderjährigenehen wirksam begegnet werden kann.

Der Weltmädchentag wurde das erste Mal am 11. Oktober 2012 gefeiert. Er wurde auf Initiative von Plan International Deutschland e.V. von den Vereinten Nationen ins Leben gerufen, um auf die weltweit vorhandenen Benachteiligungen von Mädchen hinzuweisen.

Für Anfragen und Interviews wenden Sie sich bitte an TERRE DES FEMMES, Marion Brucker (Pressereferentin), Tel. 030/ 40504699-25, oder per Mail an presse@frauenrechte.de

 

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