„Auf Brautschau im Ausland“ - TERRE DES FEMMES ist entsetzt über frauenfeindliche Sendung von Sat.1 und fordert Absetzung! (18.06.2012)

Mit Entsetzen hat TERRE DES FEMMES den Start der Sendung "Auf Brautschau im Ausland - Junggesellen versuchen ihr Glück im Ausland" bei Sat.1 wahrgenommen. Deutsche Männer reisen ins Ausland, vorzugsweise Schwellenländer, um dort eine Lebenspartnerin zu suchen. „Ich bezweifle sehr, dass die Herren an einer gleichberechtigten Partnerschaft interessiert oder überhaupt dazu in der Lage sind. Die Suche der Junggesellen nach einer Frau ist erbärmlich, aber auch, dass der Sender diese ‚Brautschau’ überhaupt ermöglicht“, kritisiert Christa Stolle, Bundesgeschäftsführerin von TERRE DES FEMMES. „Aussagen wie ‚Frauen im Ausland sind einfach hübsch und motzen nicht so viel wie deutsche Frauen’ sind schlicht sexistisch! Sie können nicht damit begründet werden, dass die Darstellung von diesen Junggesellen witzig sein soll“, so Stolle. TERRE DES FEMMES fordert Sat.1 auf, die frauenfeindliche Sendung umgehend abzusetzen!

Mit der Sendung normiert der Sender den "Handel" mit der "Ware" Frau und unterstützt eine auf Benachteiligung angelegte Partnerschaft. Zwischen Deutschland und den von Sat. 1 ausgesuchten Heimatländern der Frauen wie Thailand, Russland oder den Philippinen herrscht ein großes wirtschaftliches Gefälle, das die Kandidaten der Sendung für die Frauen attraktiv wirken lassen. Damit unterstützt die Sendung ein patriarchales Geschlechterverhältnis, indem der "starke" Mann über ein Machtmonopol innerhalb der Beziehung verfügt und die Frau finanziell abhängig ist. „Das erinnert an Kolonialismus und nicht an ein Beziehungsmodell im 21. Jahrhundert!“, so Stolle.

Sollte es tatsächlich zu einer Partnerschaft kommen, begibt sich die Frau zudem in eine gefährliche, wirtschaftliche Abhängigkeit. „Ehefrauen, die aus dem Ausland zu einem Ehegatten nach Deutschland ziehen, sind aufgrund der deutschen Gesetzgebung strukturell benachteiligt“, erklärt Stolle. Seit dem 1. Juli 2011 muss die Ehe drei Jahre in Deutschland Bestand haben, bevor die Frauen eine von den Ehemännern unabhängige Aufenthaltserlaubnis bekommen können. „Die Herren haben quasi ein dreijähriges Rückgaberecht bei Nichtgefallen der Ehefrau“, kritisiert Stolle. Hinzu kommt, dass die Frauen oftmals unter völlig falschen Vorstellungen und Versprechungen nach Deutschland reisen und hier als kostenlose Arbeitskräfte missbraucht werden. Solche ungleichen Beziehungsverhältnisse sind oft von Gewalt geprägt.

Für Nachfragen und Interviews stehen wir gerne zur Verfügung. Bitte wenden Sie sich an TERRE DES FEMMES, Christa Stolle, Bundesgeschäftsführerin Tel. 030/40504699-25 oder per E-Mail an presse@frauenrechte.de.