Integra fordert Nationalen Aktionsplan zum Schutz vor weiblicher Genitalverstümmelung (03.02.2012)

Berlin, 3. Februar 2012. Mehrere tausend Mädchen aus Einwandererfamilien sind der Gefahr ausgesetzt, in Deutschland oder während eines Aufenthalts im Heimatland der Eltern an ihren Genitalien beschnitten zu werden. Diese Menschenrechtsverletzung ist in vielen afrikanischen Ländern und Teilen Asiens noch immer verbreitet und führt oft zu schweren körperlichen und seelischen Schäden, im Extremfall sogar zum Tod. Deshalb fordert Integra, das bundesweite Netzwerk zur Überwindung weiblicher Genitalverstümmelung, dringend einen Nationalen Aktionsplan zum wirksamen Schutz gefährdeter Mädchen.

Integra-Sprecherin Barbara Schirmel: „Wir können nicht zulassen, dass Mädchen hierzulande oder im Ausland an ihren Genitalien verstümmelt werden und für ihren Schutz verantwortliche deutsche Politikerinnen und Politiker weitgehend tatenlos zusehen. Neben einer gesetzlichen Verankerung braucht es vor allem aktive Prävention.“ In anderen europäischen Ländern wie z.B. Frankreich, den Niederlanden und der Schweiz gebe es bereits entsprechende Nationale Aktionspläne oder Präventionsprogramme. Darum fordere Integra, dass sich auch die Bundesregierung dieser Herausforderung stellt. „Der Schutz gefährdeter Mädchen darf nicht dem Sparzwang zum Opfer fallen.“

Aufgrund eines Bundestagsbeschlusses (BT 16/9420, S. 6) wurde 2009 unter Federführung des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) eine Bund-Länder-Arbeitsgruppe zur Beendigung weiblicher Genitalverstümmlung gegründet. Diese sollte gemeinsam mit  Nichtregierungsorganisationen Maßnahmen zum Schutz gefährdeter Mädchen in Deutschland und in den Herkunftsländern entwickeln. Integra hatte hierzu konkrete Vorschläge erarbeitet - wie die Fortbildung von Fachkräften und Präventionsarbeit mit MigrantInnen in Deutschland - und setzt sich für einen Nationalen Aktionsplan zum Schutz gefährdeter Mädchen ein. Die Vorschläge von Integra sind unter www.netzwerk-integra.de zu finden.

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2010 zog sich das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung aus der Koordinierung der Bund-Länder-AG zurück. Integra fordert dringend die sofortige Wiederaufnahme der Arbeitsgruppe und die Umsetzung des Parlamentsbeschlusses.

TERRE DES FEMMES ist Mitgliedsorganisation des Netzwerks INTEGRA. TERRE DES FEMMES ist eine gemeinnützige Menschenrechtsorganisation für Mädchen und Frauen, die durch Aktionen, Öffentlichkeitsarbeit, persönliche Beratung, Förderung von Projekten und internationale Vernetzung von Gewalt betroffene Mädchen und Frauen unterstützt. TERRE DES FEMMES klärt auf, wo Mythen und Traditionen Frauen das Leben schwer machen, protestiert, wenn Rechte beschnitten werden und fordert eine lebenswerte Welt für alle Mädchen und Frauen – gleichberechtigt, selbstbestimmt und frei! Unsere Schwerpunktthemen sind Häusliche Gewalt, Zwangsheirat und Ehrverbrechen, weibliche Genitalverstümmelung, Frauenhandel, Zwangsprostitution und soziale Rechte für Arbeiterinnen. Der Verein wurde 1981 gegründet, die Bundesgeschäftsstelle befindet sich in Berlin.

Für Nachfragen und Interviews stehen wir gerne zur Verfügung. Bitte wenden Sie sich an TERRE DES FEMMES, Franziska Gruber, Tel. 030/ 40504699-0, oder per Mail an: presse@frauenrechte.de