Schritt für Schritt gegen Häusliche Gewalt - Berliner Senatorin veröffentlicht erstmalig Leitfaden zur Workplace Policy für Unternehmen (21.11.2012)

Berlin, 21.11.2012. Die Senatorin für Arbeit, Integration und Frauen Dilek Kolatstellte heute anlässlich des Internationalen Tages zur Beseitigung jeder Form von Gewalt gegen Frauen am 25. November den Leitfaden zur Workplace Policy und Werbeträger der Öffentlichkeitskampagne „Für eine Zuhause ohne Gewalt“ und „Gewalt kommt nicht in die Tüte“ vor. Gleichzeitig gab die Senatorin den Startschuss für die jährliche berlinweite Kampagne „Nein zu Gewalt gegen Frauen“.

Senatorin Kolat: „Im vergangenen Jahr wurden in Berlin 16.108 Fälle von Häuslicher Gewalt bei der Polizei gemeldet. Das sind täglich über 40 Einsätze. Die Inanspruchnahme der Hilfeangebote ist hoch. Wir müssen deshalb alles tun, um den Schutz vor häuslicher Gewalt zu verbessern und der Gewalt vorzubeugen. Häusliche Gewalt ist keine Privatangelegenheit, sondern betrifft die gesamte Gesellschaft. Institutionen, Betriebe und Unternehmen als gesellschaftliche Akteure können mit präventiven Maßnahmen, wie sie die Workplace Policy darstellt, einen wichtigen Beitrag leisten. Ich wünsche mir, dass der Leitfaden Unternehmen und Verbände ermutigt, in ihrem Bereich ein deutliches Zeichen gegen Gewalt an Frauen zu setzen und Betroffene aktiv zu unterstützen.“

Senatorin Dilek Kolat stellte zusammen mit der Bundesgeschäftsführerin von TERRE DES FEMMES, Christa Stolle, den Leitfaden „Schritt für Schritt gegen Häusliche Gewalt“ der Öffentlichkeit vor. Der Leitfaden enthält u.a. Best-Practise-Beispiele, die aufzeigen, wie Arbeitgeber mit einer Workplace Policy ihrer Fürsorgepflicht gegenüber Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern gerecht werden. So wird auch auf betrieblicher Ebene zu gesundheitlichem Schutz und zur Vermeidung von Häuslicher Gewalt beigetragen.

Das innovative Instrument der Workplace Policy wurde ursprünglich in den USA entwickelt und wird inzwischen weltweit von Unternehmen angewendet. „In der Bundesrepublik war TERRE DES FEMMES die erste Organisation, die sich zusammen mit dem Unternehmen The Body Shop für die Verbreitung der Workplace Policy engagiert hat“, berichtet Christa Stolle, Bundesgeschäftsführerin von TERRE DES FEMMES. „Der erste deutschsprachige Leitfaden soll dazu beitragen, dass sich zukünftig verstärkt Unternehmen und Verwaltungen in Deutschland für die Einführung einer Workplace Policy entscheiden. Andere Länder sind da schon viel weiter: In Australien werden durch das Engagement der Gewerkschaften über 700.000 Beschäftigte durch eine Workplace Policy unterstützt.“

In Berlin haben die Bezirksämter Reinickendorf und Charlottenburg –Wilmersdorf als erste Verwaltungen die Strategie der Workplace Policy von Anfang an unterstützt und auf kommunaler Ebene erfolgreich umgesetzt.

Reinhard Naumann, Bezirksbürgermeister Charlottenburg-Wilmersdorf:

„Wir haben bereits im Sommer 2008 sehr gern das Konzept der Workplace Policy von TERRE DES FEMMES aufgegriffen und den Slogan „NEIN ZU HÄUSLICHER GEWALT – MUT ZUM GESPRÄCH AM ARBEITSPLATZ“ für unsere Verwaltung entwickelt. Mit vielfältigen Aktionen, wie Fortbildung der Führungskräfte, Informationsveranstaltungen für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Bildschirmschoner, Mitteilungen an die Beschäftigten und einer gemeinsamen Erklärung mit dem Personalrat und der Frauenvertreterin haben wir uns klar positioniert. Uns ist wichtig, im Haus ein Klima zu schaffen, dass unseren Beschäftigten den Mut gibt, um Unterstützung und Hilfe in der unerträglichen Situation von Häuslicher Gewalt zu bitten“.

Der Bezirk Reinickendorf hat – als erste Verwaltung  - der besonderen Bedeutung der Workplace Policy mit dem Abschluss einer Vereinbarung mit der Beschäftigtenvertetung im Februar 2011 Rechnung getragen. Von Häuslicher Gewalt Betroffene sollen in der Verwaltung durch einen sensiblen Umgang gestärkt und unterstützt sowie an kompetente Beratungsstellen weitervermittelt werden. Bezirksbürgermeister Frank Balzer hat damit Häuslicher Gewalt eine klare Absage erteilt.

Vorgestellt wurden auch die diesjährigen Werbeträger der Kampagne „Nein zu Gewalt gegen Frauen". Mit dem Aufdruck „Gewalt kommt nicht in die Tüte" ist die Kaiser’s Tengelmann AG, langjähriger Partner der Kampagne, wieder dabei. 500.000 Bäckertüten werden zum 25. November durch Bezirkspolitiker und Politikerinnen, die Polizei und Mitarbeiterinnen von Beratungs- und Zufluchtseinrichtungen in den BackStop‘s der Kaiser‘s Filialen in vielen Bezirken an Bürgerinnen und Bürger verteilt. Mit dem Slogan „Für ein Zuhause ohne Gewalt“  auf verschiedenen Gegenständen des Alltags engagieren sich die Berliner Stadtreinigung (BSR), die STADT und LAND Wohnbauten-Gesellschaft mbH, die Vineta 98 Wohnungsgenossenschaft eG, die Wohnungsbaugenossenschaft Treptow-Nord eG, die gemeinnützige Wohnungsgenossenschaft Neukölln eG und die Tischlerei A. Gegusch & Sohn GmbH gegen Häusliche Gewalt. Mit dem arabischen Slogan auf Tüten „Häusliche Gewalt zerstört die Familie und die Gesellschaft“ engagiert sich die EJF gAG mit dem Deutsch-Arabischen Zentrum.

Auch mit dieser Aktion tragen Berliner Unternehmen dazu bei, die Sensibilität für das Thema Häusliche Gewalt bei der Berliner Bevölkerung zu erhöhen.

Am häufigsten erleben Frauen Gewalt noch immer in ihrem Zuhause, durch den eigenen Partner oder den Ehemann, gerade dort also, wo normalerweise Schutz und Geborgenheit gesucht werden. Häusliche Gewalt kann körperlich und seelisch krank machen.

Die Folgen der Gewalt sind gravierend und haben auch Einfluss auf den Arbeitsalltag der Betroffenen. In vielen Fällen ist die Möglichkeit, effektiv zu arbeiten, eingeschränkt. Durch Arbeitsausfälle der Arbeitnehmerinnen oder auch Drohanrufe bis hin zu tätlichen Übergriffen seitens des Täters sind die Auswirkungen von Häuslicher Gewalt auch im Arbeitsleben der Unternehmen spürbar. Für betroffene Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist es von immenser Bedeutung, auch an ihrem Arbeitsplatz Unterstützung zu erfahren. Seit vielen Jahren setzen sich daher in Berlin die Senatsverwaltung für Frauen, die bezirklichen Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten und TERRE DES FEMMES dafür ein, Unternehmen und Betriebe für die Strategie der sogenannten Workplace Policy zu gewinnen, mit der Betroffene von Häuslicher Gewalt Unterstützung am Arbeitsplatz erfahren.

Initiatorinnen der  berlinweiten Kampagne "Nein zu Gewalt gegen Frauen" sind die Landesarbeitsgemeinschaft der Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten der Berliner Bezirke und die Senatsverwaltung für Arbeit, Integration und Frauen.

Für Nachfragen und Interviews stehen wir gerne zur Verfügung.

Bitte wenden Sie sich an TERRE DES FEMMES, Birte Rohles (Referentin "Häusliche Gewalt"), Tel. 030/ 40504699-0, oder per Mail an presse@frauenrechte.de