Kooperation mit dem Film "FESTUNG" zu Häuslicher Gewalt – Rückblick auf die Previews

Die Previews zu FESTUNG sind vorbei – der Film bleibt, sitzt tief, wirkt noch immer nach.

In 8 Städten präsentierte TERRE DES FEMMES Previews zu FESTUNG, ein Film der finnischen Regisseurin Kirsi Marie Liimatainen über die erste Liebe und über Häusliche Gewalt.

Unsere Städtegruppen verzeichneten allseitig positive Resonanz und voll besetzte Kinosäle. Die ZuschauerInnen waren sehr beeindruckt von der Feinfühligkeit des Films und der lebhaften und bereichernden Diskussionen, welche die TERRE DES FEMMES Städtegruppen im Anschluss an den Film organisieren konnten.

Wir danken unseren ehrenamtlichen Frauen für ihr großes Engagement!

 

FESTUNG ist ein Film von Frauen über Gewalt in der Familie, weibliche Ohnmacht, erste Liebe und Mut – erzählt aus der Perspektive eines jungen Mädchens im Zwiespalt zwischen Pflichtgefühl und jugendlichem Drang.

Aus Sicht der 13-jährigen Johanna, erzählt Kirsi Marie Liimatainen die Geschichte einer Familie, in der die Gewalt des Vaters gegen die Mutter alle Familienmitglieder in die Verantwortung zieht. Sowohl Johanna, als auch ihre beiden Schwestern, müssen ihre ganz eigene Art und Weise entwickeln, im Teufelskreis der Gewalt zu bestehen, um nicht völlig daran zu zerbrechen.

Auch die erste Jugendliebe von Johanna mit dem Sohn ihres Sportlehrers ist kein sorgenfreier Zufluchtsort vor der Gewalt Zuhause, sondern die Gewalt legt sich wie ein Schatten auf die zaghaften Begegnungen der beiden Pubertierenden.

Szenenfoto: Festung © Kordes&Kordes-Film Christine A. MaierSzenenfoto: Festung
© Kordes & Kordes-Film Christine A. Maier

Kirsi Marie Liimatainen inszeniert eindrucksvoll, welche Auswirkungen die Gewalt auf eine ganze Familie haben kann und wie schwer es für alle Familienmitglieder ist, aus diesem System auszubrechen.
„Du musst es selbst wollen.“ (Zitat „Festung“) ist leichter gesagt, als getan.

Szenenfoto Festung © Kordes&Kordes-Film Sven MeyerSzenenfoto Festung
© Kordes & Kordes-Film Sven Meyer

 

Der Trailer zum Film:

 

Interview mit Peter Lohmeyer

Mit freundlicher Genehmigung der Childhood Foundation

Herr Lohmeyer, wie nahe geht Ihnen das Thema Gewalt in der Familie?

"Das Thema häusliche Gewalt berührt mich, weil es hinter verschlossenen Türen passiert, weil man das Gefühlt hat, dass man da einfach nicht rankommt. Es ist nicht sofort im Fokus, findet eher in der Fantasie statt.  Wenn man eine Straße entlangläuft, dann geschieht es aber praktisch hinter jeder fünften Wohnungstür. Wenn man dann davon erfährt, erreicht es einen umso mehr."

Haben Sie jemals eigenen Erfahrungen damit machen müssen?

"Ich selbst bin zum Glück von häuslicher Gewalt verschont geblieben. Für mich war nur das Drehbuch die Vorlage. Ich bin ein bewusster, politischer Mensch und weiß so um das Thema. Das Drehbuch war sehr gut recherchiert. Es gilt dann für uns Schauspieler, Wahrhaftigkeit in die Thematik zu bringen. Wir müssen immer versuchen, glaubhaft zu bleiben."

Schauen wir generell zu wenig hin, hören wir zu wenig zu, mischen wir uns zu wenig ein?

"Zuhören haben wir Menschen grundsätzlich nicht unbedingt drauf. Sonst würden wir mehr verstehen und besser reagieren. Das Leben wird immer schneller, lauter, huscht an uns vorbei. Da verpasst man viel; vor allem zwischenmenschliche Töne. Das kann unangenehm sein und letztlich zu Einsamkeit, zur Verzweiflung, zu Oberflächlichkeit führen.

Wenn man nun Tür an Tür wohnt, dann ist das Laute hinter der anderen Tür zu hinterfragen. Das ist nicht unhöflich. Aber Bewusstsein und die Fürsorge fängt schon vorher an. Eigentlich sollte man immer offen und mitmenschlich sein. Nur so ist Kommunikation möglich. Dann ist es auch nicht peinlich, wenn man in lauten Zeiten klopft. Und: Letztlich sind wir auch gefragt, hinzuschauen, aufmerksam zu sein, nachzufragen - zum Beispiel wenn ein Kind mit blauen Flecken in die Schule kommt."

Als vierfacher Vater  - welchen Rat haben Sie für Kinder?

"Kinder dürfen nie Angst haben, Fragen zu stellen. Sie dürfen keine Angst vor Geheimnissen haben - die dürfen weitererzählt werden. Kinder müssen wissen, dass sie immer sagen dürfen, was sie stört. Denn wenn man selbst etwas erzählt, dann erzählen einem andere auch etwas; der Grundsatz von Kommunikation. Und selbst wenn man schlechte Erfahrung mit Offenheit gemacht hat: Kinder sollten schlimme Themen nicht für sich behalten."

Obwohl die Rechte der Kinder 1989 in der UN-Kinderrechtskonvention angenommen wurden, müssen weltweit Kinder unter erbärmlichen Umständen leiden - woran hapert es Ihrer Meinung nach?

"Kinder haben Rechte - aber welche Macht haben sie? Wie interessant sind Kinder denn im alltäglichen Leben, in den Büros, wo Macht verramscht wird? Wo haben sie Mitspracherecht? Bei Ernährung - von Unterernährung bis falsche Ernährung? Es hakt daran, dass Kinder keine Macht haben, obwohl ihre Rechte festgeschrieben sind. Denn Kinder sind erst interessant, wenn sie etwas Tolles gemacht haben, oder ihnen was Schreckliches zugestoßen ist, was sich medial gut verkaufen lässt. Das ist das Problem."

Herzlichen Dank für das Gespräch.

Interview: Christina Mänz
http://www.farbfilm-verleih.de/filme/festung.html