SlutWalk Berlin (15.09.2012): TERRE DES FEMMES protestiert gegen Sexismus, sexualisierte Gewalt und Vergewaltigungsmythen (13.09.2012)

Berlin, 13. September 2012. Am Samstag, den 15. September demonstriert die Frauenrechtsorganisation TERRE DES FEMMES zusammen mit vielen anderen auf dem SlutWalk Berlin gegen sexualisierte Gewalt. Mit Sprüchen wie „Ich habe nichts anzuziehen, was mich vor einer Vergewaltigung schützt!“ wird der weiterhin bestehende Mythos thematisiert, züchtige Kleidung oder dezentes Verhalten bewahre Frauen vor Vergewaltigung. Damit wird Frauen eine Mitschuld an diesem Verbrechen unterstellt. „Mit der Verharmlosung von Vergewaltigungen und sexualisierter Gewalt muss endlich Schluss sein!“, fordert Christa Stolle, Bundesgeschäftsführerin von TERRE DES FEMMES. „Mit dem Vergewaltigungsmythos wird zudem Frauen ein bestimmter Lebenswandel und Kleidungsstil aufgezwungen. Dies ist nicht mit den Grundsätzen der Selbstbestimmung in Einklang zu bringen.“

„Die Mythen um Vergewaltigungen spiegeln ein falsches und gefährliches Bild der Geschlechterrollen wider. Unsere Gesellschaft ist so konditioniert, dass den Körper zu zeigen scheinbar noch immer sexuelle Bereitschaft signalisiert“, kritisiert Stolle. „Männer sind keine triebgesteuerten ‚Opfer’ ihrer Sexualität und Frauen keine Verführerinnen, die ihre Reize zu kontrollieren haben.“ TERRE DES FEMMES möchte deshalb die Gesellschaft für diese frauenfeindliche Argumentation sensibilisieren und unterstützt die SlutWalk-Bewegung, damit Frauen selbstbestimmt und frei von Gewalt leben können.

Die weit verbreitete Vorstellung eines unbekannten Vergewaltigers ist irreführend. In den meisten Fällen stammt der Täter aus dem Bekanntenkreis oder ist der aktuelle oder ehemalige Partner der Betroffenen. Nur etwa fünf Prozent der 160.000 Sexualstraftaten pro Jahr werden zur Anzeige gebracht, von diesen werden weniger als ein Prozent verurteilt. Die geringe Anzeigenbereitschaft resultiert aus der Tatsache, dass Frauen erleben, dass ihnen von der Öffentlichkeit die Verantwortung für das Geschehen zugewiesen wird oder, dass sie verdächtigt werden, ihr Vergewaltigungsvorwurf sei eine Lüge.

Die SlutWalk-Bewegung enstand 2011, nachdem ein kanadischer Polizist erklärt hatte, dass die sexuelle Belästigung von Frauen Resultat ihrer aufreizenden Kleidung sei. Diese Verharmlosung und Schuldumkehrung in Vergewaltigungsfällen löste eine weltweite Protestbewegung aus.

Für Nachfragen sowie Interviews stehen wir gerne zur Verfügung. Bitte wenden Sie sich an TERRE DES FEMMES, Astrid Bracht, Pressereferentin Tel. 030/ 40504699-25, oder per Mail an presse@frauenrechte.de.

Das Positionspapier von TERRE DES FEMMES zur SlutWalk-Bewegung finden Sie unter www.frauenrechte.de