TERRE DES FEMMES warnt vor Schnellschuss bei Beschneidungsgesetz und fordert Runden Tisch (19.07.2012)

Berlin, 19. Juli 2012. Im Rahmen der heutigen Sondersitzung des Bundestags befasst sich dieser auch mit der rechtlichen Regelung der Beschneidung minderjähriger Jungen. Ausgelöst hat die Beratung im Bundestag ein Urteil des Landgerichts Köln, welches am 26. Juni 2012 öffentlich bekannt wurde. In seinem Urteil hat das Gericht festgestellt, dass die aus religiösen Gründen auf Wunsch der Eltern an einem vierjährigen Jungen vorgenommene Beschneidung eine Körperverletzung darstellt.

Das Urteil hat eine heftige Debatte zwischen BefürworterInnen und GegnerInnen der Vorhautbeschneidung aus religiösen Gründen bei minderjährigen Jungen ausgelöst. TERRE DES FEMMES begrüßt das Urteil des Landgerichts Köln, das der körperlichen Unversehrtheit Minderjähriger Vorrang vor dem Recht der Eltern auf Erziehung und freie Religionsausübung einräumt.

"Wir möchten den mit den Religionsgemeinschaften in Bezug auf Vorhautbeschneidung bei Jungen begonnenen Dialog, der in gegenseitigem Respekt geführt werden muss, weiter fortsetzen", so Irmingard Schewe-Gerigk, Vorstandsvorsitzende von TERRE DES FEMMES.

"Wir befürchten", dass mit der heutigen Beratung im Bundestag ein juristischer Schnellschuss vorbereitet wird, der darauf abzielt, religiöse Vorhautbeschneidung bei Jungen möglichst schnell straffrei zu stellen", so Schewe-Gerigk weiter. "Wir fürchten, dass damit auch bestimmte Formen weiblicher Genitalverstümmelung mit legalisiert werden." Auf diese Gefahr hat auch Bundesjustizministerin Leutheusser-Schnarrenberger hingewiesen.

TERRE DES FEMMES fordert die Bundesregierung auf, jetzt nicht um des Rechtsfriedens willen Regelungen zulasten der Unversehrtheit von Kindern zu beschließen und schlägt die Einrichtung eines Runden Tischs "Körperliche Unversehrtheit von Kindern" mit allen Beteiligten vor. Seit knapp 30 Jahren setzt TERRE DES FEMMES sich für ein weltweites Ende weiblicher Genitalverstümmelung ein und fordert in Deutschland einen eigenen Straftatbestand zu dieser schweren Menschenrechtsverletzung wie ihn bereits zahlreiche europäische Staaten eingeführt haben.

Für Nachfragen und Interviews stehen wir gerne zur Verfügung.

Bitte wenden Sie sich an TERRE DES FEMMES, Franziska Gruber, Referentin zum Thema weibliche Genitalverstümmelung, Tel. 030/405046990 oder per E-Mail an: presse@frauenrechte.de.