Fakten zu Gewalt gegen Frauen in Deutschland und weltweit anhand der Schwerpunktthemen von TERRE DES FEMMES

Beim Thema Gewalt im Namen der Ehre wird die Gewalt gegen Mädchen und Frauen durch die vermeintliche Herstellung der Familienehre legitimiert.
Verstoßen weibliche Familienmitglieder gegen die vorherrschenden Normen der patriachal denkenden Gemeinschaft, droht ihnen "Ehren"-Mord. Bei der vom Bundesfamilienministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) im November 2011 herausgegebene Studie zum Thema Zwangsheirat, an der TERRE DES FEMMES mitgearbeitet hat, waren 3.443 junge Frauen von Zwangsheirat bedroht oder betroffen. Über 70 Prozent der Betroffenen waren jünger als 21 Jahre. Jährlich werden weltweit etwa zehn Millionen Mädchen vor ihrem 18. Lebensjahr verheiratet. Oft ist mit der Zwangsheirat die
Verschleppung ins Ausland verbunden.

Die weibliche Genitalverstümmelung (englisch: Female Genital Mutilation – FGM) wird mit dem Schutz der weiblichen Jungfräulichkeit begründet. In Deutschland leben circa 20.000 Betroffene und über 5.000 Mädchen sind gefährdet, in Deutschland oder im Ausland beschnitten zu werden.
Weltweit sind bis zu 150 Millionen Mädchen und Frauen von weiblicher Genitalverstümmelung betroffen. Alle elf Sekunden wird einem Mädchen meist weder ohne Narkose noch unter hygienischen Bedingungen Teile der äußeren Genitalien entfernt.

Der Machtanspruch über die Frau ist oft Motiv für Häusliche Gewalt. Bereits 25 Prozent der Frauen in Deutschland haben Formen körperlicher oder sexueller Gewalt oder beides durch aktuelle oder frühere Beziehungspartner erlebt. Häusliche Gewalt ist ein gesamtgesellschaftliches Problem. Jährlich flüchten bundesweit rund 40.000 Frauen in eines der 360 Frauenhäuser. Weltweit sind je nach Region zwischen 20 und 59 Prozent der weiblichen Weltbevölkerung Häuslicher Gewalt ausgesetzt.

Alle Formen von Frauenhandel fallen unter den Oberbegriff des Menschenhandels. Im Jahr 2010 wurden 470 Ermittlungsverfahren in Deutschland im Bereich des Menschenhandels zum Zweck der sexuellen Ausbeutung abgeschlossen. Rund 14 Prozent der Opfer waren minderjährig. Schätzungen gehen von 2,4 Millionen Menschen aus, die weltweit pro Jahr verkauft werden. Darunter sind laut der EU eine halbe Million Mädchen und Frauen, die nach
Europa gebracht werden.

TERRE DES FEMMES bietet mit ihrer Beratungsstelle einen Anlaufpunkt für Mädchen und Frauen in akuter Notlage. Monatlich melden sich mehr als 30 Hilfesuchende. 2010 bildeten Fragen zur Zwangsverheiratung mit 25 Prozent den Schwerpunkt, gefolgt von Häuslicher Gewalt (21 Prozent). 62 Prozent der Hilfesuchenden waren jünger als 25 Jahre. Nicht nur Betroffene, sondern auch professionelle Institutionen aus dem gesamten
Bundesgebiet wie Jugendämter wenden sich an die Beratungsstelle.