Neuer Hilfsleitfaden "Misshandelt, zwangsverheiratet, ermordet" erschienen (01.09.2011)

Berlin. Die Zahlen sind eindeutig: Von den durchschnittlich 160 Hilfesuchenden, die sich jährlich an die TERRE DES FEMMES Beratungsstelle wenden, sind mehr als die Hälfte Kontaktpersonen (MitarbeiterInnen von Behörden sowie pädagogische Fachkräfte). Für sie steht seit heute der aktuelle Hilfsleitfaden "Im Namen der Ehre - misshandelt, zwangsverheiratet, ermordet" zum Download auf der TERRE DES FEMMES Homepage www.frauenrechte.de zur Verfügung.

"Das Bewusstsein für diese Menschenrechtsverletzung an Mädchen und Frauen ist unter dem Fachpersonal stark gestiegen, ebenso der Wunsch, den Betroffenen adäquat zu helfen", erklärt Christa Stolle, Geschäftsführerin von TERRE DES FEMMES. Der Hilfsleitfaden bietet kompetente Anleitung für die Arbeit mit Migrantinnen, die von Gewalt im Namen der Ehre betroffen sind. Erstmals ist das neue Zwangsheirat-Bekämpfungsgesetz in einem Leitfaden berücksichtigt und alle Neuerungen sind praxisrelevant aufbereitet.

"Allein im Juni und Juli 2011 haben sich 17 Betroffene von drohender oder vollzogener Zwangsverheiratung an unsere Beratungsstelle gewandt", berichtet Stolle weiter. Hinter jedem Fall verbirgt sich dabei eine eigene Leidensgeschichte. Jede Hilfe muss individuell auf das Mädchen/die Frau abgestimmt sein. "Der Hilfsleitfaden ist das Ergebnis von 30 Jahren Erfahrung mit diesem Thema. Mit ihm schließen wir eine Lücke und tragen dazu bei, dass Mädchen und Frauen ein gleichberechtigtes, selbstbestimmtes und freies Leben führen können."

Anbei zwei Beispiele von 2011 aus der Beratungspraxis von TERRE DES FEMMES:

Aynur ist 18 Jahre alt und hat schon eine Menge mitgemacht: In einem strengen kurdischen Haushalt in Deutschland aufgewachsen, musste sie früh Verantwortung übernehmen, jeder ihrer Schritte wurde überwacht  und schon mit 14 sollte sie verheiratet werden. Mehrmals floh sie von zu Hause, konnte die Trennung von ihrer Familie jedoch nicht aushalten und kehrte immer wieder zurück. Erst als sie mit 18 zwangsverheiratet wird, um die "Familienehre" wiederherzustellen, entschließt sie sich endgültig, ihre Familie zu verlassen und flieht mit der Hilfe von TERRE DES FEMMES in ein Frauenhaus.

Auch die 14-jährige Ana aus dem Kosovo denkt schon seit mehreren Jahren daran, ihre Familie zu verlassen. Als ihre Eltern damit drohen, sie in den Sommerferien im Kosovo zu verloben und dort zu lassen, lässt sie sich vom Jugendamt in Obhut  nehmen. TERRE DES FEMMES stellt umfangreiche Informationen zur Situation von Mädchen und Frauen im Kosovo zur Verfügung, um vor Gericht einen vorübergehenden Entzug des Aufenthaltsbestimmungsrechts zu erwirken.

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Für Nachfragen sowie Interviews stehen wir gerne zur Verfügung.

Bitte wenden Sie sich an TERRE DES FEMMES, Monika Michell (Referentin), per Telefon unter 030/ 40504699-0 oder per Mail an ehrverbrechen@frauenrechte.de.

TERRE DES FEMMES ist eine gemeinnützige Menschenrechtsorganisation für Mädchen und Frauen, die durch Aktionen, Öffentlichkeitsarbeit, Einzelfallhilfe, Förderung von Projekten und internationale Vernetzung von Gewalt betroffene Mädchen und Frauen unterstützt. TERRE DES FEMMES klärt auf, wo Mythen und Traditionen Frauen das Leben schwer machen, protestiert, wenn Rechte beschnitten werden und fordert eine lebenswerte Welt für alle Mädchen und Frauen – gleichberechtigt, selbstbestimmt und frei! Unsere Schwerpunktthemen sind Häusliche Gewalt, Zwangsheirat und Ehrverbrechen, weibliche Genitalverstümmelung, Frauenhandel, Zwangsprostitution und soziale Rechte für Arbeiterinnen. Der Verein wurde 1981 gegründet, die Bundesgeschäftsstelle befindet sich in Berlin. Weitere Informationen finden Sie unter www.frauenrechte.de