06.03.2007: Start der Kampagne "Gewalt gegen Frauen ist Alltag" zum Internationalen Frauentag

TERRE DES FEMMES gewinnt Promis, Werber und Politiker als Unterstützer

Jeden Tag werden die Menschenrechte von Frauen auf der ganzen Welt verletzt. Um eine breite Öffentlichkeit für dieses Thema zu sensibilisieren, startet zum Weltfrauentag am 8. März 2007 eine bundesweite Dachkampagne von TERRE DES FEMMES – initiiert von der Werbeagentur Heymann Schnell und tatkräftig unterstützt durch zahlreiche Sponsoren und Prominente wie Nina Hoss, Sibel Kekilli, Jochen Senf und Roger Willemsen.

Auf Einladung der Fraktion Bündnis 90 / Die Grünen im Berliner Abgeordnetenhaus stellte die Frauenrechtsorganisation heute die bundesweite Werbekampagne vor. Sie greift mit der Botschaft „Gewalt gegen Frauen ist Alltag“ Themen auf, die im Mittelpunkt der Arbeit von TERRE DES FEMMES stehen: Häusliche Gewalt, Genitalverstümmelung, Ehrverbrechen, Verschleppung, Zwangsprostitution und Steinigung. Ziel der Kampagne ist es, die Öffentlichkeit für die Sorgen und Nöte unzähliger misshandelter Frauen zu sensibilisieren und finanzielle und personelle Grundlagen für die Überwindung der Gewalt zu schaffen.

Mehr Öffentlichkeit für den Schutz von Frauenrechten
Seit über 25 Jahren informiert der Verein TERRE DES FEMMES mit Publikationen, Veranstaltungen, Jahreskampagnen und Lobbyarbeit die Öffentlichkeit über Misshandlung und Diskriminierung von Frauen in der ganzen Welt. Darüber hinaus hilft TERRE DES FEMMES Frauen und Mädchen konkret in Deutschland und zahlreichen anderen Ländern. In Deutschland wenden sich im Jahr rund 400 von Zwangsheirat, Abschiebung und Gewalt bedrohte Frauen und Mädchen an die Bundesgeschäftsstelle. Mit anderen Menschenrechtsorganisationen hat TERRE DES FEMMES Gesetze wie das Verbot von Vergewaltigung in der Ehe und das Gewaltschutzgesetz durchgesetzt.

„Um weitere wichtige Zielen erreichen zu können, brauchen wir noch mehr UnterstützerInnen, noch mehr Geld – und vor allem noch mehr Öffentlichkeit,“ sagt Christa Stolle, die Geschäftsführerin von TERRE DES FEMMES, die in ihrem Redebeitrag die Aktualität ihrer Arbeit unterstrich (Download der gesamten Rede als PDF-Datei). Erst vor wenigen Tagen habe ein Mann in Istanbul eine Richterin krankenhausreif geschlagen. Frauen sollten Kinder gebären und Essen zubereiten, aber nicht mit dem Schicksal anderer Menschen spielen, hatte der Mann wütend geäußert, als sein Bruder von der Richterin verurteilt worden war.

Auch in Deutschland besteht Handlungsbedarf
„Menschenrechtsverletzungen an Frauen ist kein Thema, das weit weg von uns geschieht. Auch in Deutschland besteht Handlungsbedarf,“ sagt Christa Stolle. Hierzulande sind nach Schätzungen von TERRE DES FEMMES mindestens 4.000 Mädchen gefährdet, durch Genitalverstümmelung brutal verletzt zu werden. 19.000 Frauen sind bereits betroffen. Auch der Mord an Hatun Sürücü in Berlin ist kein Einzelfall. Erst vor wenigen Wochen stand in Hamburg ein Vater vor Gericht, der seinen Sohn dazu zwingen wollte, die eigene Schwester umzubringen. TERRE DES FEMMES geht davon aus, dass zahlreichen Familienzusammenführungen in Deutschland eine Zwangsheirat zugrunde liegt.

Rund 25 Prozent aller Frauen in Deutschland haben bereits Formen körperlicher oder sexueller Gewalt oder beides durch aktuelle oder frühere Beziehungspartner erlebt. Männergewalt gegen Frauen und Mädchen kostet die Solidargemeinschaft jährlich 14,8 Milliarden Euro, Kosten für Justiz, Polizei, ärztliche Behandlung und Arbeitsausfälle. In 95 Prozent der Fälle Häuslicher Gewalt sind Frauen die Opfer und Männer die Täter. Jährlich fliehen rund 40.000 Frauen mit ihren Kindern in Frauenhäuser.

Zu den Kampagnenzielen zählen:

1. Auf nationaler und internationaler Ebene forciert TERRE DES FEMMES Gesetzesänderungen, die eine schnellere Verurteilung von Gewalttäter möglich machen.

2. Im Rahmen bundesweiter Aktionen werden die deutsche (Fach-)Öffentlichkeit und betroffene Berufsgruppen aus Politik, Justiz, Polizei, Gesundheitswesen, Forschung, Arbeits- und Sozialämter für die Problematik „Gewalt gegen Frauen“ sensibilisiert, um zukünftig gut informiert und aktiv mit den Themen umzugehen.

3. Speziell „Häusliche Gewalt“ verursacht jedes Jahr einen beträchtlichen wirtschaftlichen Schaden. TERRE DES FEMMES will Unternehmen motivieren, ein gemeinsames Bündnis gegen „Häusliche Gewalt“ ins Leben zu rufen. Vorbildfunktion übernimmt hier die Aktion „Stoppt häusliche Gewalt“ von THE BODY SHOP. Das Unternehmen hat einen Maßnahmenkatalog entwickelt, der Richtlinien zum korrekten Umgang mit Opfern von häuslicher Gewalt im Kollegenkreis festlegt.

Prominente KampagnenbotschafterInnen setzen sich ein
Tatkräftig unterstützt wird die Frauenrechtsorganisation bei ihrer Kampagne von Prominenten, zum Beispiel von dem Schauspieler Jochen Senf. Er setzt sich als Kampagnenbotschafter besonders für die Aufklärungsarbeit zum Thema „Häusliche Gewalt“ ein. „Häusliche Gewalt“ umfasst Beleidigungen, Drohung, Einschüchterung, Einsperren, Schläge, Vergewaltigung, Misshandlung bis hin zu Mord in den eigenen vier Wänden. Jochen Senf, der vielen als Kommissar “Max Palu" aus dem Tatort bekannt ist, war als Kind selbst von familiärer Gewalt betroffen. Der Schauspieler rät: „Man muss die Täter klar benennen. Öffentlich - ohne wenn und aber. Davor haben sie Angst.“

Um die Arbeit von TERRE DES FEMMES möglichst gezielt unterstützen zu können, konzentrieren sich die prominenten BotschafterInnen jeweils auf ein Themenfeld. Nina Hoss engagiert sich gegen Genitalverstümmelung, sie sagt: "Für mich ist die Genitalverstümmelung Folter, eines der schlimmsten Verbrechen, die im Namen der so genannten Ehre auf dieser Erde geschehen. Ich träume davon, dass es möglich sein wird, diese Form der Herrschaft über Frauen aufzugeben."

Lob und Unterstützung erhält die neue Kampagne auch von Sibel Kekilli: “Es ist wichtig, dass Öffentlichkeitsarbeit, auch besonders zum Thema Ehrverbrechen geleistet wird. Ich freue mich weiterhin auf die Zusammenarbeit mit TERRE DES FEMMES und bin froh, als Kampagnenbotschafterin mitwirken zu dürfen.“ Die Schauspielerin engagiert sich bereits seit mehreren Jahren aktiv gegen Ehrverbrechen.

Mit im Kreis der prominenten Unterstützer ist außerdem Roger Willemsen, der sich vor allem gegen Verschleppung und Frauenhandel einsetzt.

„Entstellte“ Werbeträger statt schockierender Gewaltbilder
Initiator, Motor und Umsetzungspate für die neue Kampagne ist René Heymann, Chef der Berliner Werbeagentur Heymann Schnell. Seine Werbeagentur hat Großflächenplakate, Anzeigenmotive, Free-Cards und eine Broschüre entworfen und produziert. Darüber hinaus hat Heymann zahlreiche weitere Partner mit ins Boot geholt, die sich ebenfalls ehrenamtlich für die wichtige Arbeit gegen Ausbeutung, Misshandlung und Verfolgung von Frauen engagieren.

Zur Umsetzung sagt René Heymann, Vorstandsvorsitzender der Heymann Schnell AG: „Wir haben bewusst darauf verzichtet, mit aggressiven und provozierenden Darstellungen zu arbeiten. Das Entsetzen soll im Kopf des Betrachters entstehen - auf subtile und intelligente Weise. Wir transportieren die Botschaft über die Entstellung der Werbeträger.“ Anscheinend wahllos eingerissene Zeitschriftenseiten („Häusliche Gewalt“) oder angekokelte Plakatwände

(„Verbrennung“) spielen mit den Sehgewohnheiten der Betrachter. Auf den ersten Blick ist es einfach nur ein beschädigtes, „entstelltes“ Motiv. Erst auf den zweiten Blick wird deutlich, dass es sich hier um „Vandalismus mit Methode“ handelt.

Mit Heymann Schnell hat sich TERRE DES FEMMES für einen Agentur entschieden, die in den vergangenen Jahren wertvolle Erfahrungen mit Charity-Projekten sammeln konnte. Bundesweite Beachtung fand zum Beispiel die Präventionskampagne „Vergessen ist ansteckend“ – eines der erfolgreichsten Social-Sponsoring-Projekte, das es je zum Thema AIDS in Deutschland gegeben hat.

Beispielmotive

Motiv: Verbrennung

Motiv: Verschleppung

Motiv der Kampagne 'Gewalt gegen Frauen ist Alltag'

Motiv der Kampagne 'Gewalt gegen Frauen ist Alltag'

Pressekontakt:

Stilblüte Kommunikation, Anna Hansen & Holger Wetzel
Telefon 030.69 56 84 84, E-Mail: hansen@stilbluete.com / wetzel@stilbluete.com

Pressemitteilung vom 06.03.2007

Fotos der Veranstaltung am 06.03.2007

Die TERRE DES FEMMES-Kampagnenbotschafter Nina Hoss, Sibel Kekilli und Jochen Senf
Foto ©: Heymann Schnell
Die TERRE DES FEMMES-Kampagnenbotschafter Nina Hoss, Sibel Kekilli und Jochen Senf
Christa Stolle mit den prominenten Unterstützern von TERRE DES FEMMES
Foto ©: Heymann Schnell
Christa Stolle mit den prominenten Unterstützern von TERRE DES FEMMES
Die TERRE DES FEMMES-Botschafterin gegen weibliche Genitalverstümmelung Nina Hoss und Sibel Kekilli, die sich gegen Ehrverbrechen engagiert
Foto ©: Heymann Schnell
Die TERRE DES FEMMES-Botschafterin gegen weibliche Genitalverstümmelung Nina Hoss und Sibel Kekilli, die sich gegen Ehrverbrechen engagiert
Der TERRE DES FEMMES-Kampagnenbotschafter gegen Häuslich Gewalt Jochen Senf
Foto ©: Heymann Schnell
Der TERRE DES FEMMES-Kampagnenbotschafter gegen Häuslich Gewalt Jochen Senf
von links nach rechts: Christa Stolle, Nina Hoss, René Heymann, Sibel Kekilli, Jochen Senf und Volker Ratzmann
Foto ©: Heymann Schnell
von links nach rechts: Christa Stolle, Nina Hoss, René Heymann, Sibel Kekilli, Jochen Senf und Volker Ratzmann
Christa Stolle, die Bundegeschäftsführerin von TERRE DES FEMMES mit dem Initiator der Kampagne René Heymann
Foto ©: Heymann Schnell
Christa Stolle, die Bundegeschäftsführerin von TERRE DES FEMMES mit dem Initiator der Kampagne René Heymann
Sibel Kekilli, Christa Stolle, René Heymann, Nina Hoss, Volker Ratzmann
Foto ©: Heymann Schnell
Sibel Kekilli, Christa Stolle, René Heymann, Nina Hoss, Volker Ratzmann
Sibel Kekilli, Christa Stolle, René Heymann und Nina Hoss während der Pressekonferenz
Foto ©: Heymann Schnell
Sibel Kekilli, Christa Stolle, René Heymann und Nina Hoss während der Pressekonferenz