20.06.2007: TDF fordert Nachbesserung im baden-württembergischen Konzept gegen Zwangsheirat

Pressemitteilung vom 20.06.2007

Landesregierung Baden-Württemberg stellt Maßnahmenkonzept zur Bekämpfung von Zwangsheirat vor. TERRE DES FEMMES fordert Nachbesserung für effektiveren Schutz bei Heiratsverschleppung! Einzelfälle häufen sich.

Am Dienstag den 19.06.2007 stellte Ministerpräsident Oettinger die verschiedenen Schritte zur Bekämpfung von Zwangsheirat in Stuttgart der Öffentlichkeit vor.

“Wir begrüßen den Vorstoß der Landesregierung unseren Forderungen zum Schutz dieser Mädchen und Frauen nachzukommen," so Christa Stolle Geschäftsführerin von TERRE DES FEMMES. “Leider fehlen in dem Konzept aber so wichtige Punkte wie Schulungen für Jugendämter oder die Polizei."

TERRE DES FEMMES hilft jährlich ca. 180 Mädchen und Frauen, die von Gewalt im Namen der Ehre betroffen sind. Gerade vor den Sommerferien häufen sich die Fälle von drohender Heiratsverschleppung. Oft sind es Minderjährige, die in Deutschland aufgewachsen sind. Frau Stolle: “Erst letzte Woche hatten wir einen Fall von einer 14-jährigen Türkin, die zwangsverheiratet werden soll. Dem Jugendamt, der Polizei und der Schulleitung war der Fall bekannt. Alle haben fatal versagt, niemand nahm den Hilferuf des Mädchens ernst. Unsere Intervention kam zu spät. Das Mädchen wurde in die Türkei gebracht."

Das Landesministerium für Kultus, Jugend und Sport plant im Jahr 2008 vier Fortbildungen für 20 Beratungslehrkräfte zu Zwangsheirat. Frau Stolle: “Ein guter Anfang! Aber das sind viel zu wenig, bei allen Lehrkräften in Baden-Württemberg sind das nur 0,06%. Hier wird auf Kosten der Mädchen gespart."

Die Erfahrung zeigt, die Schulen spielen eine sehr wichtige Rolle bei der Prävention von Zwangsheirat und Heiratsverschleppung. “Die Schulleitung hat in dem bereits geschilderten Fall nicht eingegriffen. Sie haben es als Familienangelegenheit betrachtet. Wären die beteiligten Lehrkräfte sensibilisiert worden, wäre das Mädchen vielleicht noch in Deutschland und in Sicherheit", so Stolle. TERRE DES FEMMES fordert deshalb Fortbildungsmaßnahmen an allen Schulen landesweit.

Auch bei spezifischen Beratungseinrichtungen für die Betroffenen spart Baden-Württemberg. Während Hamburg, Niedersachsen oder Nord-Rhein-Westfalen Beratungsstellen bezuschussen, Onlineberatung oder sogar ein Krisentelefon finanzieren ist davon nichts im baden-württembergschen Konzept zu finden.

Frau Stolle: “Das Land verlässt sich scheinbar völlig auf andere Geldquellen, wie Privatpersonen oder Stiftungen. Aber es ist auch Aufgabe der Landeregierung für den Schutz der Betroffenen zu sorgen. Auch hier ist ein Umdenken dringend erforderlich".

Für Nachfragen und Interviewwünsche stehen wir gerne zur Verfügung.
Bitte wenden Sie sich an:
TERRE DES FEMMES,
Sibylle Schreiber,
Tel. 07071/79 73-0,
E-Mail: ehrverbrechen@frauenrechte.de.