23.08.2007: Erstmals Mädchen in Deutschland vor Genitalverstümmelung gerettet

TÜBINGEN/BREMEN.

Am Montag hat in Bremen die Polizei zwei Mädchen vor drohender Genitalverstümmelung retten können. Die Beamten waren wegen eines lautstarken Streits zur Wohnung eines Ehepaares gerufen worden. Nach Angaben des Vaters plante die gambische Mutter, die ein und vier Jahre alten Töchter während eines Heimatbesuchs an ihren Genitalien verstümmeln zu lassen. Die Ausreise nach Gambia, die der Vater verhindern wollte, stand unmittelbar bevor. Die Mutter hatte die Mädchen bei Bekannten versteckt. Die Polizei konnte den Aufenthaltsort der Mädchen ausfindig machen und diese vorübergehend in einem Kinderheim in Sicherheit bringen. Das Jugendamt wurde eingeschaltet.

TERRE DES FEMMES geht davon aus, dass in Deutschland über 4.000 Mädchen von weiblicher Genitalverstümmelung bedroht sind. “Diese Mädchen brauchen unsere Hilfe", so Christa Stolle, Bundesgeschäftsführerin der Frauenrechtsorganisation: “Wir fordern daher die Bundesjustizministerin Zypries auf, Genitalverstümmelung in Deutschland ausdrücklich per Gesetz zu verbieten." Dies ist Voraussetzung dafür, dass die Praxis von deutschen Behörden auch dann verfolgt werden kann, wenn sie im Ausland begangen wurde. Bislang ist Genitalverstümmelung in Deutschland als gefährliche Körperverletzung strafbar.

“Gleichzeitig muss die Prävention verstärkt werden," so Stolle, “damit Mädchen in Deutschland nicht erst in letzter Minute vor dieser schweren Menschenrechtsverletzung bewahrt werden."

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