06.12.2007: Prozess um Flughafenmord endet: Kinder weiter in den Händen der Familie des Mörders

Im Prozess um den Mord an Suzana L. wird am 10. Dezember am Stuttgarter Landgericht das Urteil  gesprochen. Die Frauenrechtsorganisation TERRE DES FEMMES geht davon aus, dass der 32-jährige Kosovo-Albaner Avdyl Lajqi wegen  heimtückischem Mord aus niedrigen Beweggründen verurteilt wird. Der Angeklagte hatte seine geschiedene Frau am 31. März 2007 am Stuttgarter Flughafen erschossen. Sie war auf dem Weg in den Kosovo, um dort ihre Kinder zu sehen. Nach der Flucht vor ihrem gewalttätigen Mann hatte dieser die beiden gemeinsamen Kinder im Oktober 2006 dorthin verschleppt.

Der Staatsanwalt forderte eine lebenslange Freiheitsstrafe für den Angeklagten. “Wir haben alle Sitzungen des Prozesses beobachtet. Alles andere als eine Verurteilung wegen Mordes wäre ein Skandal",  so Christa Stolle, Geschäftsführerin von TERRE DES FEMMES, zum bevorstehenden Urteil.

Um das Schicksal der Kinder der Ermordeten kümmert sich indes niemand. Nach dem Willen der zuständigen deutschen Behörden sollen die beiden Töchter in der Familie des Mannes aufwachsen, der ihre eigene Mutter geschlagen, vergewaltigt und getötet hat. Diese Familie hat das Verhalten des Angeklagten zu jedem Zeitpunkt gedeckt. “Wir sind entsetzt über die Untätigkeit des deutschen  Staates", kritisiert Stolle die Haltung von Familiengericht, Jugendamt  und Bayerischem Staatsministerium.

Zu Suzanas Lebzeiten haben diese Behörden versäumt, sie und ihre Kinder zu schützen. So hätte das Familiengericht in Obernburg die Verschleppung der Kinder verhindern können. Suzana hatte beantragt, die Pässe der Kinder bis zur Klärung des Sachverhalts beim Jugendamt zu hinterlegen. Da dies aber nicht geschah, konnte der Angeklagte seine Kinder ungehindert in den Kosovo bringen.

TERRE DES FEMMES fordert die Behörden auf, endlich tätig zu  werden, um die Kinder nach Deutschland zurückzuholen. Nur so haben sie die Chance, das Trauma zu verarbeiten, das ihnen durch die  Ermordung ihrer Mutter angetan wurde.

Für  Nachfragen und Interviews stehen wir gerne zur Verfügung.
Bitte wenden Sie sich an Rahel Volz/Myria Böhmecke,
Tel. 07071/7973-0,
E-Mail ehrverbrechen@frauenrechte.de

Bitte beachten Sie:
Die TERRE DES FEMMES-Referentinnen Rahel Volz und Barbara Simons sind  am 10.12. bei der Urteilsverkündung im Stuttgarter Landgericht anwesend und stehen danach für Interviews zur Verfügung.