12.12.2007: Pflichtuntersuchungen für Kinder - Chance im Kampf gegen Weibliche Genitalverstümmelung

Aktuell schockieren Meldungen über getötete oder vernachlässigte Kinder die Menschen in Deutschland. Laut Kriminalstatistik sterben jährlich in Deutschland, zwischen 150 und 200 Kinder durch die Hand ihrer eigenen Eltern. Nicht alle, aber einige dieser Todesfälle hätten sich durch früheres Eingreifen verhindern lassen. Pflichtuntersuchungen bei Kinderärzten als Teil eines verbesserten Frühwarnsystems werden momentan kontrovers diskutiert. Im Saarland, wo dies bereits seit 1. April 2007 umgesetzt ist, wurden bereits wertvolle Erfahrungen gemacht.

Die Frauenrechtsorganisation TERRE DES FEMMES unterstützt die Forderung nach verpflichtender Gesundheitsvorsorge für Kinder. Wie die Schulpflicht zum Wohle der Kinder durchgesetzt wird, kann auch die körperliche Unversehrtheit des Kindes durch verpflichtende Untersuchungen besser gewährleistet werden.

Dabei wird auch ein ganz anderer Problembereich berührt, auf den TERRE DES FEMMES seit Jahren hinweist. Die Verstümmelung der Genitalien bei kleinen Mädchen in Deutschland. Nach Berechnungen von TERRE DES FEMMES leben in Deutschland mindestens 18.000 bereits betroffene Frauen und etwa 5.000 gefährdete Mädchen.

Dies ist ein, als Tradition ausgegebener, Missstand, der inzwischen auch in Deutschland gesetzlich verboten und als schwere Körperverletzung eingestuft ist. “Migrantinnen aus Afrika haben in Deutschland häufig mit vielfältigen Problemen zu kämpfen: ein ungewisser Aufenthaltstatus, eine unsichere finanzielle Situation und rassistische Vorurteile erschweren die Integration," so die Bundesgeschäftsführerin von TERRE DES FEMMES, Christa Stolle. “Diese Verunsicherungen führen bei einem Teil der Familien dazu, dass sie an Traditionen aus ihrem Herkunftsland festhalten - auch wenn sie das Leben und die Gesundheit von Mädchen und Frauen gefährden." Verpflichtende Gesundheitsvorsorge kann diese Mädchen vor einer drohenden Genitalverstümmelung bewahren. “Wir sind der Ansicht, dass konsequent bei allen Kindern - egal welcher Herkunft - die Genitalien bei den Vorsorgeuntersuchungen mit untersucht werden sollen. So können nicht nur Fälle von weiblicher Genitalverstümmelung, sondern auch von sexuellem Missbrauch entdeckt werden," argumentiert Christa Stolle.

Pflichtuntersuchungen alleine reichen selbstverständlich nicht aus, um Kinder sicher aufwachsen zu lassen. Unabhängig davon müssen Jugend- und Sozialämter besser geschult und personell besetzt werden. “Aus purer Grausamkeit wird kein Kind im eigenen Zuhause sterben," so Christa Stolle. “Ursache sind Hilflosigkeit und Überforderung auf allen Seiten. Auch deshalb können verpflichtende Vorsorgeuntersuchungen eine Chance für Kinder und Eltern sein, wenn sie nicht als Kontrollinstrument, sondern als Hilfsangebot in schwierigen Lebenslagen begriffen werden."

Für Nachfragen stehen wir gerne zur Verfügung.
Bitte wenden Sie sich an TERRE DES FEMMES,
Christa Stolle, Tel. 07071/7973-0 oder per Mail an geschaeftsfuehrung@frauenrechte.de