18.10.2004: Stiften gehen für TDF: Prominente feierten Gründung einer Stiftung für Frauenrecht

„Eine l(i)ebenswerte Welt für Frauen und Mädchen“- das war das Motto der Gala am Samstag, den 16. Oktober in Tübingen. Prominente aus Kultur, Politik und Wirtschaft feierten mit dem Frauenrechtsorganisation TERRE DES FEMMES die Gründung der gleichnamigen Förderstiftung. Unter ihnen Sibel Kekilli, die für ihre Hauptrolle in Fatih Akins Film „Gegen die Wand“ den deutschen Filmpreis erhielt, die ehemalige Justizministerin Herta Däubler-Gmelin, die stellvertretende Verdi-Vorsitzende Margret Mönig-Raane, Ilona de March, Leiterin der TUI-Tochter TQ3 und Peter Prange, Autor des Romans „Das Bernstein-Amulett“.

Die Stiftungsgründung möglich gemacht hatten acht Frauen und eine Familie, die als Erst-StifterInnen ein Startkapital von 135.000 Euro aufbrachten. „Ein neues Kapitel in der Vereinsgeschichte wurde aufgeschlagen“, freute sich TERRE DES FEMMES-Geschäftsführerin Christa Stolle. Ingrid Staehle, die den Verein 1981 in ihrem Hamburger Wohnzimmer gegründet hatte, meint: „Mit der Stiftung ist der Verein erwachsen geworden. Eine Stiftung kann in ganz anderen gesellschaftlichen Kreisen wirken. Das ist das Ende der Bescheidenheit.“

Den 200 Gala-Gästen wurde in den festlich geschmückten Räumen der 'Tübinger Museumsgesellschaft' ein abwechslungsreiches Programm geboten. Großen Beifall erhielt Sibel Kekilli für ihre sehr persönliche Rede gegen einen falsch verstandenen Islam. Es war ihr erstes Engagement für eine gemeinnützige Organisation. Und es war ihr ein besonderes Anliegen. Seit ihrer Filmrolle halten ihr Moslems immer wieder vor, sie hätte den Islam beschmutzt. Dem hält sie ein Zitat des Propheten Mohammed entgegen: „Frauen ähneln Glas. Sie sind von besonders feiner Beschaffenheit und dürfen nicht grob behandelt werden.“ Stattdessen sollten im Verständnis des islamischen Fundamentalismus Frauen nur zweimal im Leben das Haus verlassen: „Wenn sie aus dem Elternhaus in das Heim des Gatten geht und wenn sie aus dem Haus getragen wird, um begraben zu werden“, so Sibel Kekilli in ihrer Rede. Sie wünschte TERRE DES FEMMES zahlreiche StifterInnen, damit der Verein möglichst vielen Frauen helfen kann.

Die Erst-Stifterin Helena Hartmann erläuterte stellvertretend für die StifterInnen, was sie zu ihrem Engagement bewog. Sie alle wollten ein lebendiges Denkmal setzen: „Kraftvoll und stark soll sich für Mädchen und Frauen eingesetzt werden, die, wo und wie auch immer, unter körperlicher, geistiger und seelischer Gewalt zu leiden haben.“ Ute Vogt, parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesminister des Innern und stellvertretende Vorsitzende der SPD Deutschland, lobte den Verein in ihrer Rede dafür, dass er sich unbequemen Themen stellt und Tabus anpackt. Zum Beispiel beim Einsatz gegen Zwangsheirat.

Die Stiftungsurkunde überreichte der Tübinger Regierungspräsident Hubert Wicker. Die MusiComedy der 'Queens of Spleens' wurde begeistert aufgenommen. Das Frankfurter Duo Conny Webs und Claudia Brendler hatte mit Auszügen aus den Programmen „Lust-Spiele“ und „Volle Dröhnung“ nach dem Büffet den richtigen Ton getroffen. Conny Webs bezeichnet es als „subtile Frauenpolitik“, wenn Claudia Brendler auf der Bühne beim Vortrag der Country-Schnulze „Stand by your man“ dahin schmilzt, während sie selbst nebenher eine Freundin tröstet, die sie per Handy um Hilfe gegen ihren prügelnden Freund bittet. Besonders gut kam auch der Syrtaki an, den die beiden, hintereinander stehend, 4-händig auf einer Gitarre spielten.

Den Abschluss der Gala bildete eine Lied-Auktion. Für 2 Euro konnten die Gäste aus einer Liste ein Lied wählen, das die 'Frank J. Büttler Entertainment Company' für sie spielen sollte. Die Aktion brachte weitere 500 Euro für die Stiftung.

TERRE DES FEMMES setzt sich seit über 20 Jahren für Frauenrechte weltweit ein und befasst sich mit Themen wie weibliche Genitalverstümmelung, Zwangsheirat und häuslicher Gewalt. Im November dieses Jahres startet die Kampagne gegen Verbrechen im Namen der Ehre. Die TERRE DES FEMMES Stiftung ist eine Förderstiftung, deren Erträge direkt in die Projekt- und Aufklärungsarbeit des Vereins fließen. Mit einer Stiftungseinlage von mindestens 3.000 Euro kann man sich als ZustifterIn beteiligen. „Das Geld ist gut angelegt. Sie bestätigen Mädchen und Frauen darin, dass sie ein Recht darauf haben, ihr eigenes Leben zu leben. Und laut Statistik lockt eine weitere Belohnung: Menschen, die gerne stiften, leben fünf bis sieben Jahre länger“, so Christa Stolle.

Weitere Informationen zur Stiftung bei:
TERRE DES FEMMES e. V.
Christa Stolle
PF 2565, 72015 Tübingen
Tel.: 07071/7973-0
Fax: 07071/7973-22
E-Mail: geschaeftsfuehrung@frauenrechte.de