02.11.2004:„NEIN zu Verbrechen im Namen der Ehre“: TERRE DES FEMMES startet bundesweite Kampagne

Die Fahnenaktion geht weiter: in über 800 Städten werden Fahnen zum internationalen Tag „NEIN zu Gewalt an Frauen“ gehisst.

Am 25. November 2004 wird die erstmals zweijährige Jahreskampagne von TERRE DES FEMMES mit einer Auftaktveranstaltung im Haus der Geschichte in Bonn eröffnet.

Jährlich sterben Tausende von Mädchen und Frauen im Namen der Ehre. Sie werden von männlichen Familienmitgliedern gesteinigt, mit Säure übergossen, überfahren oder auf andere grausame Art ermordet. Der Grund: Sie haben sich nicht gemäß ihrer traditionellen Rolle als Frau verhalten und somit die Ehre des Mannes bzw. der gesamten Familie verletzt. Aber auch Unterdrückung, Misshandlung, Zwangsheirat und Verstoßung von Mädchen und Frauen, so Geschäftsführerin Christa Stolle, sind in patriarchalischen Gesellschaften weit verbreitet, um die Ehre zu bewahren oder wiederherzustellen. „Die Ehre ist häufig mehr wert als das Leben einer Frau.“

Ziel der Kampagne ist es, diese schweren Menschenrechtsverletzungen ins öffentliche Bewußtsein zu rücken. Denn auch in Deutschland werden Mädchen und Frauen im Namen der Ehre physisch und psychisch unterdrückt oder sogar ermordet. So müssen u. a. bestehende Integrationsmaßnahmen verbessert werden. Lale Akgün, stellvertretende migrationspolitische Sprecherin, äußert sich hierzu: „Durch Migranten begangene Ehrenmorde sind auch ein Ausdruck gescheiterter Integration - und damit ein Armutszeugnis für die Mehrheitsgesellschaft“. Weiterhin müssen spezielle Beratungsstellen und Zufluchtsorte geschaffen und diejenigen geschult werden, die mit Betroffenen arbeiten.

Im Rahmen der Kampagne soll aber auch eine Prävention auf internationaler Ebene durch Gesetzesänderungen und internationale Ächtung angestrebt sowie die Voraussetzungen in die Wege geleiten werden, dass Täter eines Ehrverbrechens angemessen verurteilt werden.

Während der Kampagne wird neben der geplanten Öffentlichkeitsarbeit eine von TERRE DES FEMMES konzipierte Wanderausstellung zwei Jahre durch Deutschland touren sowie das Theaterstück „Savage Rose“ (Wilde Rose) in unterschiedlichen Städten aufgeführt werden.

Der 25. November ist der Internationale Tag „NEIN zu Gewalt an Frauen“, der im Gedenken an den gewaltsamen Tod der Schwestern Mirabal ins Leben gerufen wurde. Die Mirabalschwestern wurden am 25. November 1960 vom militärischen Geheimdienst der Dominikanischen Republik nach monatelanger Folter ermordet.

Am 25.11. werden in diesem Jahr zum vierten Mal in ganz Deutschland die Fahnen von TERRE DES FEMMES unter dem Motto „NEIN zu Gewalt an Frauen“ gehisst.

Die Auftaktveranstaltung der neuen Kampagne findet unter der Schirmherrschaft der Stadt Bonn am 25.11.2004 um 19.00 Uhr im Haus der Geschichte in Bonn statt. Lisa Ortgies (WDR, Frau TV) moderiert die Podiumsdiskussion, an der internationale Gäste wie Rana Husseini (jordanische Journalistin), Birim Bayam (Papatya), Lale Akgün (SPD), Fatma Bläser (Autorin), Ulrich Borchers (Polizei Celle) und Myria Böhmecke (TERRE DES FEMMES) teilnehmen. Anschließend wird das Theaterstücks „Savage Rose“ Premiere haben, welches von der Interkulturellen Bühne Frankfurt aufgeführt wird.

Nähere Informationen erhalten Sie bei:
TERRE DES FEMMES, Myria Böhmecke, Tel. 07071/79 73-0,
E-Mail: eilaktion@frauenrechte.de