Treffen mit Intact Denmark in Berlin

v.l.n.r.: Gislinde Nauy (TDF Mitfrau), Lena Nyhus (Vorsitzende INTACT Denmark), Güray Baba (INTACT Denmark), Linn Fabricius Dyg (INTACT Denmark). Foto: © Gislinde Nauy v.l.n.r.: Gislinde Nauy (TDF Mitfrau), Lena Nyhus (Vorsitzende INTACT Denmark), Güray Baba (INTACT Denmark), Linn Fabricius Dyg (INTACT Denmark). Foto: © Gislinde Nauy Vom 7. bis 9. Oktober 2018 gab es in Berlin ein Austausch-Treffen zwischen Intact Denmark, MOGiS e.V. Projekt 100% MENSCH, und TERRE DES FEMMES. Thema waren vor allem die Gesetzesinitiativen zur genitalen Autonomie und dem Verbot von Genitalverstümmelung an Kindern jeden Geschlechts (weiblich, männlich, intersexuell) in Dänemark und Island. Mitfrau Gislinde Nauy (AG „Weibliche Genitalverstümmelung“) nahm an dem Treffen teil.

Anfang 2018 hatte Intact Denmark einen Gesetzentwurf zur Einführung eines geschlechtsunabhängigen Mindestalters von 18 Jahren für die medizinisch nicht indizierte Beschneidung entwickelt. 50.000 Unterschriften waren notwendig, um das dänische Parlament damit betrauen zu können. Nachdem diese gesammelt waren, wurde der Entwurf zunächst auf Verfassungs-Konformität geprüft. Die Prüfung verlief positiv, das Gesetz wird nun in diversen Komitees und Ausschüssen behandelt. Wenn es schlussendlich vom Parlament verabschiedet werden sollte, wäre dies ein großer Schritt für Kinderrechte und gegen Genitalverstümmelung. Dänemark wäre das erste Land weltweit, das nicht-therapeutische Eingriffe an den Genitalien von Kindern unabhängig vom Geschlecht per Gesetz verbietet. Damit wird jedwedem Versuch, verschiedene Praktiken unterschiedlich zu bewerten und Lücken im gesetzlich verankerten Kinderschutz zu schaffen, entgegen gewirkt. Denn: wo schon nicht mehr nach Geschlecht relativiert wird, gibt es keine Möglichkeit mehr, über „kleine Schnitte“ oder „akzeptable Methoden“ zu sprechen – wie es etwa in einigen asiatischen Ländern aktuell durch die Medikalisierung von FGM praktiziert wird.

In Island stellten Parlamentarier unterschiedlicher Parteien ebenfalls Anfang diesen Jahres einen sehr ähnlichen Gesetzentwurf zur Diskussion: das bereits bestehende Verbot von „Weiblicher Genitalverstümmlung“ soll geschlechtsneutral formuliert werden und somit auch Jungen und intersexuelle Kinder einschließen. Auch dort geht der Entwurf gerade durch diverse Gremien. Es bleibt spannend, ob Dänemark oder Island hier das Rennen machen werden. Fakt ist aber in jedem Fall: sobald eines dieser beiden skandinavischen Länder ein solches Gesetz verabschiedet, wird in Europa ein neuer Höchst-Standard von Kinderrechten gesetzt. Weitere Länder könnten nachziehen und nicht zuletzt würde durch diese Gesetzgebungsverfahren das Thema der genitalen Autonomie auch in all diesen Ländern in den Medien angesprochen und diskutiert – eine weitere Möglichkeit, aufzuklären, zu informieren und auf diese Weise viele derzeit von FGM bedrohte Mädchen und Frauen zu schützen.

Am Ende langer und intensiver Gespräche kamen alle zu dem Schluss, dass es einen gemeinsamen (offenen) Brief der drei Vereine (MOGiS e.V. Projekt 100% MENSCH, und TERRE DES FEMMES) an das dänische Parlament geben sollte. Nach Island wurde ein solches Schreiben bereits im März gesendet. Nun, da klar ist, dass es auch in Dänemark an den Parlamentarier*innen ist, darüber zu diskutieren, kann ein solcher Vorstoß sehr nützlich sein.

Die Vorsitzende von Intact Denmark, Lena Nyhus, zeigte sich besonders begeistert darüber, soviel Zuspruch und Unterstützung von einer großen Frauenrechtsorganisation zu bekommen.

 

 

Stand: 10/2018

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