„Ich lerne eine Menge!“ – das vierte CONNECT-Gruppentreffen 2018

Die engagierten Patinnen mit TDF-Referentin Désirée Birri (Mitte). Foto: © TERRE DES FEMMESDie engagierten Patinnen mit TDF-Referentin Désirée Birri (Mitte). Foto: © TERRE DES FEMMESPassend zum 5. Dezember 2018, dem Tag des Ehrenamts, hat TERRE DES FEMMES Patinnen aus allen fünf Zyklen in die Bundesgeschäftsstelle eingeladen. Die vorweihnachtliche Atmosphäre sorgte für einen entspannten, aber auch angeregten Austausch untereinander und natürlich auch mit dem CONNECT-Team, bestehend aus Désirée Birri und Viviane Clemens.

Bereits in der anfänglichen Gesprächsrunde wurde deutlich, dass nicht nur die Patinnen selbst sehr unterschiedlich sind. Auch ihre Tandems verlaufen ganz unterschiedlich. Doch auch wenn die Tandems in vielerlei Hinsicht nicht verglichen werden können, machen viele Patinnen ähnliche Erfahrungen.

„Es ist ihr Leben. Das einzige, was man tun kann, ist sie darin zu unterstützen.“

Im schlimmsten Fall klaffen innerhalb eines Tandems die Ansichten darüber auseinander, was am besten für die Tandempartnerin ist. Dies kann ernsthaftes Unverständnis auf beiden Seiten hervorbringen. Oder bloß, wie im Fall von Lea und Luwam, harmlosere, fast schon unterhaltsame Folgen haben. So hatte Lea ihrer Tandempartnerin Luwam aufgrund der Größe ihres Badezimmers zu einer kleinen Waschmaschine geraten. Später musste sie jedoch feststellen, dass sich Luwam – entgegen ihres Ratschlags – eine riesige Waschmaschine gekauft hat, die nun in der Mitte des Badezimmers steht und dieses vollkommen ausfüllt.

Ebenso wie Lea mussten alle Patinnen auf die ein oder andere Weise lernen, ihr Gegenüber als eigenständige, selbstbestimmte und freie Frau anzuerkennen und andere Sichtweisen zu akzeptieren. Anna hat das sehr gut zusammengefasst: „Es ist ihr Leben. Das einzige, was man tun kann, ist sie darin zu unterstützen.“

„Können sich Geflüchtete verschulden?“

Besonderer Unterstützung bedürfen die geflüchteten Frauen vor allem in Hinblick auf ihre Finanzen. Fernab der Heimat und ohne bzw. mit geringen Deutschkenntnissen können vermeintlich einfache Handlungen, wie das Abschließen eines Handyvertrags, plötzlich große Herausforderungen darstellen und schwerwiegende Folgen mit sich bringen. Denn auch Geflüchtete können sich verschulden. Dementsprechend ist es äußerst wichtig, dass die CONNECT-Patinnen ihren Tandempartnerinnen mit Tipps zur Seite stehen: Ein Vertrag sollte nur unterschrieben werden, wenn er verstanden wird und die Rahmenbedingungen wie Laufdauer und Kündigungsfrist klar sind. Auch sollte für eventuelle Abbuchungen immer etwas Geld auf dem Konto sein. Um das Ganze anschaulicher zu gestalten und den verantwortungsvollen Umgang mit Geld zu erleichtern, kann es außerdem sinnvoll sein, der Tandempartnerin die eigenen monatlichen Ausgaben vorzurechnen. In schwerwiegenden Fällen bietet der Weg zur Schuldnerberatung eine Lösung.

Kostenlose Freizeitaktivitäten

Die finanzielle Situation der geflüchteten Frauen beeinflusst nicht nur ihr eigenes Leben, sondern auch die Patinnenschaft. Viele Aktivitäten kommen aus Kostengründen nicht in Frage. Ein zentrales Thema unseres Gruppentreffens war daher kostenlose Aktivitäten in Berlin.

Begeistert erzählte uns Hildegard von dem Verein #BIKEYGEES e.V., der einmal im Monat kostenlosen Radfahrunterricht für Frauen und Mädchen ab 14 Jahren anbietet. Auf Wunsch ihrer Tandempartnerin Rokiatou, die Fahrradfahren lernen wollte, hat Hildegard sie zu einem Training begleitet. Nicht nur für Rokiatou, sondern auch für Hildegard war es ein tolles Erlebnis. Hautnah konnte sie den empowernden Effekt dieser für uns so alltäglichen Tätigkeit sehen. Laut Hildegard sagten die Augen der Teilnehmerinnen: „Ich bin stolz. Ich bin glücklich. Ich habe das allein geschafft.“

Der Verein Lowkick e.V., mit dem wir im September einen Selbstverteidigungskurs veranstaltet haben, bietet für geflüchtete Frauen und Mädchen kostenlos Trainings in den Bereichen Selbstverteidigung und Thai-/Kickboxen. Die Termine sind in Albanisch, Arabisch, Deutsch, Englisch, Farsi, Französisch, Russisch, Serbokroatisch, Tigrinja und Urdu auf der Website zu finden.

Neben dem Frauenkochen, an dem mehrere Tandems im November teilgenommen haben, organisiert der Verein Über den Tellerrand e.V. auch Kinoabende und Sprachcafés. Alle Veranstaltungen sind kostenfrei. Für die offenen Kochevents und Kinoabende sollte man sich jedoch vorab per E-Mail anmelden. Die bevorstehenden Termine findet man auf Facebook.

Im Babylon am Rosa-Luxemburg-Platz können jeden Mittwoch um 11 Uhr aktuelle Kinofilme in kindgerechtem Ambiente anschauen, während ihre Babys auf der mitgebrachten Decke liegen oder krabbeln. Die Filme werden bei verminderter Lautstärke vorgeführt; der Eintritt kostet 9 Euro pro (erwachsener) Person.

Erfolgsmomente

Neben all diesen Themen war auch ausreichend Zeit, noch schöne Momente miteinander zu teilen. Stolz zeigte uns Angelika Fotos von ihrem „afghanisch-deutschen Gemeinschaftsprojekt“: Zusammen mit der Tochter ihrer Tandempartnerin hat sie vor wenigen Wochen Chili-Samen gepflanzt. Ein befreundeter Gärtner sagte ihr, dass jetzt die völlig falsche Jahreszeit zum Pflanzen sei. Nun sind erste Triebe zu sehen – die sie fotografisch festgehalten hat. Hildegard wiederum findet es toll, dass ihre Tandempartnerin Fußball spielt und auch sonst viel unterwegs ist. Trotz der schwierigen Wohnsituation in Berlin hat Leas Tandempartnerin Luwam endlich eine eigene Wohnung gefunden.

An dieser Stelle möchten wir uns noch einmal ganz herzlich bei allen Patinnen für ihr Durchhaltevermögen und ihr tolles Engagement bedanken. Behördengänge, Wohnungssuche und Sprachschwierigkeiten sind nur einige Herausforderungen, die die Tandems meistern müssen. Dass sie immer wieder mit neuen Situationen konfrontiert werden, hat jedoch auch seine positiven Seiten: „Ich lerne eine Menge“, sagte Franzi lachend.

 

Stand: 12/2018

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