„Ich bin über meine eigene Kraft überrascht!“ – Bericht von einem sehr empowernden Selbstverteidigungskurs für die CONNECT-Tandems

Am 22. September 2018 richtete das CONNECT-Team, bestehend aus Désirée Birri und Vera Weithas, in Zusammenarbeit mit Lorrie Janßen von Lowkick e. V. einen Selbstverteidigungskurs für die Patinnen und ihre geflüchteten Tandempartnerinnen aus.

Bei Lowkick e. V. handelt es sich um einen feministischen Kampfsportverein in Berlin-Kreuzberg. Besonders wichtig ist dem Verein, eine angenehme und respektvolle Trainingsatmosphäre für Mädchen und Frauen zu schaffen. Noch bevor der Kurs startete, fragte eine geflüchtete Frau, ob auch Männer in den Räumlichkeiten trainierten. Als dies verneint wurde, entschied sie sich spontan dazu, ihr Kopftuch abzulegen, um freier und unbeschwerter am Selbstverteidigungskurs teilnehmen zu können.

Die CONNECT-TandempartnerInnen mit Team beim Training @Lowkick e. V. Foto: © TERRE DES FEMMESDie CONNECT-TandempartnerInnen mit Team beim Training @Lowkick e. V. Foto: © TERRE DES FEMMES

„Darf ich dich schubsen?“

Nach einer Vorstellungsrunde und einer kurzen Aufwärmphase, wurde in der ersten Übung an der Haltung und Atmung gearbeitet, da diese wesentlich für einen festen Stand sind. Nachdem alle versicherten, dass Lorrie sie „schubsen“ dürfe, gab sie den Teilnehmerinnen nacheinander einen leichten Stoß, um so die Standfestigkeit zu testen und Tipps zu geben, wie man sich noch sicherer positionieren kann.

 

In einem nächsten Schritt wurde die Stimme miteinbezogen und Stopp- bzw. Nein-Sagen geübt. Es wurde reflektiert, wie man am besten Hilfe holen bzw. auf sich aufmerksam machen kann. Lorrie empfahl, Täter immer zu siezen, da so vorbeigehenden PassantInnen signalisiert wird, dass man den Täter nicht kennt und die Auseinandersetzung nicht als Familien- oder Beziehungsstreit fehlinterpretiert wird. Zudem solle man Personen direkt ansprechen: „Sie im roten T-Shirt, bitte helfen Sie mir!“. Im Zweifelsfall helfe es, „Feuer!“ zu rufen.

Jeder Mensch habe ein anderes Gefühl für Nähe und Distanz. Wichtig sei, dass der eigene Raum behauptet wird. Deshalb übte Lorrie mit den Teilnehmerinnen, wie man den Raum einnehmen kann, den man braucht, um sich wohlzufühlen. Dafür stellten sich die Teilnehmerinnen in zwei Reihen auf. Bei einem Zeichen ging die eine Reihe auf die andere zu. Die stillstehende Reihe sollte mit einem Handzeichen und einem entscheidenden „Stopp!“ die anderen dabei aufhalten, in den eigenen Raum einzutreten. Wie verschieden die Komfortzonen ausfallen können, wurde bei dieser Übung eindrücklich demonstriert: Während der eingeforderte Abstand bei einigen über zwei Meter betrug, hatten andere weitaus weniger Berührungsängste.

„Positive Energie“

Die CONNECT-TandempartnerInnen mit Team in Aktion: beim Training  beim Tritt- und Schlagtraining @Lowkick e. V. Foto: © TERRE DES FEMMESDie CONNECT-TandempartnerInnen mit Team in Aktion: beim Training beim Tritt- und Schlagtraining @Lowkick e. V. Foto: © TERRE DES FEMMESIm zweiten Teil des Kurses gingen die Teilnehmerinnen dazu über, aktiv Selbstverteidigung anzuwenden. Neben einfachen und effektiven Schlägen und Tritten wurde die Befreiung aus Festhaltegriffen geübt. Zu guter Letzt konnten sich die Teilnehmerinnen noch einmal richtig auspowern. Bei lauter Musik wurden Sandsäcke geohrfeigt und Kissen mit Tritten bearbeitet.

In der Abschlussrunde wurden schließlich nochmals Erfahrungen ausgetauscht und gemeinsam über den Kurs reflektiert. Viele erzählten, wie sie sich und ihren Körper im Kurs besser kennengelernt haben. „Ich bin über meine eigene Kraft überrascht!“, sagte eine Teilnehmerin. Eine andere nehme viele Impulse in den Alltag mit. Viele fühlten sich „sicherer“. Eine geflüchtete Frau bedankte sich lächelnd für die „positive Energie“, die sie während des gesamten Kurses gespürt hatte. Lorrie sagte, sie könne bereits positive Veränderungen beobachten. So verwandelte sich das verzagte, leise „Halt!“ bei vielen Teilnehmerinnen über wenige Stunden zu einem energischen und bestimmenden „HALT!“. Ein besseres Indiz für eine geglückte, empowernde Aktivität gibt es wohl kaum!

 

Stand 10/2018

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