Volles Haus und großes Interesse bei Premiere des Erklär-Films „Gleichberechtigt leben in Deutschland“

Filmpremiere. Foto: © TERRE DES FEMMES, Johanna MartinsohnIm Vorfeld des Internationalen Frauentages am 8. März hatte TERRE DES FEMMES am 6. März 2018 zur Premiere des Erklär-Films „Gleichberechtigt leben in Deutschland“ ins Kino CineStar in der Kulturbrauerei in Berlin eingeladen. Christa Stolle, Bundesgeschäftsführerin von TERRE DES FEMMES, hat in einer bewegenden Eröffnungsrede die über 150 Gäste begrüßt und über die aktuellen Hürden der Integrationsarbeit berichtet. Sie stellte dar, warum TERRE DES FEMMES mit dem Erklär-Film einen wichtigen Beitrag für eine gelingende Integration, allen voran geflüchteter Mädchen und Frauen leistet. Christa Stolle bedankte sich insbesondere bei der IG BCE (Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie), die den Erklär-Film finanziert hat und bat Marion Hackenthal, Leiterin der IG-BCE-Frauenabteilung auf die Bühne. Marion Hackenthal gratulierte TERRE DES FEMMES zu dem beeindruckenden Film-Ergebnis und betonte, wie wichtig es sei, Frauenrechtsprojekte zu fördern. Sie arbeite mit ihrer Organisation selbst täglich daran, die Gleichberechtigung von Frauen und Männern am Arbeitsplatz und in der Arbeitswelt voran zu treiben.

Im Anschluss hatte der Erklär-Film „Gleichberechtigt leben in Deutschland“ (deutsche Version) auf der Kinoleinwand Premiere. Den Film gibt es zum Download auf dem YouTube-Kanal von TERRE DES FEMMES auf Deutsch, Englisch und Arabisch.

“Die Frauen können sich zurückziehen und ganz allein für sich den Film immer und immer wieder abspielen”

Christa Stolle während ihrer Rede. Foto: © TERRE DES FEMMES, Johanna MartinsohnChrista Stolle während ihrer Rede.
Foto: © TERRE DES FEMMES, Johanna Martinsohn
Im anschließenden Making-of-Gespräch, moderiert von Inge Bell, stellvertretende Vorstandsvorsitzende von TDF, erzählten Naïla Chikhi (TERRE DES FEMMES- Referentin Projekt CONNECT) und Miriam Barton (Illustratorin) auf welche Probleme und Hürden sie während der Filmentwicklung gestoßen sind. Der Erklär-Film basiert auf dem von TERRE DES FEMMES und Miriam Barton entwickelten Informationsflyer für geflüchtete Frauen und Mädchen (erhältlich in neun verschiedenen Sprachen). Während der visuellen Gestaltungsphase hatte TERRE DES FEMMES geflüchtete Frauen unterschiedlicher Nationalitäten miteinbezogen. Kleine Details, die die Illustratorin einfügen wollte, um das Setting des Erklär-Films lebendiger zu gestalten, hatten die unterschiedlichsten Reaktionen hervorgerufen, berichtete Miriam Barton. Als Beispiel nannte sie eine Szenengestaltung, in der sie einen Apfel auf den Tisch gezeichnet hatte, um häusliche Atmosphäre zu erzeugen. Zwei geflüchtete Frauen fragten daraufhin, ob die Protagonistin kein Geld für eine Schüssel hätte.

Naïla Chikhi, die Synchronsprecherin für die deutsche Version ist, ist sehr stolz auf den Erklär-Film. Schon der Flyer ermöglicht Frauen, sich gut zu informieren und da er nur DIN A6 groß ist, können Frauen und Mädchen diesen gut und schnell in die Tasche stecken und bei sich tragen, wie Chikhi anschaulich demonstrierte. Der Erklär-Film ermöglicht es den Mädchen und Frauen, die wichtigen Informationen auf ihrem Smartphone, wann immer sie die Möglichkeit haben, immer und immer wieder anzuschauen und ihn mit einem Klick an Freundinnen und Bekannte weiterzuleiten. Außerdem hilft die deutsche Version des Films, so erhofft es sich TERRE DES FEMMES-Referentin Naïla Chikhi für die Geflüchteten, das ein oder andere deutsche Wort zu lernen.

Integration: Hier geht´s lang

Der zweite Film, der am Premierenabend gezeigt wurde, umfasste ein Best Of aus verschiedenen Folgen der Produktionen von R.future-TV. Humorvoll und spielerisch zeigen diese Filme verschiedene geflüchtete junge Männer, die sich in der Diskussion mit Menschenrechten und Werten in Deutschland beschäftigen. Die Meinungen reichen von bedingungsloser Zustimmung zur Gleichberechtigung bis hin zu der Kenntnis der Gesetze, die jedoch im privaten Umfeld nicht akzeptabel seien. Der Filmzusammenschnitt leitete die anschließende Podiumsdiskussion ein, die von Vorstandsfrau Inge Bell geführt wurde. Im Fokus stand das Thema „Wertevermittlung“.

,,Die Würde des Mannes ist die Frau”

Am Podium nahmen teil: Sylvia Edler, Gleichstellungsbeauftragte in Neukölln, Sami Alkomi , Mitproduzent von R.future-TV, Saad Yohana Kolani, ein aus dem Irak geflüchteter Journalist und Produzent sowie TDF-Referentin Naïla Chikhi. Die TeilnehmerInnen diskutierten über die Bedeutung und Notwendigkeit einer Wertevermittlung in Deutschland und die Probleme, die vorhanden sind oder entstehen.

Auf die Frage wie die geflüchteten jungen Männer auf die Folgen von R.future-TV reagieren und ob der Inhalt bisher Wirkung gezeigt hat, erzählte Sami Alkomi von einem jungen Mann, der seine Frau in Syrien anrief und ihr sagte: “Du musst mich nicht mehr anrufen und fragen ob du das Haus verlassen darfst. Du darfst das auch ohne meine Erlaubnis.”

v.l.n.r. Sami Alkomi, Saad Kolani, Marion Hackenthal, Inge Bell, Miriam Barton, Sylvia Edler, Naila Chikhi, Christa Stolle, XXX (Grafikerin Flyer). Foto: © TERRE DES FEMMES, Fotografin: Johanna Martinsohnv.l.n.r. Sami Alkomi, Saad Kolani, Marion Hackenthal, Inge Bell, Miriam Barton, Sylvia Edler, Naila Chikhi, Christa Stolle, Heike Preuß (Grafikerin Flyer). Foto: © TERRE DES FEMMES, Johanna MartinsohnSaad Yohana Kolani beschrieb, dass das deutsche demokratische Gesellschaftssystem Menschen den Freiraum gebe, über sich selbst zu bestimmen: „Alle Menschen sind in Deutschland geschützt, egal ob jung oder alt“. Der ehemalige Journalist hat selbst Kinder und fordert, dass die Werte die in Deutschland gelebt werden, von allen uneingeschränkt akzeptiert werden müssen.

Moderatorin Inge Bell erkundigte sich bei der Gleichstellungsbeauftragen des Bezirks Berlin-Neukölln, Sylvia Edler, die sich häufig in ihren Projekten mit häuslicher und sexualisierter Gewalt beschäftigt hat, wie sie den Erklär-Film in ihren Projekten zum Einsatz bringen wird. Für die Gleichstellungsbeauftragte ist klar, dass der Erklär-Film flächendeckend verbreitet werden muss. Und kündigte an, ihn bei all ihren relevanten Projekten einzusetzen, als nächstes etwa bei der „Womens Welcome Bridge“ zu posten und zu Beginn des Rechtsstaat-Unterrichts für Geflüchtete zeigen zu wollen. Außerdem berichtete Sylvia Edler über die Frauentreffs, die es in den Flüchtlingseinrichtungen gibt und gute Orte seien, um den Film zu zeigen. Sie betonte, dass die einzige Kommunikationsquelle zur Familie in die Heimat das Handy sei, weswegen die Wahl des Mediums „Film“ eine sehr gute Wahl ist. So kann der Film ganz einfach und sehr schnell in andere Länder und Regionen verbreitet werden.

TDF-Referentin Naïla Chikhi berichtete, dass sie mit vielen geflüchteten Frauen Rücksprache hielt um alle Themen, die sie betreffen, miteinzubringen. So kam auch das Thema Genitalverstümmlung (FGM) in den Film – da viele Geflüchtete aus Eritrea, Somalia oder Äthiopien stammten, wo FGM weit verbreitet ist. Naïla Chikhi erhofft sich durch die häufige Nutzung der sozialen Medien mehr Frauen erreichen zu können und diese dazu zu ermutigen, sich bei Unrecht zu wehren und ein gleichberechtigtes, selbstbestimmtes und freies Leben zu führen.

Inge Bell fragte Saad Yohana Kolani wie wichtig es sei den Neuankömmlingen das in Deutschland gelebte Wertesystem nahe zu bringen. Saad Yohana Kolani berichtete, die Frauen in seinem Land seien die Schwachstellen der Männer: “Wenn du die Religion verlässt, wird deine Frau vergewaltigt, wenn du den Stamm verlässt, passiert deiner Tochter oder deiner Schwester etwas. Wenn du aber tötest oder stiehlst ist das kein Problem. Die Ehre des Mannes ist mit der Frau verbunden. Sie ist die Würde des Mannes.” Deshalb sei es besonders wichtig, allen Neuankömmlingen die in Deutschland gelebten Werte zu vermitteln.

v.l.n.r. Christa Stolle, Karin Bergdoll, Line Göttke, Sina Tonk, Naila Chikhi. Foto: © TERRE DES FEMMES, Johanna Martinsohnv.l.n.r. Christa Stolle, Karin Bergdoll, Sybill Schulz, Line Göttke, Sina Tonk, Naila Chikhi.
Foto: © TERRE DES FEMMES, Johanna Martinsohn
Sami Alkomi brachte ein, dass die Vermittlung der Werte nicht immer leicht ist, aber dass unbedingt sofort damit begonnen werden muss. Als nächstes möchte R.future-TV sich mit dem Thema Gewalt auseinandersetzen, denn, so Alkomi: „Das Bild des Mannes in der arabischen Welt fordert ihn ständig auf zu handeln, gewalttätig zu sein. Wenn er nicht handelt und Gewalt ausübt, löst er den Schutzraum für seine Ehefrau, seine Töchter und Schwestern auf“.

Gegen Ende der Podiumsdiskussion berichtete Naïla Chikhi über das TDF CONNECT-Patinnenprogramm und zu den Erfolgen der Erklär-Flyer. So erkundigte sich eine der geflüchteten Frauen nach mehr Informationen um einer anderen Frau, die von häuslicher Gewalt betroffen war, zu helfen.
 

Zum Abschluss der Podiumsdiskussion zeigte TERRE DES FEMMS den Erklär-Film noch einmal – diesmal auf Arabisch. Als kleines Dankeschön ging an die TeilnehmerInnen noch das mit einem Zitat von Christa Stolle beworbene Buch: “Viva la Vagina”.

Beim anschließenden Empfang bekam TERRE DES FEMMES ausschließlich positives und inspirierendes Feedback zur Idee des Erklär-Films. Viele der Gäste erklärten sich spontan motiviert, den Erklär-Film zu verbreiten und einzusetzen.

Danksagung

Wir möchten uns sehr herzlich bei Inge Bell für die tolle und einfühlsame Moderation bedanken, sowie bei Miriam Barton für die mit Liebe gezeichneten Illustrationen, bei Sylvia Edler, Sami Alkomi, Saad Yohana Kolani und Naïla Chikhi für die anregende Diskussion. Unser besonderer Dank geht an die IG BCE, vertreten durch Marion Hackenthal, ohne deren Projektfinanzierung wir diesen Erklär-Film nicht hätten umsetzen können. Außerdem möchten wir uns bei den zahlreichen Gästen und allen TDF HelferInnen bedanken ohne die das Event nicht so bunt und gelungen geworden wäre.

 

Stand 03/2018

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