Einblick in unser Empowerment-Projekt mit geflüchteten Frauen

Frauentreff. Foto: © TERRE DES FEMMESFrauentreff. Foto: © TERRE DES FEMMESIm September 2017 begann das Projekt „Frauentreff“ zwischen Geflüchteten Frauen der Marburger Straße, Berlin-Charlottenburg und TERRE DES FEMMES Mitarbeiterinnen. Grundlegend geht es hier um einen Austausch untereinander, denn trotz Sprach- und Integrationskursen bleibt Deutschland einigen Frauen in vielerlei Hinsicht fremd. Dr. Abir Mawas und Christin Kuhne, die das Treffen arrangieren, ist es wichtig im Dialog über Probleme, Rechte und auch Gepflogenheiten zu sprechen.

Tägliche Probleme kreisen sich oftmals um die Kinder der Frauen. Aufgrund der steigenden Einwohnerzahl Berlins und des Pädagogenmangels fehlt es im Land an Kita- und Schulplätzen. Ein 9-jähriger musste sich lang in Geduld üben, aber seine Mutter berichtete uns letzte Woche erleichtert, dass er nach langem Warten nun endlich einen Schulplatz bekommen hat. Den meisten ist nicht bekannt, dass sich die Eltern um die Schulbildung ihrer Kinder kümmern müssen. Abir erklärt den Müttern, dass ganz besonders Elternabende und ähnliche Schulveranstaltung von den Eltern wahrgenommen werden müssen, damit sie ihre Kinder bestmöglich unterstützen und somit die Schule gut abschließen können.

Die größte Sorge aller, dreht sich um den Aufenthalt in Deutschland. Vor kurzem haben drei Frauen ihren Abschiebebescheid erhalten. Eine Frau von ihnen kommt aus Ägypten, erzählte den Anwesenden davon, dass ihr Mann politisch verfolgt wird und ihm bei Rückkehr ins Land 10 Jahre Haft drohen. Nina*, 26 Jahre, aus Afghanistan ist mit ihrer einjährigen Tochter allein in Berlin und wartet darauf, dass ihr Mann endlich nachkommen darf. Er befindet sich momentan in Griechenland. Wann, wie und ob mit einem baldigen Wiedersehen gerechnet werden kann, bleibt ungewiss. Ähnliche Lebensumstände schildern die meisten von Ihnen. Die Ungewissheit über ihre Zukunft, aufgrund des unsicheren Aufenthaltstitels zerrt an den Nerven jeder Einzelnen.

Eine Problematik innerhalb der Community der Flüchtlingsunterkunft, beschreibt uns die alleinstehende Mira* aus dem Iran. Sie hat sich in Deutschland gegen das Kopftuch entschieden und muss sich aufgrund dessen viel Kritik anhören. Obwohl die Unterkunft ausschließlich aus Familien und alleinstehenden Frauen besteht, ist der Druck Kopftuch zu tragen, besonders für ledige Frauen enorm.

Da es sich in der Marburger Straße um eine Notunterkunft handelt, leben hier viele Menschen auf engem Raum miteinander. Dies stellt eine zusätzliche Belastung dar. Einige von Ihnen wohnen bereits seit zwei Jahren in der Flüchtlingsunterkunft und beklagen besonders, dass sie hier nicht selber kochen können. Die Esskultur wird in den Herkunftsländern der Frauen groß geschrieben und nimmt deshalb auch einen entsprechend hohen Stellenwert ein. Nach zwei Jahren deutscher Kantinenkost ist das Verlangen nach heimischen Speisen groß. Ein Grund für uns, die Frauen und ihre Kinder zum Essen einzuladen. Gemeinsam verbringen wir ein paar Stunden fernab der Flüchtlingsunterkunft mit orientalischer Küche und Musik. Außerdem kommt uns zu Ohren, dass sich die Frauen gerade deshalb so wohlfühlen, weil das gesamte Personal weiblich ist und keiner von ihnen das Gefühl hat beobachtet zu werden.

An dieser Stelle möchten wir uns erneut herzlich für das Engagement von Frau Rehberg der Heimleitung des Deutschen Roten Kreuzes bedanken, denn auch dieses Projekt wäre ohne ihre Hilfe nicht zu Stande gekommen.

* Name geändert

 

Stand: 10/2017

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