Ereignisse aus dem Jahr 2015

Treffen und Austausch mit entwicklungspolitischen Akteuren

Das Referat für Internationale Zusammenarbeit beteiligte sich in diesem Jahr weiter an wichtigen entwicklungspolitischen Diskussionsrunden. Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) lädt zum Beispiel regelmäßig zu einem Gender-Themen-Team ein. In dieser Runde treffen sich frauenpolitisch orientierte Organisationen aus dem Bereich der Internationalen Zusammenarbeit zum Austausch über aktuelle politische Themen. Dazu gab es reichlich Anlass, denn nicht nur das Europäische Jahr für Entwicklung 2015 spielte eine Rolle, auch die G7- und G20-Treffen unter der Präsidentschaft von Deutschland fanden statt. Darüber hinaus standen das Ablaufen der Milleniumsentwicklungsziele und die Einigung auf die Post-2015-Nachhaltigkeitsziele auf der Agenda.

Auf Vorschlag der Europäischen Kommission erklärten das Europäische Parlament das Jahr 2015 zum Europäischen Jahr für Entwicklung. Das Motto lautete „Unsere Welt, unsere Würde, unsere Zukunft“. Dies war auch der Anlass, dass das Informationsbüro des Europäischen Parlaments mit TERRE DES FEMMES am Internationalen Frauentag gemeinsam zu einer Film-Matinée eingeladen hatte. Mit dem Film „Girl Rising“ und dem Schwerpunkt Mädchenbildung stärken – weltweit! - konnten wir viele Menschen ins Kino locken.

Der Besuch unserer Fachfrau Martine Mbritchè aus Kamerun gab den Anstoß, um beim Abgeordneten Dr. Georg Kippels MdB vom Ausschuss für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung die Frauenrechte in der Internationalen Zusammenarbeit zu stärken.

Christa Stolle, TDF, Dr. Georg Kippels MdB vom Ausschuss für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Martine Mbritchè aus Kamerun und renate Staudenmeyer, TDFChrista Stolle, TDF, Dr. Georg Kippels MdB vom Ausschuss für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Martine Mbritchè aus Kamerun und Renate Staudenmeyer, TDF

Eine Frauenrechtlerin aus dem Sudan hat mehrere Tage bei uns in der Geschäftsstelle hospitiert und wir konnten mit ihr die verschiedenen Facetten der Internationalen Zusammenarbeit sowie unsere jeweiligen feministischen Strategien austauschen.

Im Netzwerk VENRO - Verband entwicklungspolitischer Nichtregierungsorganisationen – sind wir bei der AG Gender dabei. Die Teilnahme an der Jubiläumsfeier "20 Jahre VENRO – Gemeinsam mehr erreichen" bot uns ebenso die Möglichkeit, Kontakte und aktuelle Informationen auszutauschen.

Im Afrika-Haus Berlin haben wir an der Debatte „Gendergerechtigkeit in Afrika“ teilgenommen.

Und weitere Treffen gab es mit KollegInnen von Brot für die Welt, UN Women, Weltfriedensdienst, Plan International, Auswärtigem Amt, mit dem Institut für Auslandsbeziehungen, UN Women, Ärzte ohne Grenzen etc.

Globale Post-2015-Entwicklungsagenda

Die bereits seit 2013/2014 angelaufene Debatte um die Milleniumsentwicklungsziele und ihre Nachfolge-Agenda wurde im Jahr 2015 auf vielen unterschiedlichen Ebenen weitergeführt: staatlich-zivilgesellschaftlich, national-international.

Die Erarbeitung der sogenannten Nachhaltigkeitsziele - Sustainable Development Goals (SDGs) wurde erstmals 2012 auf der Rio+20-Konferenz beschlossen. Unterschiedlichste AkteurInnen, vor allem auch der Zivilgesellschaft wurden in die Formulierung der Ziele mit eingebunden. Die Agenda „Transforming the World: The 2030 Agenda for Sustainable Development“ ist im September 2015 auf dem UN Gipfel zu Nachhaltiger Entwicklung verabschiedet worden und tritt ab Januar 2016 in Kraft. Die SDGs setzen sich zusammen aus 17 Entwicklungszielen mit 169 Unterzielen. Sie zielen darauf ab, extreme Armut zu beenden, Ungleichheit und Ungerechtigkeit abzuschaffen, sowie die Umwelt zu schützen. Wie schon am Namen zu erkennen, soll nun weniger der Entwicklungsaspekt, als vielmehr Nachhaltigkeit im Zentrum stehen. Während die vorherigen Milleniumsentwicklungsziele in der Praxis nur für Länder des Globalen Südens gedacht waren, richten sich erstmalig die SDGs universell an alle Länder. Diese Agenda stellt ein weltweites Rahmenwerk für unsere globale Entwicklung dar, dessen Ziele 2015-2030 erfüllt sein sollen.

Feministische Organisationen wie die Women’s Major Group sehen ein großes Potential in den SDGs, wenn sie so umgesetzt werden, wie sie auf dem Papier stehen. Dazu müssen nun ausreichend finanzielle Ressourcen zur Verfügung gestellt werden. Positiv hervorgehoben wird vor allem, dass die Gleichheit der Geschlechter als Voraussetzung für die Erfüllung der anderen Ziele angesehen wird. Die Women’s Major Group begrüßen außerdem, dass es ein eigenständiges Ziel zur Erreichung von Geschlechtergerechtigkeit und dem Empowerment von Mädchen und Frauen gibt (SDG 5: Achieve gender equality and empower all women and girls).

VENRO hatte im November 2015 zu einer Konferenz eingeladen „Was hat das Entscheidungsjahr 2015 für Frauen gebracht?“ und außerdem unter dem Titel „Lippenbekenntnisse oder Taten – was bringt die Agenda 2030 für Frauen und Mädchen“ Position bezogen.

Besuche aus unseren Partnerorganisationen

Ein absolutes Highlight im Referat IZ war die Veranstaltungstour, die wir mit Martine Mbritchè (Mafa-Frau aus Nordkamerun) für unsere Kooperation AFFMHL/Kamerun hier in Deutschland durchgeführt haben. Im September/Oktober 2015 tourten Prof. Godula Kosack (TDF-Projektkoordinatorin) und Martine Mbritchè durch sieben Städte und informierten an Schulen, Universitäten, Weltläden, Volkshochschulen mit Informationsveranstaltungen über die Bedeutung von Bildung für die Stärkung von Mädchen und Frauen in Nordkamerun. Die insgesamt 16 Veranstaltungen wurden von mehr als 450 Menschen besucht und bildeten die Plattform für spannende Diskussionen im Nord-Süd-Dialog.

Neue Projektaktivitäten mit unseren Partnerorganisationen

Seit August 2014 haben uns erschreckende Nachrichten von unserer Partnerorganisation „Amazonian Initiative Movement“ in Sierra Leone erreicht: die Ebola-Epidemie hat sich in rasentem Tempo und mit erschreckenden Ausmaßen auch in Sierra Leone ausgebreitet. Wir wollten nicht tatenlos zusehen und haben mehrere Hilfsaktionen ins Leben gerufen, die 2015 fortgeführt wurden.

Durch die großzügige Unterstützung eines Kölner Unternehmers wurde die Kooperation mit dem Frauenschutzhaus in Mali und der Frauenorganisation APDF -Association pour le Progrès et la Défense des Droits des Femmes (Organisation zur Förderung und Verteidigung der Rechte der Frauen) wieder aufgenommen.

Es ist angedacht aus dieser Zusammenarbeit evtl. auch eine TDF-eigene Kooperation wachsen zu lassen. Um die diesbezüglichen Möglichkeiten auszuloten, wurden Kontakt und Austausch zu APDF und Mme Diakité intensiviert.

Im Dezember 2014 haben wir gemeinsam mit unserer Partnerorganisation Bangr Nooma/Burkina Faso ein neues BMZ-finanziertes Projekt gestartet, welches zum Ziel hat, in Ouagadougou eine Anlaufstelle für Gewaltschutz von Mädchen und Frauen aufzubauen. Bereits im Juni 2015 konnte das Beratungszentrum für Mädchen und Frauen CAECF - Centre d’Accueil, d’Ecoute et de Conseils pour les Femmes et les Filles - feierlich eröffnet werden.

Ab Dezember 2015/Januar 2016 gab es wieder einen Wechsel in der Indien-Kooperation: gemeinsam mit der Aktionsgemeinschaft Solidarische Welt unterstützen wir nun die Frauenorganisation BHUMIKA, die eine Telefon-Hotline für von Gewalt betroffene Mädchen und Frauen in der Region Andhra Pradesh betreibt.

Eine ganz erfreuliche Nachricht gab es aus Afghanistan: nach langen Mühen und Verhandlungen, Fördermittelantrag von DAI beim Auswärtigen Amt -- und Dank der Unterstützung durch unsere SpenderInnen konnte endlich der erste Spatenstich zum Bau eines eigenen Frauenzentrums Shahrak im Dezember 2014 getan werden. Bereits im Juni 2015 wurde das neue Frauenzentrum eingeweiht!

Auslandsdelegationen

Im April 2015 empfingen wir zwei Frauenrechtaktivistinnen aus Mexiko und Peru, die uns interessante Einblicke in ihre feministischen Aktivitäten gaben. Während des Gesprächs hat man das besonders große Interesse an der aktuellen Prostitutions-Debatte bei unseren Gästen festgestellt: Sexkaufverbot ja oder nein? Letztes Jahr hat TDF bezüglich der Thematik in einem Positionspapier dazu Stellung genommen: Wir setzen uns für ein Sexkaufverbot ein. Aber die interne Diskussion war bei diesem Thema bei TERRE DES FEMMES sehr kontrovers und hitzig geführt. Unsere Delegationsgäste berichteten, dass in ihren Ländern die feministischen Grabenkämpfe ganz ähnlich aussehen.

Am 5. Juni 2015 besuchte eine indische Studierendengruppe die Geschäftsstelle von TERRE DES FEMMES. Die Studierenden vom Fach Jura, die für eine Woche zu Gast an der Hochschule für Wirtschaft und Recht in Berlin sind, waren sehr interessiert mehr über das Sexualstrafrecht in Deutschland zu erfahren und sich über die Arbeit von TERRE DES FEMMES zu informieren.

Am 8. Juni 2015 haben wir vierzehn Frauen aus dem irakischen Kurdistan bei uns in der Bundesgeschäftsstelle begrüßt. Organisiert wurde das Treffen in Zusammenarbeit mit dem Behandlungszentrum für Folteropfer Berlin und deren irakischer Partnerorganisation Jiyan Foundation for Human Rights. Die Frauen sind im Rahmen eines einwöchigen Trainings zu den Themen Frauenrechte, Frauenschutz und Empowerment nach Berlin gekommen.

Am 03. Juli 2015 traf sich Christa Stolle, Bundesgeschäftsführerin von TERRE DES FEMMES, mit einer weiblichen Delegation von den Malediven, um über Frauen- und Menschenrechte sowie Gewalt gegen Frauen zu sprechen. Die Gruppe von sieben Politikerinnen, die allesamt der maledivischen Opposition angehören, besuchte Deutschland für einige Tage, um sich mit VertreterInnen aus Politik und Zivilgesellschaft auszutauschen.

Öffentlichkeitsarbeit

Wir haben den internationalen Frauentag 2015 mit der erfolgreichen Film-Matinée „Girl-Rising“ begangen.

In der von der Gemeinnützigen Stiftung Sexualität und Gesundheit herausgegebenen Zeitschrift DHIVA (Juni 2015) wurde ein Artikel veröffentlicht über unsere Ebola-Hilfsaktionen mit AIM in Sierra Leone.

Mit mehreren Spendenaktionen haben wir auf unsere Projektarbeit und internationale KooperationspartnerInnen aufmerksam gemacht. Sehr erfolgreich verlief unsere Spendenverdopplungsaktion mit der Bethe-Stiftung und zugunsten unseres FLORIKA-Projektes in Bulgarien.

Die TDF-Botschafterin Sibel Kekilli hat vom 7. bis 10. Juni 2015 gemeinsam mit unserer ehrenamtlichen Projektkoordinatorin Juliane von Krause erstmals ein Roma-Viertel der Stadt Burgas und unser FLORIKA-Projekt in Bulgarien besucht.

Auch unsere langjährige Partnerorganisation Bangr Nooma konnte sich über Aktionsspenden freuen: wir haben uns für Mopeds – schneller unterwegs im Kampf gegen die Weibliche Genitalverstümmelung - haben wir uns stark gemacht,

Darüber hinaus hat die Städtegruppe Nürnberg gleich zweimal wertvolle Sachspenden von OP-Instrumenten für den Gynäkologen Prof. Akotionga/Burkina Faso aufgetan. Gemeinsam mit Bangr Nooma hilft er notleidenden Mädchen und Frauen, die von Weiblicher Genitalverstümmelung betroffen sind.

Zur Eröffnungsfeier des CAECF von Bangr Nooma gab es eine TERRE DES FEMMES-Delegationsreise. Irma Bergknecht (TDF-Vorstandsvorsitzende) und Renate Staudenmeyer (Referat IZ) haben über ihre Erfahrungen in Burkina Faso einen Bericht geschrieben, der in verschiedenen entwicklungspolitischen Zeitungen veröffentlicht wurde (Iz3W; E+Z; Pambazuka News).

Wir haben uns beim BMZ-Besucherdienst einklinken können. Sie empfangen dort Besuchergruppen von ca. 50 bis 60 Personen, meist parteigebundene Menschen aus den Wahlkreisen von Bundestagsabgeordneten, um Öffentlichkeitsarbeit für die deutsche Entwicklungspolitik zu machen. In diesem Rahmen können sich auch Organisationen der Zivilgesellschaft mit ihrer konkreten Projektarbeit präsentieren. Wir sind am Ball...

 

Stand: 02/2016

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