Bulgarien 2017: Herkunftsland der meisten Opfer von Menschenhandel zur sexuellen Ausbeutung – TERRE DES FEMMES Partnerprojekt FLORIKA wichtiger denn je!

Zwei Mädchen des FLORIKA Projektes beim Malunterricht. Foto: © TERRE DES FEMMESZwei Mädchen des FLORIKA Projektes beim Malunterricht. Foto: © TERRE DES FEMMESIn seinem Bundeslagebild 2017 schreibt das deutsche Bundeskriminalamt, dass bulgarische Staatsangehörige die größte Opfergruppe von Menschenhandel zur sexuellen Ausbeutung betroffener Personen in Deutschland sind. 99 Prozent der Opfer von sexueller Ausbeutung insgesamt ist weiblich und knapp die Hälfte unter 21 Jahre alt. Diese Zahlen verdeutlichen, wie wichtig die Präventionsarbeit des Projektes FLORIKA ist, welches von TERRE DES FEMMES seit 2012 unterstützt wird. Das Projekt versucht mit gezielter Bildungsarbeit Roma-Mädchen zwischen 9 und 15 Jahren vor internationalem Frauenhandel zu schützen. Im Juni 2018 gab es einen Projektbesuch in Burgas, Bulgarien: Juliane von Krause, ehrenamtliche Projektkoordinatorin von FLORIKA, und Christina Vesselinova, Mitbetreuerin des Projektes, verschafften sich einen Überblick über die aktuelle Lage vor Ort.

Bulgarische Staatsangehörige sind dem BKA-Bericht zufolge in Deutschland nicht nur unter den Opfern von sexueller Ausbeutung verstärkt vertreten, sondern auch unter den Tatverdächtigen. Nach deutschen Staatsangehörigen, deren Anteil an Tatverdächtigen seit 2016 leicht zurück ging, stellten bulgarische Staatsangehörige die zweitgrößte Gruppe an Tatverdächtigen dar, mit einem Anstieg zum Vorjahr von knapp 7 Prozent auf über 22 Prozent. Ein besonderer Fokus des Bundeskriminalamt-Berichts liegt auf von Ausbeutung und Menschenhandel betroffenen Minderjährigen, da diese eines besonderen Schutzes bedürfen. Von den Minderjährigen die von kommerzieller sexueller Ausbeutung betroffen sind, machten deutsche Opfer in 2017 mit 65 Prozent den mit Abstand größten Anteil aus. Unter den minderjährigen Opfern nichtdeutscher Herkunft bildeten bulgarische Minderjährige die größte Gruppe. Dasselbe gilt für die Tatverdächtigen in den Strafverfahren zur kommerziellen sexuellen Ausbeutung Minderjähriger, bei denen bulgarische Staatsangehörige über 18 Prozent ausmachten.

Juliane von Krause, ehrenamtliche Projektkoordinatorin von FLORIKA (r.), mit Christina Vesselinova, Mitbetreuerin von FLORIKA (l.), und der Projektleiterin vor Ort von FLORIKA. Foto: © TERRE DES FEMMESJuliane von Krause, ehrenamtliche Projektkoordinatorin von FLORIKA (r.), mit Christina Vesselinova, Mitbetreuerin von FLORIKA (l.), und der Projektleiterin vor Ort von FLORIKA. Foto: © TERRE DES FEMMESDeshalb leistet FLORIKA seit Jahren Präventionsarbeit gegen Frauenhandel für eine Zielgruppe von stark gefährdeten und benachteiligten Mädchen und jungen Frauen im Roma-Viertel Pobeda der Stadt Burgas in Bulgarien. Im Zuge ihres Projektbesuchs bei FLORIKA besuchten Juliane von Krause und Christina Vesselinova auch die Roma-Union, die die Projektleitung von FLORIKA in Burgas in den Händen hat. Nach wie vor gibt es viele Probleme vor Ort. Die Lebensbedingungen im Viertel verschlechtern sich, hauptsächlich durch große Armut und Perspektivlosigkeit der Familien, sowie durch Probleme mit Drogen und Alkohol und daraus resultierender Aggressivität. Diese Faktoren, sowie eine öffentliche Diskriminierung von Roma, führen dazu, dass die Mädchen eine enorme Benachteiligung erfahren. Nur mit Hauptschulabschluss haben sie eine kleine Chance, einen Arbeitsplatz zu finden, zum Beispiel als Zimmermädchen in den örtlichen Hotels. Ein besonders großes Problem entsteht, wenn die Mädchen die Schule abbrechen. Dann laufen sie große Gefahr in die Fänge von Menschenhändlern zu geraten. Ein weiteres Problem in Bulgarien ist auch, dass teilweise die Familien von Roma Mädchen oder auch die Familien ihrer Ehemänner in die Zwangsprostitution involviert sind. Und noch immer werden viele Mädchen schon im Teenageralter Ehefrau und Mutter.

Diesen Problemen und der Benachteiligung der Mädchen versuchen die MitarbeiterInnen von FLORIKA durch verschiedene Ansätze entgegen zu wirken. Sie ermutigen die Mädchen die Schule zu besuchen, was Voraussetzung für die Teilnahme der Mädchen am Projekt ist, und unterstützen sie bei den Hausaufgaben. Außerdem wird versucht durch Tanz-, Näh-, Bastel- und Kochunterricht den Mädchen zusätzliche Fertigkeiten zu vermitteln. Ein weiterer Fokus des Projektes ist eine Einbindung der Eltern und Aufklärung dieser und der Mädchen selbst über Rechte von Mädchen und über die Auswirkungen von Frauenhandel, Frühehen und Teenage-Schwangerschaften. Für das Thema Sexualaufklärung und Familienplanung wird auch eine örtliche Hebamme in die Gespräche mit den Mädchen einbezogen. Eine aktuelle Idee der MitarbeiterInnen vor Ort ist bei der Aufklärung zum Thema Frühehen und Teenage-Schwangerschaften auch Jungen einzubeziehen und jugendliche MultiplikatorInnen zu schulen, die als Peer Group Vorbilder fungieren können und anderen ihr Wissen weitergeben. „Bei den Jugendlichen sind die Workshops sehr begehrt und sie geben gerne ihr neu erworbenes Wissen weiter, an Freunde und innerhalb der Familie. Sie werden dadurch selbst zu Akteuren des sozialen Wandels im Viertel“, sagt Juliane von Krause.

Im ersten Halbjahr 2018 waren 49 Mädchen für die Gruppenangebote bei FLORIKA eingebunden. Das ist ein großer Erfolg! „Die Teilnehmerinnen sind stolz und glücklich, bei den Gruppen von FLORIKA dabei zu sein. Von den Pädagoginnen lernen die Mädchen, dass sie eigene Wünsche und Lebensträume haben dürfen und sie auch als junge Frauen Rechte haben“, so Juliane von Krause, „Empowerment und die Stärkung des Selbstbewusstseins der Mädchen sind die eigentlich wichtigen Ziele, neben dem Schulabschluss. Die Mädchen müssen sich mit eigenen Lebensentwürfen gegen Eltern und Ehemann behaupten können.“

Trotz der großen Erfolge des Projekts gibt es noch immer viele Probleme vor Ort. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass das Projekt weiterhin genügend Spenden erhält um seine Präventionsarbeit fortzusetzen und den Mädchen in Burgas eine Zukunft bieten zu können.

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Stand: 10/2018

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