20.09.2010: „Zwangsverheiratung erkennen – richtig handeln“ -Zehn spezifische Workshops schulen die MitarbeiterInnen von Behörden.

Logo des Landes Baden-Württemberg Logo des Europäischen Integrations Fonds  Logo von TERRE DES FEMMES 

STUTTGART/TÜBINGEN. Am vergangenen Montag hat in Baden-Württemberg die Schule wieder angefangen. Doch in einigen Klassenzimmern wird der eine oder andere Stuhl leer bleiben, weil auch in diesem Jahr wieder eine nicht unerhebliche Zahl von Mädchen während des Urlaubs im Heimatland ihrer Eltern zwangsverheiratet wurden.

Nicht bei allen Betroffenen hätte es so weit kommen müssen. Manche dieser Mädchen ahnen, dass sie zwangsverheiratet werden sollen und wenden sich vorher zum Beispiel an das Jugendamt. Dort tut sich die zuständige Person oft sehr schwer, da solch ein Fall nicht dem alltäglichen Erfahrungsschatz entspricht. Manchmal wird die Gefahr auch nicht ernst genug genommen – mit fatalen Folgen für die jungen Frauen.

Daher organisiert TERRE DES FEMMES im Rahmen eines einjährigen Pilotprojekts zehn Workshops, um MitarbeiterInnen von Behörden zu schulen. Das Projekt wird aus Mitteln des Europäischen Integrationsfonds gefördert und von Sozial- und Justizministerium des Landes Baden-Württemberg unterstützt.

„Diese Workshops sind überfällig“, betont Christa Stolle, Bundesgeschäftsführerin von TERRE DES FEMMES. „Seit Jahren erleben wir fast täglich, dass bedrohten Mädchen nicht adäquat geholfen wird, weil die nötige Sensibilisierung und das Fachwissen fehlen.“

Auch Landessozialministerin Dr. Monika Stolz, Unterstützerin des Projekts, unterstreicht: „Kulturelle und ethnische Vielfalt gehört zu den Stärken unseres Landes und bedeutet eine Bereicherung unseres Lebens. Zwangsverheiratungen sind aber kein Kavaliersdelikt, sondern eine schwere Menschenrechtsverletzung, das ist nicht akzeptabel, da können wir keine Kompromisse eingehen.“

Der Integrationsbeauftragte der Landesregierung und Justizminister Prof. Dr. Ulrich Goll begrüßt die nun beginnenden Workshops für Behörden als weiteren wichtigen Baustein im Kampf gegen Zwangsverheiratungen. „Spezielles Wissen ist hier unerlässlich, da Schutz und Betreuung von Zwangsheirats-Opfern ein schnelles, koordiniertes und konsequentes Vorgehen aller Beteiligten erfordern“, betonte Goll.

Der erste Workshop findet am 21. September in Tübingen statt, es folgen Stuttgart, Heilbronn, Mannheim, Konstanz, Villingen-Schwenningen, Freiburg, Karlsruhe, Sigmaringen und Ulm. Expertinnen wie Fatma Bläser und Collin Schubert vermitteln spezielles Fachwissen und schulen die TeilnehmerInnen anhand von praktischen Fallbeispielen. So soll vor allem der Dialog zwischen den Fachkräften und Institutionen gefördert werden, die sich in ihrer täglichen Arbeit - aus ganz verschiedenen Blickwinkeln heraus – mit dem Thema beschäftigen.

Lesen Sie mehr zum Thema auf dem Internetportal www.zwangsheirat.de von TERRE DES FEMMES.

Für Nachfragen und Interviews stehen wir gerne zur Verfügung. Bitte wenden Sie sich für das Thema Gewalt im Namen der Ehre/Zwangsverheiratung an TERRE DES FEMMES, Myria Böhmecke, Tel. 030/40504699-0 oder ehrverbrechen@frauenrechte.de.

Für Nachfragen zu den Workshops wenden Sie sich bitte an die Projektkoordinatorin Monika Michell, Tel. 07071/7973-0 oder ehrverbrechen-bw@frauenrechte.de.

 

Verwendung von Cookies

Um unsere Webseite für Sie optimal zu gestalten und fortlaufend verbessern zu können, verwenden wir Cookies. Durch die weitere Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu.