14.03.2006: Über 7.400 Unterschriften gegen Ehrverbrechen an jordanischen Botschafter übergeben

Am 13. März 2006 fand im Rahmen eines Fachgespräches mit dem jordanischen Botschafter die Unterschriftenübergabe in der Berliner Botschaft statt.

Erstochen, erschossen, mit Benzin übergossen und angezündet - jedes Jahr werden weltweit tausende von Frauen und Mädchen im Namen der Familienehre ermordet. Von ihrem eigenen Bruder, Vater oder Ehemann. Der Grund: Sie haben sich nicht gemäß ihrer traditionellen Rolle als Tochter, Frau und Mutter verhalten und somit die Ehre verletzt. Die Täter erhalten häufig reduzierte Strafen, sofern die Tat überhaupt vor Gericht verhandelt wird.

Jordanien ist eines der Länder, in denen Ehrenmorde vorkommen.

TERRE DES FEMMES fordert von Jordanien, die Gesetze abzuschaffen, die Tätern eines "Ehrverbrechens" Strafmilderung oder -freiheit ermöglichen, zum Schutz der Frauen Beratungs- und Zufluchtstellen einzurichten, Aufklärungskampagnen gegen Ehrverbrechen durchzuführen sowie MitarbeiterInnen der Polizei und anderen Behörden zu schulen.

Im Rahmen des Fachgespräches wurden Möglichkeiten erörtert, gegen Ehrverbrechen in Jordanien vorzugehen. Der jordanische Botschafter S. E. Walid Diaeddin Taleb Al-Rifai machte darauf aufmerksam, dass es derzeit verschiedene Reformbestrebungen in Jordanien gibt, die Gleichberechtigung von Mann und Frau durchzusetzen. Von Seiten des Königshauses existieren außerdem seit Jahren Bemühungen, die Paragraphen aus dem Gesetzbuch zu streichen, die "Ehrenmördern" Strafnachlass ermöglichen. "Wir benötigen Zeit, um die Reformen durchzusetzen. Strukturen, die seit hunderten von Jahren existieren, können nicht von heute auf morgen verändert werden."

TERRE DES FEMMES wird auch weiterhin Druck auf die jordanische Regierung ausüben, damit diese ihr Vorhaben in die Tat umsetzen.

Ehrenmorde sind nach dem jordanischen Strafgesetzbuch minder schwere Verbrechen. Artikel 340 z. B. gewährt Vätern und Brüdern Straffreiheit oder -minderung. Artikel 98 ermöglicht milde Urteile, wenn ein Angeklagter durch "provokantes" oder "unrechtes" Verhalten des Opfers gereizt wurde. "Provokantes" Verhalten kann einer Frau jedoch selbst dann vorgeworfen werden, wenn sie vergewaltigt wurde.

Bisher existieren in Jordanien kaum Zufluchtstätten für betroffene Frauen. Die so genannte "Schutzhaft" im Gefängnis ist häufig die einzige Möglichkeit, dem "Ehrenmord" zu entkommen. Über 40 Frauen suchen dort jährlich Zuflucht. Die Frauen können jedoch nicht selbst entscheiden, wann sie gehen wollen. Sie bleiben so lange inhaftiert, bis sie von einem männlichen Verwandten abgeholt werden. Häufig bedeutet dies allerdings den sicheren Tod.

TERRE DES FEMMES hat eine EU-Studie zum Thema "Ehrenmord" herausgegeben, die Sie hier als PDF-Dokument (420 Kb) herunterladen können.

Bei Nachfragen und Interviewwünsche wenden Sie sich bitte an
Myria Böhmecke,
E-Mail: eilaktion@frauenrechte.de
Tel. 07071/79 73-0

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