Podium 2: Gewalt im Namen der Ehre / Zwangsheirat

PodiumsteilnehmerInnen (v.l.n.r.): Shelly Kupferberg (Moderatorin), Güner, Balci, Yilmaz Atmaca, Fauzia Viqar, Rahel Volz.  Foto © Silke HelmerdigPodiumsteilnehmerInnen (v.l.n.r.): Shelly Kupferberg (Moderatorin), Güner, Balci, Yilmaz Atmaca, Fauzia Viqar, Rahel Volz.
Foto © Silke Helmerdig

Podium 2:  Gewalt im Namen der Ehre / Zwangsheirat (Kurzfassung)

TeilnehmerInnen:

Yilmaz Atmaca, Gruppenleiter im Berliner Jugendprojekt Heroes, das mit jungen Männern mit Migrationshintergrund zum Thema Ehre arbeitet
Güner Balci, die in Mädcheneinrichtungen in sozialen Brennpunkten Berlins gearbeitet hat und zwei Bücher - “ArabBoy“ und die Vorgängerin “ArabQueen“ - über Jugendliche in Deutschland mit Migrationshintergrund geschrieben hat
Fauzia Viqar von Shirkat Gah, einer pakistanischen Frauenrechtsorganisation, die Lobbyarbeit und Aufklärungsarbeit leistet
Rahel Volz, Politikwissenschaftlerin und Referentin für Gewalt im Namen der Ehre von TERRE DES FEMMES e.V.

In Pakistan ist Gewalt gegen Frauen im Wertesystem verinnerlicht und auch wenn die jüngere Generation Frauenrechten positiv gegenüber steht, wird noch nicht erkannt, was das für den Alltag bedeutet. Gewalt gegen Frauen in Pakistan ist vielfältig und wird oft nicht als solche wahrgenommen. Sie geht über den Ehrbegriff hinaus und wird eingesetzt, um Besitzverhältnisse zu wahren. Die Regierung erlässt Gesetze, um Frauen zu schützen, die Umsetzung gestaltet sich dennoch schwierig, weil die Staatsbediensteten selbst in den patriarchalischen Strukturen leben.

In Deutschland wird das Thema Gewalt im Namen der Ehre immer stärker von der Öffentlichkeit wahrgenommen und auch von der Politik beachtet.

Bei der Arbeit mit Betroffenen müssen diese im Mittelpunkt stehen und es wichtig, dass alle AkteurInnen, auch die Staatlichen (Polizei, Justiz, Behörden) sensibilisiert werden, damit sich die Betroffenen sicher fühlen und ihre Anonymität gewährleistet ist. Der emotionale und rechtliche Beistand muss garantiert sein und das Angebot von Schutzhäusern und qualifizierter Beratung muss weiter ausgebaut werden.

Die Arbeit zum Ehrbegriff muss kultursensibel sein und darf nicht als westliche Agenda wahrgenommen werden. Es ist ein langwieriger Prozess, der viel Geduld erfordert und der erste Schritt ist die Einsicht, dass Traditionen, Erziehung und Kultur hinterfragt werden dürfen. Prävention ist von entscheidender Bedeutung und auch die Generation der Eltern sollte in diese Arbeit einbezogen werden.

Zwangsverheiratete Männer sind keine Einzelfälle, aber sie stellen sich seltener als Opfer dar, auch wenn sie dadurch traumatisiert werden. Sie bleiben innerhalb der Paarbeziehung weiterhin in einer Machtposition.

Ob Religion als Argumentationshilfe zur Durchsetzung von Gleichberechtigung verwendet werden sollte, wird kontrovers diskutiert, da Gleichberechtigung für viele Anwesende ausschließlich auf Grundlage von Menschenrechten definiert werden sollte.

Im Gespräch über Gewalt im Namen der Ehre (v.l.n.r.): Shelly Kupferberg (Moderatorin), Güner, Balci, Yilmaz Atmaca, Fauzia Viqar, Rahel Volz. Foto © Silke HelmerdigIm Gespräch über Gewalt im Namen der Ehre (v.l.n.r.): Shelly Kupferberg (Moderatorin), Güner, Balci, Yilmaz Atmaca, Fauzia Viqar, Rahel Volz.
Foto © Silke Helmerdig

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