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Jemen

Vorkommen© UNICEF Data: Monitoring the Situation of Children and Women. 2016. Country Profile: Jemen.© UNICEF Data: Monitoring the Situation of Children and Women. 2016. Country Profile: Jemen.

Weibliche Genitalverstümmelung (Female Genital Mutilation – FGM) wird im Jemen vor allem im Osten praktiziert. Insgesamt sind durchschnittlich 19% aller Mädchen und Frauen (15-49 Jahre) genitalverstümmelt. Die Praktik wird im Jemen dabei sehr früh durchgeführt – in den meisten Fällen (85%) innerhalb der ersten Woche nach der Geburt, weitere 14% vor dem ersten Lebensjahr.

Zahlen

Betroffene: 19% der Mädchen und Frauen (15-49 Jahre)
Befürworterinnen: 19% der Mädchen und Frauen (15-49 Jahre)
Beschneidungsalter: 85% der Verstümmelungen werden innerhalb der ersten Lebenswoche durchgeführt und 14% vor dem ersten Lebensjahr
85% der Eingriffe werden von einer traditionellen Beschneiderin durchgeführt, 13% durch medizinisches Personal

Formen

Typ II (Exzision) gemäß WHO-Klassifikation wird mit 88% der Genitalverstümmelungen im Jemen am häufigsten praktiziert. Dabei wird der äußerlich sichtbare Teil der Klitoris und der inneren Schamlippen mit oder ohne Beschneidung der äußeren Schamlippen teilweise oder vollständig entfernt. 11% der Genitalverstümmelungen sind eine Klitoridektomie (Typ I). Das bedeutet, dass der äußerlich sichtbare Teil der Klitoris und/oder der Klitorisvorhaut teilweise oder vollständig entfernt wird.

1% der Genitalverstümmelungen entsprechen Typ IV („andere Formen“) der WHO-Klassifikation. Eine wiederholt beschriebene Praktik ist: al-takmeed. Dies bezeichnet den Brauch, dass dem wenige Tage alten Mädchen von der Mutter für einen Zeitraum von 40 Tagen bis zu fünf Monaten täglich eine Stunde lang ein mit Salz und/oder Sand, Öl und Kräutern getränktes Tuch auf der Klitoris und Vulva gerieben wird. Durch diese Prozedur soll das Nervengewebe abgestumpft werden, sodass später die sexuelle Lust und das Begehren des Mädchens gemindert ist.

Begründungsmuster

Dass der Eingriff in so frühem Alter vorgenommen wird und so stark verbreitet ist, deutet darauf hin, dass weibliche Genitalverstümmelung im Jemen mittlerweile zu einem „Routineschritt“ im Lebenslauf von Mädchen und Frauen gehört. Der Hauptbeweggrund für weibliche Genitalverstümmelung ist jedoch die Einschränkung der weiblichen Lust.

Gesetzliche Lage

Die Versuche weibliche Genitalverstümmelung juristisch einzuschränken sind bisher gescheitert. Zum Teil, weil die geschaffenen Maßnahmen keine abschreckende Wirkung entfalten, zum anderen, weil die bestehenden Vorschriften und Gesetze kaum genutzt werden. So hat das Gesundheitsministerium sich zwar explizit gegen weibliche Genitalverstümmelung ausgesprochen und mit internationalen ExpertInnen ausgetauscht, doch die Umsetzung der gemeinsam entwickelten Strategie zur Abschaffung weiblicher Genitalverstümmelung lässt noch auf sich warten. Bereits 2001 wurde die Durchführung von FGM in öffentlichen Krankenhäusern, privaten Kliniken und durch medizinisches Personal verboten. Dies führte jedoch dazu, dass weibliche Genitalverstümmelung nun in privaten Haushalten und von traditionellen Beschneiderinnen praktiziert wird. In 2008 wurde ein Regierungsplan aufgesetzt, welcher die Praktik bis 2012 um 30% senken sollte. Religiöse Führer sollten dazu animiert werden, sich gegen weibliche Genitalverstümmelung auszusprechen und die Praktik zu verurteilen. 2009 wurde dem Parlament ein Gesetzentwurf vorgelegt, welcher die Durchführung von weiblicher Genitalverstümmelung unter Strafe stellt, jedoch wurde das Gesetz bis heute nicht verabschiedet.

Haltung und Tendenzen

Die Prävalenzrate von FGM stieg von 2012 bis 2013 von 17% auf 19% an. Dabei sind 75% der Mädchen und Frauen (15-49 Jahre) der Ansicht, FGM muss aufhören.

 

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Stand 10/2016

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