Sri Lanka

Vorkommen

Es gibt nur sehr wenige Informationen zu weiblicher Genitalverstümmelung (Female Genital Mutilation – FGM) in Sri Lanka.

In Sri Lanka wird weibliche Genitalverstümmelung unter einer kleinen Minderheit der Moors, indischen Muslimen (ausgewanderte Dawoodi Bohras) und malaysischen Muslimen, die im frühen 19. Jahrhundert nach Sri Lanka kamen, praktiziert. Unter den Dawoodi Bohras, welche ursprünglich aus Indien oder Pakistan kommen, ist es üblich, dass die zukünftigen Schwiegereltern ein Zertifikat anfordern, welches bestätigt, dass das Mädchen beschnitten ist.

Die Mädchen werden 40 Tage nach der Geburt beschnitten. Die Genitalverstümmelung findet nicht im Krankenhaus statt und wird oft unter unhygienischen Umständen ausgeführt. Nach der Beschneidung wird dem Baby zur Heilung Asche auf die Wunde gestreut. Die Beschneidung wird von einer Osthi Mami durchgeführt, die auch für andere traditionelle Rituale zuständig ist. Mütter zahlen der Osthi Mami für die Beschneidung ca. 500 Rupees (12 Euro).

Die Praktik der weiblichen Genitalverstümmelung wird vor den Männern so streng geheim gehalten, dass viele gar nicht wissen, dass ihre Frau beschnitten ist.

Formen

In Sri Lanka werden unterschiedliche Formen von FGM praktiziert. Diese reichen von dem symbolischen Berühren der Klitoris mit einem Messer bis hin zu Typ I (Klitoridektomie) und Typ IV gemäß WHO-Klassifikation von weiblicher Genitalverstümmelung. Bei der Klitoridektomie werden die Klitorisvorhaut und/oder die Klitoris herausgeschnitten. Unter Typ IV fallen alle weiteren schädlichen Praktiken am weiblichen Genital, wie z. B. Stechen, Verbrennen oder Ätzen. In Sri Lanka wird vor allem das Einstechen der Klitoris praktiziert.

Begründungsmuster

Viele Mütter glauben, dass ihre Religion ihnen die Beschneidung ihrer Töchter vorschreibt. Außerdem sei die Vulva dadurch hygienischer und FGM notwendig für das Frausein. Darüber hinaus sollen beschnittene Frauen innerhalb der Communities besser akzeptiert sein.

Gesetzliche Lage

In Sri Lanka gibt es kein Gesetz gegen weibliche Genitalverstümmelung. Das Land hat jedoch die Frauenrechtskonvention CEDAW unterschrieben. Allerdings hat FGM keine Priorität, wenn es um die Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen geht. Von Seiten religiöser Führer gibt es keine Unterstützung für weibliche Genitalverstümmelung, daher findet sie vermehrt sehr diskret und heimlich statt. Diese zusätzliche Tabuisierung macht es umso schwieriger einzuschätzen, wie viele Mädchen und Frauen betroffen sind und wie ein kultureller Wandel herbeigeführt werden kann.

 

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Stand: 10/2016

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