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Mali

© UNICEF Data: Monitoring the Situation of Children and Women. 2013. Country Profile: Mali.© UNICEF Data: Monitoring the Situation of Children and Women. 2013. Country Profile: Mali.Vorkommen

Weibliche Genitalverstümmelung (FGM – Female Genital Mutilation) ist in Mali weit verbreitet. Die Beschneidungsrate liegt bei 89%. Im Süden und Südwesten des Landes ist sie mit über 80% am höchsten, während sie im Osten mit unter 10% am niedrigsten ist. Besonders hohe Quoten haben die Bambara, Soninke, Peulh, Dogon und Senoufo. Diese Ethnien bekennen sich sowohl zum Christentum als auch zum Islam sowie zum Animismus. Unter den Bamako und Koulikoro sind sogar FGM-Quoten von 95-99,3% erhoben worden.

Nach Religionszugehörigkeit untergliedert liegt die Quote von beschnittenen Mädchen und Frauen (15-49 Jahre) bei: Muslimen 89%, Animisten 86%, Christen 84% und keiner Religion Angehörigen 88%.

Die Aufzeichnungen von ForscherInnen belegen, dass weibliche Genitalverstümmelung in Mali Teil der Hochzeitszeremonie war, also an Mädchen von 14/15 Jahren durchgeführt wurde um sie zu anspruchslosen, fruchtbaren und gehorsamen Ehefrauen zu machen. Mittlerweile werden die Mädchen weit jünger verstümmelt, mitunter ab der dritten Woche nach der Geburt.

Bei den Dogon in Mopti und den Senoufo in Sikasso ist die Genitalverstümmelung als Initiationsritus üblich. Das bedeutet, dass eine Gruppe von Mädchen diese Menschenrechtsverletzung gemeinsam als Übergang von der Kindheit zum Erwachsenenalter erlebt. Nach der Beschneidung gelten sie als heiratsfähig.

Zudem arbeiten Beschneiderinnen aus Burkina Faso häufig in Mali, da FGM in Burkina Faso verboten ist. Die hohe Zahl an Praktizierenden macht es Einzelnen schwer, sich FGM zu widersetzen.

Zahlen

Betroffene: 89% der Mädchen und Frauen (15-49 Jahre)
BefürworterInnen: 73% der Mädchen und Frauen (15-49 Jahre)
Beschneidungsalter: 89% der Mädchen und Frauen (15-49 Jahre) wurde im Alter von 0-4 Jahren beschnitten, 9% zwischen 5 und 9 Jahren und nochmal 1% zwischen 10 und 14
96% der Eingriffe werden von traditionellen Beschneiderinnen vorgenommen, 3% von medizinischen Fachkräften

Formen

In Mali ist die Exzision (Typ II) mit 71% die üblichste Form der Genitalverstümmelung. Hier werden mindestens die inneren Labien und mitunter auch die Klitoris weggeschnitten. Die Klitoridektomie (Typ I), bei der Klitoris und/oder Klitorisvorhaut entfernt werden, aber die Labien intakt bleiben, ist bei 16% der Mädchen üblich. An 3% wurde die Infibulation (Typ III) praktiziert. Hier werden Schamlippen und Klitoris herausgeschnitten und die Wunde bis auf ein kleines Loch zugenäht. Diese Form ist in einigen Regionen des Südens verbreitet, wird in den restlichen Landesteilen jedoch höchstens vereinzelt praktiziert.

Begründungsmuster

Wie auch in andern Ländern ist in Mali die soziale Akzeptanz (37%) das größte Bewegmuster für FGM. 10% glauben daran, dass es ihre Heiratschancen verbessern würden und 12% sehen in FGM ein Garant für die Jungfräulichkeit der Betroffenen bis zur Eheschließung. Es ist bekannt, dass unversehrte Frauen in einigen Ethnien als nicht heiratsfähig gelten. Für 22% ermöglicht und symbolisiert das Abschneiden der Genitalien physische und spirituelle Reinheit und entsprechend gehen auch 24% davon aus, dass es im Sinne ihrer Religion sei Mädchen zu verstümmeln.

Gesetzliche Lage

Weibliche Genitalverstümmelung wird in den Gesetzen Malis nicht explizit erwähnt. Gesetze zur körperlichen Unversehrtheit und Gewaltausübung könnten auf die Fälle von FGM angewandt werden, zumal das Land auch die Kinderrechtskonvention und CEDAW unterzeichnet hat.

Um Beschneiderinnen vor Gericht zu stellen, müsste die Mutter einer minderjährigen Betroffenen Anzeige erstatten und angeben, dass eine andere Frau gegen ihren Willen FGM vorgenommen hat. Da üblicherweise ältere Verwandte die Genitalverstümmelung der Mädchen übernehmen, wenn die Mutter sich weigern sollte, steht diesem Verfahren der Respekt vor dem Alter und das Ideal der Familie als Einheit sowie die gemeinsame Schmach des Gerichtsverfahrens im Wege.

Unter dem Engagement malischer NGOs und AktivistInnen haben bereits einige Dörfer beschlossen, ihre Töchter von FGM zu verschonen und haben interne Regeln und auch Bestrafungen für Beschneiderinnen vorgesehen. Kontraproduktiv ist hier nur die Sorge der Mütter, dass ihre Tochter einen Mann aus einer FGM befürwortenden Familie heiraten könne und dann vor der Hochzeit die Prozedur durchleben müsse.

Haltung und Tendenzen

Auch wenn sich viele Initiativen und Frauengruppen intensiv gegen die Fortsetzung der weiblichen Genitalverstümmelung engagieren und zu einer Überwindung beitragen, liegt die Anzahl der Befürworterinnen immer noch bei 73% (Stand 2010). Seit 2001 ist der Wert um 7% gesunken.

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Stand 09/2016

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