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Liberia

© UNICEF Data: Monitoring the Situation of Children and Women. 2016. Country Profile: Liberia.© UNICEF Data: Monitoring the Situation of Children and Women. 2016. Country Profile: Liberia.Vorkommen

In Liberia wird, wie in Sierra Leone und Guinea, die weibliche Genitalverstümmelung (FGM - Female Genital Mutilation) meist in Zusammenhang mit den Sande Societies praktiziert. Diese Geheimzirkel sind nur jungen Frauen zugänglich, die gemeinsam ihre Initiation durchleben, wozu auch die Entfernung ihrer Klitorides gehört. Die Sande Societies werden gegründet, indem Mädchen zum Übergang von der Kindheit ins Erwachsenenalter einige Zeit losgelöst vom Rest der Gesellschaft an einem heiligen Ort verbringen. Dieser liegt gewöhnlich außerhalb der städtischen oder dörfischen Strukturen. Dort lernen die Mädchen, was sie als Erwachsene wissen müssen und dort findet auch die Genitalverstümmelung statt, bei der sie sich als willensstarke, leidensfähige und beherrschte Frauen beweisen müssen. Während traditionell die Initiation und die Vorbereitung auf das Erwachsenenleben sechs bis zwölf Monate in Anspruch nahm, werden heute auch Sande Societies innerhalb eines Wochenendes gegründet. In dieser Zeit sind natürlich keine tiefen Kenntnisse über Ehe, Gesellschaft, Umgebung und die Welt zu vermitteln, doch die Genitalverstümmelung wird nach wie vor praktiziert, um die Mädchen als erwachsen und heiratsfähig zu kennzeichnen.

Aufgrund der politischen Umstände und der Schwierigkeiten für Forschende während des Bürgerkriegs und danach ist die Datenlage zur aktuellen Verbreitung von FGM dürftig.

Zahlen

Betroffene: 50% der Mädchen und Frauen (15-49 Jahre)
Befürworterinnen: 39% der Mädchen und Frauen (15-49 Jahre)
Beschneidungsalter: Traditionell wurde die Genitalverstümmelung zwischen dem achten und zwölften Lebensjahr durchgeführt. In den letzten Jahren sank das Alter jedoch erheblich, so dass heute schon drei- bis siebenjährige genitalverstümmelt werden

Formen

In Liberia werden schwere Formen der Genitalverstümmelung praktiziert. Den Mädchen werden Klitoris, Klitorisvorhaut und Labien abgeschnitten (Typ II), einige von ihnen werden auch bis auf ein kleines Loch zugenäht (Typ III). Dabei werden üblicherweise keine Betäubungsmittel eingesetzt und wenn das Ritual im Rahmen einer Sande Society im Busch praktiziert wird, sind unsterile Instrumente und die Verwendung an mehreren Mädchen der Gruppe üblich.

Begründungsmuster

Da in Liberia der Initiationsritus fester Bestandteil der gesellschaftlichen Akzeptanz ist, ist dies der Hauptgrund für FGM. Mädchen, die nicht daran teilnehmen, werden weder in der Gesellschaft akzeptiert noch finden sie einen Ehemann. Außerdem bildet die Sande Society ein engmaschiges Netzwerk, in dem sich die Mitglieder gegenseitig unterstützen und helfen. So gibt es trotz der massiven Gefahren einige Umstände, durch welche die Betroffenen von ihrer Genitalverstümmelung „profitieren“ können.

Durch den Bürgerkrieg ist vielen Mädchen der Zugang zu Bildung versagt, wodurch das Wissen um die Gefahren und Folgen von FGM weniger verbreitet ist als die Kenntnis der sozialen Gepflogenheiten. Dieses Bildungsdefizit kann sowohl über die eigene Unversehrtheit entscheiden als auch über die der Töchter einer Frau.

Gesetzliche Lage

Weibliche Genitalverstümmelung ist in Liberia gesetzlich nicht verboten.

Haltung und Tendenzen

Von den Frauen ohne Schulbildung befürworten 50% weibliche Genitalverstümmelung, bei den gebildeteren sind es 22%. Die gleiche Tendenz zeigt sich auch zwischen den ärmeren und reicheren Bevölkerungsschichten.

55% der Mädchen und Frauen (15-49 Jahre) sprechen sich gegen den Fortbestand von FGM aus.

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Stand 09/2016

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