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Dschibuti

© UNICEF Data: Monitoring the Situation of Children and Women. 2014. Country Profile: Dschibuti.© UNICEF Data: Monitoring the Situation of Children and Women. 2014. Country Profile: Dschibuti.Vorkommen

In Dschibuti sind 93% der Mädchen und Frauen (15-49 Jahre) von weiblicher Genitalverstümmelung (FGM - Female Genital Mutilation) betroffen. Die Praktik wird von allen ethnischen Gruppen und Religionsgemeinschaften praktiziert. Da Dschibuti ein multiethnisches und -kulturelles Land ist, können die Gepflogenheiten der weiblichen Genitalverstümmelung nur verallgemeinernd wiedergegeben werden. Je nach Ethnizität, sozialem Status, Region, Bildung und Religion begründen die praktizierenden Familien FGM unterschiedlich und praktizieren deshalb unterschiedliche Formen zu unterschiedlichen Zeitpunkten.

 

Zahlen

Betroffene: 93% der Mädchen und Frauen (15 bis 49 Jahre)
Befürworterinnen: 37% der Mädchen und Frauen (15-49 Jahre)
Beschneidungsalter: 22% von FGM wird vor dem 4. Lebensjahr der Mädchen durchgeführt, 62% zwischen dem 5. und 9., 12% zwischen dem 10. und 14. und nochmals 1% nach dem 15.

78% der Bescheidungen werden von einer traditionellen Beschneiderin durchgeführt

Formen

In Dschibuti wird mit 53% Typ II (Exzision) von FGM am häufigsten praktiziert. Hierbei wird der äußerlich sichtbare Teil der Klitoris und der inneren Schamlippen mit oder ohne Beschneidung der äußeren Lippen teilweise oder vollständig entfernt. Bei 15% der beschnittenen Mädchen und Frauen (15-49 Jahre) wurde Typ I (Klitoridektomie) vollzogen. Dabei wird der äußerlich sichtbare Teil der Klitoris und/ oder die Klitorisvorhaut teilweise oder vollständig entfernt. 30% der Genitalverstümmelungen stellen eine Infibulation (Typ III) dar. Das heißt, das gesamte äußerlich sichtbare Genital wird herausgeschnitten und die offene Wunde bis auf ein kleines Loch vollständig zugenäht.

Begründungsmuster

Es fehlen konkrete Angaben zu den Begründungsmustern in Dschibuti. Es ist anzunehmen, dass sich die Begründungsmuster in Dschibuti an die aus anderen Kulturen anlehnen. Dabei wird FGM oft religiös begründet, obwohl keine religiöse Schrift diese Praktik nennt. Der Körper und die Seele der Frau sollen mithilfe des Schmerzes und des Gefühlsverlust gereinigt werden. Es wird mitunter auch angenommen, dass das unveränderte Genital einer Frau zerstörerische Wirkung hat und die Potenz des Mannes, das Leben ihres Kindes, die Ernte in ihrem Hof und ihre eigene Gesundheit gefährden kann. Diese und ähnliche Mythen führen dazu, dass Frauen, die kein FGM erlebt haben, schlechtere Heiratschancen haben, wobei ein wirtschaftlich unabhängiges Leben als Alleinstehende in vielen Gesellschaften nicht vorgesehen ist und so die Genitalverstümmelung also auch aus ökonomischen Gründen praktiziert wird. Zusätzlich gilt die beschnittene Vulva oftmals als ästhetisch.

Gesetzliche Lage

Wie in den meisten afrikanischen Ländern ist die Genitalverstümmelung auch in Dschibuti kriminalisiert. Seit 1995 bestimmt Artikel 333 des Strafgesetzbuchs, dass ein Akt der Genitalverstümmelung mit fünf Jahren Gefängnis und 1.000.000 Francs zu bestrafen ist. Allerdings wird das Gesetz kaum angewandt. 2009 wurde das Verbot von FGM in die Verfassung aufgenommen.

Haltung und Tendenzen

In Dschibuti neigen die jungen Mädchen eher als ältere Frauen dazu, die Praktik zu verurteilen, trotzdem finden sich keine signifikanten Indizien für ein Ende von FGM oder Abschaffungsbemühungen in der kommenden Generation. Allerdings lässt sich der Rückgang der härtesten Formen von Beschneidung beobachten. 51% der Mädchen und Frauen (15-49 Jahre) sind der Meinung, FGM solle abgeschafft werden.

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Stand 09/2016

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