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Beweggründe und Risiken

Maimouna Ouédraogo von unserem Kooperationsprojekt Bangr Nooma fährt in Dörfer, sucht den Dialog und lebt dort bis sich alle gegen weibliche Genitalverstümmelung aussprechen. Foto: © Ulrike SülzleMaimouna Ouédraogo von unserem Kooperationsprojekt Bangr Nooma fährt in Dörfer, sucht den Dialog und lebt dort bis sich alle gegen weibliche Genitalverstümmelung aussprechen.
Foto: © Ulrike Sülzle
Weibliche Genitalverstümmelung (Female Genital Mutilation – FGM) ist eine schwere Menschenrechtsverletzung und Ausdruck von Unterdrückung, Demütigung, Inbesitznahme und ökonomischer Verwertung von Mädchen und Frauen. Wer als Kind seine Klitoris herausgeschnitten bekommt, lernt, dass der eigene Körper fehlerhaft sei. Weil die Verstümmelung praktiziert wird, um das Lustempfinden von Mädchen zu reduzieren, lernen sie, dass ihre Wünsche, Fantasien und Bedürfnisse verwerflich und sie aufgrund ihres Geschlechts minderwertig seien.

Weibliche Genitalverstümmelung ist die Manifestation eines frauenfeindlichen Systems, in dem Mädchen und Frauen nicht gleichberechtigt, selbstbestimmt und frei sind, sondern dazu verpflichtet und gezwungen, ihrer Familie zu dienen.

Vier Gründe für weibliche Genitalverstümmelung

Die BefürworterInnen beurteilen weibliche Genitalverstümmelung innerhalb ihrer Kultur und sehen genug vermeintliche Vorteile, um diese Praktik fortzusetzen. Grob lassen sich die Beweggründe in Tradition, Religion, medizinische Mythen und ökonomische Gründe unterteilen.

Der Tradition zu folgen ist Ausdruck des Respekts gegenüber älteren Generationen und ein Zeichen der Dankbarkeit für die eigene Herkunft. Mit einem uralten Brauch zu brechen, kann als Affront gegenüber der ganzen (Groß-)Familie und allen Vorfahren verstanden werden. Die Reaktionen darauf können sehr emotional und dadurch sogar lebensbedrohlich ausfallen.

Die Religion und ihre Verknüpfung zwischen Hygiene und (spiritueller) Reinheit ist für viele Menschen Anlass zur Genitalverstümmelung ihrer Töchter. Keine religiöse Schrift ruft zur weiblichen Genitalverstümmelung auf. Trotzdem sind Angehörige verschiedener Religionen überzeugt, dass Genitalverstümmelung Einklang zwischen Mensch und dem Willen eines spirituellen Wesens schaffen kann.

Medizinische Mythen besagen, dass eine beschnittene Vulva hygienischer und Kontakt mit der Klitoris tödlich sei oder zu Impotenz führe, dass Organe oder der Fötus aus der Vulva fallen können und vieles mehr. In Folge der Genitalverstümmelung auftretende gesundheitliche Probleme werden oft nicht mit ihr in Verbindung gebracht sondern anderweitig erklärt.

Ökonomische Gründe für die weibliche Genitalverstümmelung sind ein höheres Brautgeld und bessere Heiratschancen für beschnittene Mädchen und Frauen. In den meisten praktizierenden Gemeinschaften sind die Strukturen selten so, dass eine alleinstehende und ggf. alleinerziehende Frau allein überleben kann. Dort, wo FGM praktiziert wird, ist der Status der Frau in der Regel von ihrem Ehemann abhängig und ohne FGM bleibt sie nicht nur allein, sondern wird auch ausgeschlossen und geächtet.

Folgen und Risiken

Ca. 25% der betroffenen Mädchen und Frauen sterben entweder während der Genitalverstümmelung oder an den Folgen. Weibliche Genitalverstümmelung wird in der Regel ohne Betäubung durchgeführt, sodass die Mädchen extreme Schmerzen erleiden und nach dem Eingriff meist hochgradig traumatisiert sind. Je nach Typ und Praktik sind verschiedene Komplikationen und Folgen verbreitet: wie z.B. Blutverlust, Infektionen (z.B. HIV/AIDS), Wucherungen, Fistelbildung, chronische Schmerzen, Schwierigkeiten beim Urinieren und Menstruieren, Inkontinenz, Unfruchtbarkeit, hohes Geburtsrisiko für Mutter und Kind und weitere gynäkologische Probleme. Zu den möglichen psychischen Folgen gehören unter anderem Angststörungen, Schlaflosigkeit, Posttraumatische Störungen, Konzentrationsschwäche, Depressionen und Traumata. Besonders die Infibulation (Zunähen nach der Beschneidung) hat schwerwiegende Konsequenzen, da das Abheilen der Wunde hier nur für kurze Zeit erwünscht ist und das Mädchen sowohl zu Beginn ihrer Ehe als auch bei und nach jeder Geburt "geöffnet“ wird und die Wunde neu verheilen muss

 

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