Brustbügeln – eine wenig bekannte harmful practice

Brustbügeln ist eine harmful practice (schädliche traditionelle Praktik), die in Westafrika in den Ländern Togo, Ghana, Benin, Nigeria, Guinea, Äquatorialguinea und vor allem in Kamerun verbreitet ist. Dabei werden jungen Mädchen, wenn ihr Brustwachstum einsetzt, im Feuer erhitzte, heiße Steine, Stößel oder Holzspachtel über die Brüste gerieben. Oft müssen die Mädchen zusätzlich ein enges Elastikband um die Brust tragen, das gerade noch genug Platz zum Atmen lässt. Ziel ist, das Brustwachstum der Mädchen zu unterdrücken oder aufzuschieben, damit diese möglichst lange unattraktiv für Männer bleiben. So schütze man sie vor frühen sexuellen Beziehungen, Übergriffen und Vergewaltigungen sowie möglicherweise daraus resultierenden Frühschwangerschaften.

Brustbügeln ist eine schwere Form der Menschenrechtsverletzung, da sie gegen das Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit verstößt und die Sexualität der Frauen kontrolliert.

Die Praktik des Brustbügelns ist wenig bekannt und wird es in den letzten Jahren überhaupt marginal in der Öffentlichkeit thematisiert. Deshalb liegen bislang kaum konkrete Daten und Untersuchungen zur Betroffenenanzahl und den schwerwiegenden Folgen dieser Praktik vor. Einzig in Kamerun wurden im Auftrag der GIZ und in Zusammenarbeit mit dem “Institut pour la Recherche, le Développement socio-économique et la Communication” (IRESCO) in den Jahren 2006 und 2013 zwei Studien zum Thema durchgeführt. Waren im Jahr 2006 noch 23,8 % der Mädchen in Kamerun betroffen, so ist die Zahl bis 2013 auf 11,8 % gesunken. Dies ist vor allem auf Aufklärungskampagnen vor Ort zurückzuführen.

Mädchen müssen für die Angst vor sexuellen Übergriffen mit ihrer Brust bezahlen

Allerdings schwanken die Zahlen innerhalb Kameruns stark: So sind im Norden Kameruns nur 7 % der Mädchen und Frauen betroffen, während es rund 53 % in der Littoral-Region rund um Douala sind. Der medizinische Anthropologe Dr. Flavien Ndonko, der die Studien geleitet hat, meint dazu: “Das Leben in der Stadt ist eine Quelle von Besorgnis für die Eltern, weil sie nicht wissen, was ihre Kinder in ihrer Abwesenheit machen.” Die soziale Kontrolle durch die Großfamilie und Dorfgemeinschaft fällt weg und die Kinder können weniger geschützt werden. Dies versuchen die Familien durch das Brustbügeln, zumeist ausgeführt durch die Mütter oder Großmütter, auszugleichen. Letztlich sin des also die Mädchen, die für die Angst vor männlichen Übergriffen mit der Verstümmelung ihrer Brust zahlen müssen.
Gleichzeitig soll mit dem Hinauszögern des Brustwachstums auch das Erwachsenwerden aufgeschoben werden und die Mädchen von Liebschaften und ersten Sexualkontakten fernhalten. Stattdessen sollen sie sich auf ihre Ausbildung konzentrieren.

Schwerwiegende physische und psychische Folgen

Neben den starken Schmerzen während der Prozedur selbst sind auch die kurz- und langfristigen Folgen des Brustbügelns für die Mädchen und Frauen schwerwiegend.

Narben, Zysten und Abszesse in der Brust, Infektionen und Fieber, starker Juckreiz, Anomalien der Form, ungleichgroße Brüste, eine Verkleinerung des Volumens und Hängebusen sind häufige körperliche Folgeschäden. Außerdem können viele Betroffene spatter nicht mehr oder nur mit großen Schwierigkeiten stillen. Die bringt die jungen Mütter zusätzlich in eine wirtschaftlich schwierige Lage, da Babyfläschchen und insbesondere Milchpulver in Westafrika nur sehr schwierig und teuer zu bekommen sind.

Besonders gravierend sind die psychischen Folgeschäden, oftmals posttraumatische Belastungsstörungen. Betroffene Frauen berichten von Panikattacken und einem verminderten Selbstwertgefühl bis hin zum Selbsthass. Sie verstecken ihren Körper und möchten nicht berührt werden. Das führt häufig zu Problemen in der Partnerschaft.

Gleichberechtigt, selbstbestimmt und frei

TERRE DES FEMMES verurteilt die Praktik Brustbügeln als eine schwerwiegende Menschenrechtsverletzung mit dem Ziel, die Sexualität von Mädchen und Frauen zu kontrollieren. Wir setzen uns für das Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit ein und fordern ein gleichberechtigtes, selbstbestimmtes und freies Leben aller Mädchen und Frauen weltweit!

 

Stand 04/2016

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