Europäische Union berechnet Anzahl FGM-Gefährdeter neu

Der intensive Austausch in Vilnius wurde auch zu Netzwerkarbeit und zur Entwicklung neuer Ideen im Engagement gegen weibliche Genitalverstümmelung genutzt. Foto: © EIGEDer intensive Austausch in Vilnius wurde auch zu Netzwerkarbeit und zur Entwicklung neuer Ideen im Engagement gegen weibliche Genitalverstümmelung genutzt.
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Im September 2013 veröffentlichte die Europäische Union einen Plan zur Abschaffung weiblicher Genitalverstümmelung in Europa zur Abschaffung weiblicher Genitalverstümmelung in Europa und darüber hinaus (PDF-Datei). Der erste Schritt dieser Empfehlung sieht vor, die Anzahl der vermutlich gefährdeten Mädchen und betroffenen Frauen in allen Ländern einheitlich zu berechnen. Forscherinnen aus England, Schweden und Portugal entwickelten im Auftrag des EIGE (European Institute for Gender Equality) im letzten Jahr eine Methode, die sie nun mit Expertinnen aus ganz Europa besprechen wollten. Für Deutschland wurde TERRE DES FEMMES zu der Konferenz am 30. Oktober 2014 eingeladen.  

Der Vorschlag der EU sah eine Risikoberechnung vor, die fast exakt der Methode der TERRE DES FEMMES-Statistik (PDF-Datei) entspricht. Einzige Unterschiede: Das berechnete durchschnittliche Verstümmelungsalter lag meist etwas höher und die Prozentzahl der Betroffenen 14-19-jährigen bildete die Grundlage für die Berechnung der Anzahl der Gefährdeten in der EU.

Die Expertinnen aus Universitäten und Ministerien und Nichtregierungsorganisationen erklärten, welche Daten zur realistischern Berechnung der Anzahl der Gefährdeten Mädchen benötigt werden. z.B. wird nur die erste Migrationsgeneration vom Statistischen Bundesamt erfasst obwohl auch die zweite und dritte Generation gefährdet sein kann. Wenn beide Elternteile denselben traditionellen Kulturhintergrund haben, erhöht dies das Risiko gegenüber Töchtern aus „gemischter“ Ehe. Auch der Geburtsort des Vaters wird üblicherweise bei keinem Zensus abgefragt. Natürlich wirkt die Ethnizität der Eltern stärker auf den Risikofaktor, als ihre Staatsbürgerschaft – gerade wenn Mehrfachmigration vorliegt. Auch der Migrationsgrund und die daraus ableitbare Offenheit für die Kultur des Aufnahmelandes bleiben unberücksichtigt.

Zudem liegen bisher nur für wenige Verbreitungsländer nutzbare Daten vor. So würden z.B. Mädchen aus Indonesien, Irak usw. auch bei der Dunkelzifferberechnung in Europa nicht erfasst.

Die Konferenz war sich also einig, dass aufgrund der unbekannten Faktoren jede seriöse Dunkelzifferberechnung zwangsläufig zu einem Ergebnis führen muss, das das reale Risiko in Europa unterschätzt.

Gleichzeitig führt die Erstellung einer umfassenderen Datenbasis zu so großen finanziellen, organisatorischen und datenschutzrechtlichen Einbußen, dass diese auch nicht gefordert werden kann. Denn der Zweck und Nutzen dieser Statistik ist ja nicht die Produktion einer schönen Zahl sondern bessere Aufklärungs- und Abschaffungspolitik innerhalb der EU.  

So kamen die Teilnehmerinnen zu dem Schluss, dass die EU-Länder mit frauenrechtlichen und integrationserleichternden Maßnahmen weibliche Genitalverstümmelung verhindern können und sowohl qualitative Forschung zum Thema als auch gezielte Aktivitäten in Diaspora-Communities und Ballungsräumen fördern sowie auf bestehende Initiativen und Erfahrungen von Betroffenen aufbauen sollte.

Der Bericht wird von EIGE voraussichtlich im November 2014 fertig gestellt und im Laufe des nächsten Jahres veröffentlicht. 

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