Whole Bodies Whole Selfes – Bericht vom Genital Autonomy Symposium 2014 in Boulder/Colorado

Auf Einladung der US-amerikanischen Organisation NoCirc nimmt die TERRE DES FEMMES Referentin Katharina Kunze erstmalig an der internationalen Konferenz gegen unfreiwillige Genitaloperationen an allen Kindern teil. Am Samstag, 25.07.14 stellte unsere Referentin TERRE DES FEMMES vor und präsentierte hier sowohl das europäische Projekt CHANGE als auch unsere Unterschriftenkampagne gegen weibliche Genitalverstümmelung (FGM) in Indonesien.

Engagement gegen weibliche Genitalverstümmelung in den USA

Die US-amerikanischen Aktivistinnen Opeyemi Parham und Soraya Miré engagieren sich ebenfalls gegen weibliche Genitalverstümmelung und präsentierten Teile ihrer Arbeit bei der Konferenz. Soraya Miré hat am eigenen Leib eine Genitalverstümmelung erleben müssen und hatte den Mut mit ihrer Geschichte an die Öffentlichkeit zu treten. Sie hat bei den Vereinten Nationen gegen weibliche Genitalverstümmelung gearbeitet und dort nur aufgehört, weil sie sich verstärkt dem Engagement gegen die sogenannten „milden Formen“ widmen wollten. Zu ihren Arbeitsgrundsätzen gehört, dass Genitalverstümmelung nicht nur aufgrund der Körperverletzung und des gesundheitlichen Risikos eine Menschenrechtsverletzung ist, sondern weil der Wille des Kindes ignoriert, der intakte Körper unwiederbringlich beschnitten wird und die psychischen Folgen unabsehbar sind. Für Ihren Einsatz gegen operative Eingriffe an den Genitalien von allen Kindern wurde sie u.a. mit dem Humanitarian Award der vereinten Nationen ausgezeichnet.

v.l.n.r.: TERRE DES FEMMES Referentin Katharina Kunze und die Aktivistinnen Opeyemi Parham und Soraya Miré nutzten die Konferenz um sich über die unterschiedliche Wahrnehmung von weiblicher Genitalverstümmelung und Strategien zur Abschaffung auszutauschen.v.l.n.r.: TERRE DES FEMMES Referentin Katharina Kunze und die Aktivistinnen Opeyemi Parham und Soraya Miré nutzten die Konferenz um sich über die unterschiedliche Wahrnehmung von weiblicher Genitalverstümmelung und Strategien zur Abschaffung auszutauschen.Opeyemi Parham leitet Selbsthilfegruppen für betroffene Frauen in Greenfield, Massachusetts. Als Kinderärztin hat sie selbst Beschneidungen an Jungen durchgeführt und sich dafür in einem vielbeachteten Youtubevideo öffentlich entschuldigt.

Beide Aktivistinnen bedauerten, dass in den USA dem Thema weibliche Genitalverstümmelung noch sehr wenig Aufmerksamkeit zukommt. Die Hauptursachen dafür sehen sie in der verbreiteten puritanischen Haltung, dass über Genitalien und Sexualität geschwiegen werden muss, dem Desinteresse bezüglich der Belange von ImmigrantInnen und der häufigen Überzeugung, dass Elternrechte über Kinderrechten stehen (Leider haben die USA die UN-Kinderrechtskonvention bis heute nicht ratifiziert).

Jungenbeschneidung in den USA – viele Betroffene, viele Komplikationen, viele Irrtümer

Das Thema Jungensbeschneidung wurde ausgiebig und sehr entschlossen behandelt. Zahlreiche Vorträge thematisierten die scheinbar interessengetriebene Fehlinformation der Öffentlichkeit, die Probleme der sozialen Norm (über 55% der neugeborenen Jungen werden in den USA heute beschnitten, in den 80ern waren es bis zu 90%), gute Ansätze zur Beschleunigung des kulturellen Wandels, des Protests und der Aufklärung und/oder präsentieren wissenschaftliche Fakten, welche die Problematik verdeutlichten. Weitere Informationen (PDF-Datei) zu dem Thema sind auf der Seite der Veranstalter nachzulesen.

Genitalverstümmelung an Intersex-Kindern: „Wegschneiden der Identität“

Wenn kein anderes Argument als die soziale Norm herangezogen werden muss um ein Kind mehrfachen Operationen am Genital auszusetzen, ist dieses Kind wahrscheinlich mit „uneindeutigen Geschlechtsteilen“ geboren. Über die Erfahrungen, die öffentliche Wahrnehmung und die (fehlenden) Rechte von Intersexuellen berichtete die mitreißende Rednerin Hida Viloria persönlich und mit dem Film „Intersexion“, der nicht nur empfehlenswert ist sondern von jedem Menschen, der die Relevanz von Menschenrechten und den Druck von kulturellen Konventionen verstehen möchte, gesehen werden sollte. In Deutschland arbeitet die Organisation Zwischengeschlecht seit mehreren Jahren intensiv zu diesem Thema.

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