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Erfolg: Genitalverstümmelung im Medizinischen Diagnoseschlüssel aufgenommen

Vorstandsvorsitzende Irmingard-Schewe-Gerigk fordert dass weibliche Genitalverstümmelung in den medizinischen Diagnoseschlüssel aufgenommen wird, damit Betroffenen schneller und besser geholfen werden kann. Foto ©: TERRE DES FEMME, Aktion 2011Vorstandsvorsitzende Irmingard-Schewe-Gerigk fordert dass weibliche Genitalverstümmelung in den medizinischen Diagnoseschlüssel aufgenommen wird, damit Betroffenen schneller und besser geholfen werden kann.
Foto ©: TERRE DES FEMME, Aktion 2011
Am 25. September 2013 wird der Diagnoseschlüssel 2014 veröffentlicht und die weibliche Genitalverstümmelung soll endlich enthalten sein. Durch die Aufnahme in den medizinischen Diagnoseschlüssel und das Sozialgesetzbuch V sind zumindest die gesetzlichen Krankenkassen jetzt nicht nur selbst- sondern auch fremdverpflichtet, die Folgekosten einer Genitalverstümmelung zu tragen. Das ist dringend notwendig: Etwa 24.000 Frauen mit beschnittener und zum Teil eng zugenähter Vulva leben in Deutschland. Über 6.000 Mädchen gehören in Deutschland zur „Risikogruppe Genitalverstümmelung“.

 

Die Ziffern N90.80-N90.84 beschreiben dabei die Symptome und von der Weltgesundheitsorganisation etablierten Typen der weiblichen Genitalverstümmelung. So ist es für medizinisches Personal künftig unumgänglich, sich mit den Erscheinungsformen, der Vielfalt und den Folgen von weiblicher Genitalverstümmelung zu befassen. Durch das so entstehende Wissen soll den Betroffenen künftig schneller, präziser und umfassender geholfen werden können.

Jahrelanger Einsatz von TERRE DES FEMMES

2011 hat TERRE DES FEMMES über 21.000 Unterschriften gesammelt und sich kontinuierlich dafür eingesetzt, dass Genitalverstümmelung in den medizinischen Diagnoseschlüssel aufgenommen wird. Dieser international gültige Katalog definiert und differenziert, was als Gesundheitsproblem gilt, wird zur Abrechnung der Krankenkassenleistung genutzt und gilt in Teilen den gesetzlichen Krankenkassen als Vorgabe für deren Erstattungspflicht.

Früher war die Kostenübernahme durch die Krankenkasse freiwillig

Zusätzlich zu der erlittenen Menschenrechtsverletzung stellt das Leben in einer Gesellschaft, in der die natürliche Vagina den Normfall darstellt, die Betroffenen hierzulande vor soziale Herausforderungen. Bei einigen entwickelt sich der Wunsch, ihre Schamlippen, Klitoris und das Nervengewebe chirurgisch rekonstruieren zu lassen. Bisher stand es den Krankenkassen frei, die Kosten dafür zu erstatten, die Operation abzulehnen oder der Betroffenen mit Verweis auf ihre versicherungstechnisch riskante Gesamtkonstitution gar zu kündigen.

Mehr Beachtung in der medizinischen Ausbildung

Zudem sollte das Wissen um die Folgen von weiblicher Genitalverstümmelung mehr Beachtung in der medizinischen Ausbildung finden. Im Studium lernen GynäkologInnen weder wie man mit einer Frau umgeht, die darum bittet, „wieder geöffnet“ zu werden, damit sie schmerzfreien Sexualverkehr oder eine reguläre Geburt erleben kann. Noch wissen alle KinderärztInnen, dass ein Abtasten der Bauchdecke manchmal nicht reicht, um festzustellen, ob sie es mit den Folgen einer Genitalverstümmelung zu tun haben könnten wenn ein Mädchen über schmerzhaftes Urinieren und Menstruieren klagt.

Darüber hinaus ist und bleibt die präventive Aufklärungsarbeit in den afrikanischen Gemeinschaften besonders wichtig, um die Praxis der Genitalverstümmelung langfristig zu überwinden.