Anlässlich des Kommentars der „Task Force“ zu dem Film "The Cut"

Im August 2013 hat der Verein "Task Force für effektive Prävention von Genitalverstümmelung" TERRE DES FEMMES dafür kritisiert, den Film „The Cut“ zu bewerben und im selben Text die Regisseurin in Zusammenhang mit weiblicher Genitalverstümmelung als "Täterin" bezeichnet.



Diese Darstellung ist beleidigend und falsch. Die Regisseuerin Beryl Magoko stammt aus dem Distrikt Kuria in Kenia und beschloss schon als Jugendliche einen Aufklärungsfilm über die weibliche Genitalverstümmelung in ihrer Heimat zu drehen. Zu diesem Zweck lernte sie an der Kampala University bei Andreas Frowein, der von dem Engagement und dem Talent der jungen Regisseurin so begeistert war, dass er die Produktion ihres Abschlussfilms übernahm.
Dieser Film heißt „The Cut“ und zeigt eine Gesellschaft im kulturellen Wandel sowie die Kräfte, die diesen Wandel so mühsam und zäh machen: Zahlreiche ProtagonistInnen äußern sich zur weiblichen Genitalverstümmelung. Manche sprechen über eigene Erfahrungen, andere klären über die Risiken und Folgen auf und manche betonen den sozialen Druck, der die Fortsetzung dieser Praxis bedingt. Im Zentrum des Films steht ein Initiationsritus, bei dem Jungen und Mädchen durch die Beschneidung ihrer Genitalien zu Erwachsenen werden und manche von ihnen sich genau dies selbst wünschen. Der Film kontrastiert eindringlich die ausgelassene Feststimmung des Dorfes mit dem physischen Schmerz der Mädchen und ihrem Willen, tapfer und stark zu sein. Er verbindet die Erfahrungen der Regisseurin, die als Kind die Initiation älterer Mädchen als fröhlichen, von Überfluss und Übermut geprägten Tag wahrgenommen hat, mit ihrer gereiften Überzeugung, dass weibliche Genitalverstümmelung den Mädchen unaussprechliches Leid zufügt, nicht zu rechtfertigen ist und aufhören muss. TERRE DES FEMMES fördert diesen Film, da er wie kein zweiter die Komplexität des Geflechts aus Werten, Traditionen, Rollenbildern und medizinischem Wissen zeigt, welches das (kultursensible und nachhaltige) Engagement gegen weibliche Genitalverstümmelung so wichtig und so langwierig macht.
Beryl Magoko arbeitet mit Filmen, um jene, die sonst keine Stimme haben, sprechen zu lassen. Sie möchte „The Cut“ bald auch in Kuria und Ostafrika zur Aufklärung einsetzen und bei den Screenings mit der praktizierenden Bevölkerung über die weibliche Genitalverstümmelung diskutieren und so zur Abschaffung beitragen.

In dem Artikel wird behauptet, dass TERRE DES FEMMES, der Produzent und die Regisseurin „zur Befriedigung sadistisch-voyeuristischer Neigungen“ eine Massengenitalverstümmelung zeigen und die ProtagonistInnen in entwürdigender und retraumatisierender Weise für den Film benutzen würden. Weiterhin wird der Eindruck erweckt, dass sowohl das dokumentierte Ereignis als auch die Genitalverstümmelung der ProtagonistInnen durch die Regisseurin und den Produzenten hätte verhindert werden können. Dieser Angriff ist Anlass für folgenden Kommentar:

Die Arbeit von TERRE DES FEMMES ist seit über 30 Jahren professionell, effektiv und respektvoll. Wir arbeiten nicht nur zu weiblicher Genitalverstümmelung sondern auch zu häuslicher Gewalt, Gewalt im Namen der Ehre, Frauenhandel, Zwangsheirat und projektweise zu allen möglichen anderen frauenrechtlichen Themen. Über konstruktive Kritik und einen sachlichen Austausch freuen wir uns dabei, da dies unsere Arbeit bereichert, Kooperationen erleichtert und Synergieeffekte ermöglicht. Tatsächlich erhalten wir aber fast nur Lob und Unterstützung. Ausschließlich die Task Force bzw. ihre Gründerin agitiert so oft es möglich scheint, gegen TERRE DES FEMMES und viele andere Nichtregierungsorganisationen. Während die Mitglieder des Netzwerks Integra und nahezu jedeR Anti-FGM-AktivistIn verstehen, dass wir alle das selbe Ziel verfolgen und gemäß unserer Überzeugung, Kompetenzen und Ressourcen unterschiedliche, sich ergänzende Wege dorthin verfolgen, verwendet die Task Force einen Großteil ihrer Energie darauf, Organisationen aufgrund ihrer Methoden zu kritisieren, ihnen Kooperation mit Praktizierenden zu unterstellen und so das Vertrauen der Öffentlichkeit in alle Anti-FGM-Organisationen zu erschüttern. Die Homepage der Task Force spricht da für sich.

Zu den Vorwürfen der Task Force an die Regisseurin und den Produzenten ist richtigzustellen:

  • Weder Schamlippen noch Klitorides noch Schnitte werden gezeigt und die Darstellung ist in keinem Moment sadistisch oder voyeuristisch. Derartiges zu behaupten legt den Verdacht nahe, dass der Film von den Autorinnen der Vorwürfe nie gesehen wurde.
  • Den physischen Schmerz nach dem Eingriff abzubilden ist dramaturgisch nötig, da durch den Kontrast zur Feststimmung des Dorfes die Solidarität des Publikums mit den Mädchen bewirkt wird. Dabei werden physische Reaktionen auf die Schnitte und den Blutverlust immer in Kombination mit der Willensstärke, der Entschlossenheit und Tapferkeit der jungen Frauen gezeigt. Ein blutiger Boden oder eine bewusstlose Protagonistin z.B. wären anders zu bewerten. - Eine versteckte Kamera bei einer Dokumentation über ein tabuisiertes Thema zu benutzen, ist üblich und legitim, sofern dadurch die Machtstrukturen, die Missstände hervorrufen und stützen, umgangen werden können und die Würde und der mutmaßliche Wille abgebildeten Personen geachtet werden. Mit der Nutzung dieser Bilder wurde die Zensur durch die Initiatoren der Genitalverstümmelung verhindert, nicht die Solidarität mit den Betroffenen. Zudem stand in diesem Fall die Kamera während des gesamten Rituals gut sichtbar auf dem Boden.
  • Kenia erließ sein Gesetz gegen weibliche Genitalverstümmelung erst nach Abschluss der Dreharbeiten im Jahr 2011. Eine Meldung dieser Veranstaltung hätte maximal zu einer Terminänderung geführt.
  • Weibliche Genitalverstümmelung kann nur durch einen Bewusstseinswandel der Praktizierenden beendet werden. Dabei helfen Gesetze, soziale Normen und der Einsatz von Polizei und Justiz. Einzig und allein auf diese Methoden zu setzen, führt zu weiterer Tabuisierung, unhygienischen und ungeübten Praktiken und einer Abwehrhaltung gegenüber der Aufklärung über die Gefahr und Nutzlosigkeit von Genitalverstümmelung.

Das Referat „weibliche Genitalverstümmelung“ von TERRE DES FEMMES ist daran gewohnt, dass die Task Force destruktiv, aggressiv und respektlos agiert. Die junge Regisseurin Beryl Magoko trifft dieser Schlag jedoch unerwartet. Da ihr Film, sie selbst und ihre Integrität nun geschmäht werden, weil die Task Force gegenüber TERRE DES FEMMES sinnlose und unbegründete Animositäten hegt, kommentieren wir diesen Artikel ausnahmsweise. Auf bisherige und künftige Provokationen der Task Force werden wir nicht eingehen. Wir haben Wichtigeres zu tun.  

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